3:1-Sieg gegen Hoffenheim - Fohlen feiern Favre

Thomas Lelgemann
Torschützen unter sich: Patrick Herrmann und André Hahn waren gegen die TSG Hoffenheim beide erfolgreich.
Torschützen unter sich: Patrick Herrmann und André Hahn waren gegen die TSG Hoffenheim beide erfolgreich.
Foto: Getty
Geburtstag, Bundesliga-Sieg, Vereinsrekord. Lucien Favre wird lange an diesen Sonntag zurückdenken, an dem Borussia Mönchengladbach Tabellennachbar 1899 Hoffenheim mit 3:1 besiegte. Die Fohlen kratzen dank Han und Doppelpack-Schütze Herrmann an einer Bestmarke, die an glorreiche Zeiten erinnert.

Mönchengladbach. So stellt man sich seinen Geburtstag vor. Blauer Himmel, Sonnenschein, ein schönes Erfolgserlebnis im Beruf und dann auch noch ein Ständchen der ganz besonderen Art. Schon eine Minute vor dem Schlusspfiff sangen 52409 Zuschauer im Borussiapark “Happy Birthday”. Und so strahlte Lucien Favre, der Trainer von Borussia Mönchengladbach, an diesem sommerlichen 2. November, an dem er 57 Jahre alt wurde, über das ganze Gesicht. Mit dem 3:1 (2:1) über die TSG Hoffenheim bleibt seine Borussia auch nach dem 17. Pflichtspiel in dieser Saison ohne Niederlage und steht mit 20 Zählern hinter dem FC Bayern München (24) und den punktgleichen Wolfsburgern auf dem dritten Tabellenplatz der Fußball-Bundesliga.

17 Spiele ohne Niederlage seit Saisonstart: Damit stellten die Gladbacher am Sonntag den Vereinsrekord aus der Spielzeit 1970/71 ein. Die damals unter Trainer-Legende Hennes Weisweiler aufgestellte Rekordmarke hat auch für die heutigen Fohlen eine Bedeutung. So gab Weltmeister Christoph Kramer zu: “Das war ein großer Anreiz. Borussia hat eine unglaublich ruhmreiche Zeit damals erlebt. Diese alte Bestmarke in Angriff nehmen zu können, das war eine Herausforderung.”

Favre interessiert weniger der Rekord als die guten Leistungen. “Wir wollen die Serie ausbauen”, sagte er. “Als Spieler habe ich noch Hennes Weisweiler kennen gelernt, als er Trainer der Grashoppers Zürich war. Ein Mann mit großem Charisma, ein Gentleman.”

Favre: "Wir haben uns Automatismen erarbeitet"

Bereits nach 12 Minuten jubelte Favre erstmals. Patrick Herrmann bewies seine exzellente Ballfertigkeit und seine große Schnelligkeit, ließ Ex-Nationalspieler Andreas Beck stehen und flankte maßgerecht auf seinen Kollegen Andre Hahn, der den Ball zum 1:0 über die Linie drückte.

Hahn, Herrmann und Raffael, der auch an dieser schönen Kombination beteiligt war, rückten nach dem Pokalerfolg gegen die Eintracht aus Frankfurt wieder in die Anfangself. “Wir haben uns Automatismen erarbeitet”, sagt der Trainer. Und das ist unabhängig vom Personal. Favre lässt gern und oft rotieren. Der Schweizer setzt auf polyvalente, also vielseitig einsetzbare Spieler.

Nach dem 1:0 wirkten die Gastgeber allerdings nicht mehr so konzentriert. Und so kam das 1:1 von Anthony Modeste in Minute 30 folgerichtig.

Da machte auch Favre alles andere als ein Geburtstags-Gesicht. Bereits drei Minuten später glätteten sich seine Züge, als Herrmann zum 2:1 traf. Diesmal hatte Hahn die Vorarbeit geleistet. “Andre hat sich super revanchiert”, sagte Herrmann. “Ich musste nur noch den Fuß hinhalten.”

Gladbach ist da, wenn ein Großer schwächelt

Und Herrmann bewies in der 52. Minute, dass er nicht nur wieselflink ist, sondern auch weiß, wie man den Ball ins Netz bringt. Als Hoffenheims Torhüter Oliver Baumann einen Freistoß nur abklatschen konnte, war Herrmann erneut zur Stelle und sorgte mit dem 3:1 für die Vorentscheidung. “Wir hätten danach nachlegen müssen”, erklärte Favre. “Wenn die Hoffenheimer das 3:2 gemacht hätten, wäre es vielleicht noch mal eng geworden. Wir müssen weiter arbeiten, um unsere Chancen besser zu nutzen.” So ist er, der Lucien Favre, auch im Moment des Erfolgs blickt er nach vorn.

Gladbach bleibt unbesiegt und tritt am nächsten Wochenende als Tabellendritter bei Borussia Dortmund an. Im Moment trennen die beiden Borussia-Teams 13 Punkte. Als Gladbachs Manager Max Eberl gefragt wurde, ob derzeit eine Wachblösung der einen durch die andere Borussia stattfinden würde, ließ er zwar keine Kampfparole folgen, stellte aber klar: “Wir haben immer gesagt, wenn einer der Großen in der Liga schwächelt, wollen wir da sein. Und das tun wir im Moment.”