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Bei Dynamo Kiew sind Fußball und Politik untrennbar vereint

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Für Dynamo Kiew steht am Mittwochabend viel auf dem Spiel. Die Qualifikation für die Champions League ist ein Muss für das osteuropäische Spitzenteam. 40 Millionen Euro investierte Kiew zuletzt für den ganz großen Erfolg.

Kiew. 

Die Choreographie für das Kiewer Olympiastadion ist bis ins Detail durchgeplant: Das Oval mit seinem markanten Membrandach soll am Mittwochabend ganz in blau-weiß gehüllt und dazu ein gigantisches Dynamo-Emblem und zwei riesige Sterne gezeigt werden. Dem Anlass entsprechend: Wenn Dynamo Kiew heute wieder in die Gruppenphase der Champions League strebt, darf die passende Untermalung nicht fehlen. Die Erwartungshaltung in der ukrainischen Hauptstadt ist riesig; die EM-Finalstätte mit 70.000 Zuschauern längst ausverkauft.

Dynamo Kiew investierte 40 Millionen Euro für den ganz großen Erfolg

Weniger aus der Historie, die beim 13-fachen Meister der Ukraine nicht minder mythenhaft umwebt ist wie beim Traditionsverein vom Niederrhein, speist sich dieser Anspruch, sondern aus den raschen gesellschaftlichen und politischen Veränderungen der letzten Jahre. Dreimal in Folge hat der vom mächtigen Oligarchen Rinat Achmetov alimentierte Emporkömmling Schachtjor Donezk den Meistertitel eingeheimst und sich damit direkt in die Königsklasse katapultiert, während der Rivale in die Qualifikation musste.

Auch deshalb sind mehr als 40 Millionen Euro in ausgebuffte Profis wie den Portugiesen Miguel Veloso, den Kroaten Niko Krancjar, den Nigerianer Taye Taiwo oder den derzeit zum Bankdrücker degradierten ehemaligen Berliner Raffael geflossen.

Der Verein und sein vermögender Besitzer lechzen nach Anerkennung auf internationaler Bühne. Igor Surkis sagt, man sei den zahlreichen Anhängern die Champions League einfach „schuldig“. Der 53-Jährige und sein neun Jahre älterer Bruder Grigorij sind nicht nur seit Jahrzehnten die bestimmenden Figuren beim zweifachen Europapokalsieger (1975 und 1986), sondern waren lange auch die einflussreichsten Männer des ukrainischen Fußballs.

Im Osten Europas ist die Verquickung zwischen Fußball und Politik offensichtlich

Doch damit ist es vorbei. Am 2. September endet die Ära von Grigorij Surkis als Verbandspräsident – als Nachfolger steht der weitgehend unbekannte Fußballlehrer Anatoli Konkow parat. Als Handlanger der Strippenzieher aus dem eher russischorientierten Industrie- und Machtzentrum Donezk?

Die Verquickung zwischen Fußball und Politik im Osten Europas ist nämlich offensichtlich: Die gelebte Feindschaft zwischen Dynamo Kiew und Schachtjor Donzek galt lange als exemplarisch für den Kampf gegen die umstrittene Regierung um Viktor Janukowitsch, die nur mit Unterstützung des reichen Donezk-Clans ans Ruder kam.

Beobachter sagen für den skandalumwitterten Fußball nun das gleiche Szenario wie in der Politik vorher: Neben einer gekauften und kontrollierten Opposition soll es auch einen auf den ersten Blick oppositionellen Fußballklub geben; deshalb könnten die Gelder des sommerlichen Großangriffs – genau wie bei Immobilien oder Firmen – direkt auf einen, möglicherweise sogar illegalen, Zufluss aus Donezk zurückgehen.

Am Sonntag steht für Kiew das brisante Derby gegen Schachtjor Donezk bevor

Dynamo gibt ohnehin die Zufluchtsstätte für alle, die Schachtjor nicht akzeptieren. Bereits am Sonntag findet in der Donbass-Arena von Donezk übrigens das Spitzenspiel zwischen jenen zwei Klubs statt, die beinahe beliebig den heimischen Liga-Alltag dominieren – und deshalb längst ein Betätigungsfeld brauchen, das europaweite Reputation verspricht.