Borussia Mönchengladbach hat das "angedichtete" Tief verjagt

Zwei von drei Gladbacher Torschützen: Raffael (links) erzielte das 2:1, Max Kruse herzt den 3:1-Torschützen Thorgan Hazard (rechts)
Zwei von drei Gladbacher Torschützen: Raffael (links) erzielte das 2:1, Max Kruse herzt den 3:1-Torschützen Thorgan Hazard (rechts)
Foto: imago/Moritz Müller
Die Borussen schaffen einen wertvollen 3:2-Sieg gegen Hertha BSC und zeigen anschließend Nerven. Denn das Wort Krise hatte sie zuvor mächtig geärgert.

Mönchengladbach. Die spätherbstliche „Fohlen-Grippe“ war abgeschüttelt, aber bei Borussia Mönchengladbach traten einige Nachwirkungen auf. Nach dem 3:2 (1:1) gegen Hertha BSC musste die aufgestaute Verärgerung über die vorhergehende Serie von drei Niederlagen raus. „Nein, danke“, sagte Kapitän Tony Jantschke, als ihn die Medienvertreter zum Sieg befragen wollten. Normalerweise ist der Verteidiger auskunftsfreudig, doch diesmal reagierte er nachtragend.

„Diese drei Niederlagen nerven mich ungemein. Auch genauso das ganze Krisen-Gerede“, hatte Jantschke schon vor dem Spiel gesagt. Danach sprach er nur kurz beim TV-Sender Sky und bestätigte, dass er und seine Kollegen ordentlich unter Stress standen. „Es war wichtig, dass wir nicht in einen Negativstrudel reingeraten sind“, sagte Jantschke, der mit einem Flugkopfball das 1:0 in der neunten Minute erzielt hatte.

"Gute Antwort auf die angedichtete Krise"

Jantschke bekam Unterstützung von Christoph Kramer: „Das war eine gute Antwort auf die angedichtete Krise“, sagte der Weltmeister, der aber zu mehr Auskünften bereit war. „Jetzt wollen wir bis zur Winterpause nachlegen“, versprach der Mittelfeldspieler. Am Donnerstag steht das nächste wichtige Spiel an. Gegen den FC Zürich kann in der Europa League der Gruppensieg fixiert werden, bei einer Niederlage droht das Aus.

Wie bedeutend der sechste Saisonerfolg nach den beiden 0:1-Niederlagen in Dortmund und Wolfsburg und dem 1:3 gegen Frankfurt zu Hause war, machte Patrick Herrmann deutlich. „Dieser Sieg war sehr wichtig, auch für den Kopf“, erklärte Herrmann.

Die Leichtigkeit des ersten Saisondrittels mit 17 Spielen ohne Niederlage kam aber noch nicht zurück. Aber die Borussia hielt vor 50 190 Zuschauern den Kontakt zu den vier ersten Tabellenplätzen, die am Saisonende zum großen internationalen Geld führen können. Wobei das Ergebnis knapper war, als es dem Spiel entsprach. Der Erfolg war nach dem 2:1 von Raffael (53.) eigentlich nicht gefährdet und stand mit dem 3:1 durch Thorgan Hazard (83.) praktisch fest. Aus Hertha-Sicht wurde das Resultat nur aufgehübscht durch Salomon Kalous Foulelfmetertor (90.+2).

Wie nervös die Gladbacher aber waren, ließ auch Trainer Lucien Favre erkennen, als er einen Sky-Reporter anfauchte („Sie sind verrückt mit Ihren Fragen!“), der lediglich die berechtigte Frage gestellt hatte, warum es am Ende noch einmal eng geworden war. Doch später fasste sich der Schweizer und lobte sein Team: „Es war insgesamt ein sehr schweres und enges Spiel, aber ein verdienter Erfolg, mit dem ich zufrieden bin.“

Raffael jubelte nicht aus Respekt vor Ronny

Zwei Auffälligkeiten gab es noch bei Gladbach: Raffael jubelte nicht über sein erstes Tor nach sieben Spielen, aus Respekt vor seinem Ex-Klub Hertha und seinem Bruder Ronny, der in der 29. Minute bei den Berlinern für Nico Schulz eingewechselt worden war. Und Max Kruse befindet sich im Formtief und agierte so unglücklich, dass er sich kurz vor Schluss ein gellendes Pfeifkonzert der eigenen Fans gefallen lassen musste.

Die Probleme, wie sie die Borussia plagen, hätten die Berliner gerne. Hertha krebst nach der ordentlichen Vorsaison in den Niederungen herum. Die Hauptstädter müssen sich nach der vierten Niederlage in den letzten fünf Spielen ganz nach unten orientieren, der Abstand zu Stuttgart auf Platz 18 beträgt nur noch zwei Punkte. „In der ersten Halbzeit haben wir zu wenig Fußball gespielt. Wir waren ganz passiv“, sagte Julian Schieber, dem wenigstens das erste Tor seit dem 30. August gelang.

Seit September 2008 (1:0) haben die Berliner am Niederrhein nichts mehr geholt. Damals waren Favre und Raffael noch bei der Hertha, während der heutige Hertha-Coach Jos Luhukay für die Mönchengladbacher tätig war. Inzwischen hat der Niederländer schwere Zeiten in Berlin zu überstehen.

 
 

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