Gentleman-Trainer Erich Ribbeck fiebert immer noch mit

Der Vornehme unter den Trainern: Erich Ribbeck, hier noch einmal zu Besuch bei seiner ersten Wirkungsstätte, auf dem Sportplatz Freudenberg vom Wuppertaler SV.
Der Vornehme unter den Trainern: Erich Ribbeck, hier noch einmal zu Besuch bei seiner ersten Wirkungsstätte, auf dem Sportplatz Freudenberg vom Wuppertaler SV.
Foto: imago sport / imago/Schwörer Pressefoto
  • Heute feiert Erich Ribbeck seinen 80. Geburtstag
  • Er gilt als erfolglosester Nationaltrainer der Geschichte
  • Darunter hatten sogar noch seine Kinder zu leiden

Pulheim. In den Stadien ist er nur noch selten zu sehen. Fußball im Fernsehen aber lässt er sich nicht entgehen – „da nehme ich noch regen Anteil und diskutiere mit den Kommentatoren“, erzählt Erich Ribbeck und lacht.

„Kürzlich fragte mich meine Frau: Mit wem hast du gerade telefoniert? Da habe ich ihr gesagt: Ich war nur gerade mal anderer Meinung als der Mann am Mikrofon.“

Wenn man so lange im Geschäft war wie er, lässt die Faszination des Fußballs natürlich nie nach. Erich Ribbeck war eine feste Größe als Bundesligatrainer, mit Bayer Leverkusen gewann er 1988 den Uefa-Cup, auch Bayern München und Borussia Dortmund gehörten zu seinen Arbeitgebern.

Laut Statistik schlechtester Nationaltrainer

Man würde sein Werk heute ausschließlich wohlwollend würdigen, wenn da nicht dieses fatale Karriereende gewesen wäre: 1998, nach einer vermurksten Weltmeisterschaft und dem wenige Monate später erfolgten Rücktritt von Bundestrainer Berti Vogts, konnte er der Verlockung nicht widerstehen, DFB-Teamchef zu werden.

Mit nur zehn Siegen in 24 Spielen weist ihn die Statistik als schlechtesten Trainer in der Geschichte der Nationalmannschaft aus.

An diesem Dienstag wird Erich Ribbeck 80 Jahre alt. Natürlich ist das auch für ihn eine beeindruckende Zahl, ein Anlass, innezuhalten und über das Leben nachzudenken.

„Die Generation vor uns ist ja nicht so alt geworden“, sagt der gebürtige Wuppertaler. „Bis auf meine morschen Knochen habe ich keine Probleme. Aber ich kann immerhin noch Skifahren und spiele auch noch Golf.“

Kinder hatten unter Häme zu leiden

Dass sein zuvor guter Ruf schwer gelitten hat seit dem Jahr 2000, als die Nationalmannschaft unter seiner Regie bei der Europameisterschaft in Belgien und den Niederlanden nicht einmal die Vorrunde überstand, macht ihm mittlerweile nicht mehr zu schaffen.

Am Anfang war die Kritik extrem, die Spieler wurden als „Rumpelfüßler“ geächtet, und er galt als ein komplett Ahnungsloser. „Das war für die Angehörigen nicht einfach, vor allem für die Kinder nicht“, erzählt er.

„Ich selbst aber musste gar nicht groß alles verarbeiten. Ich wusste ja, warum das passiert war.“

Am liebsten würde er nicht mehr darüber reden, aber dann erklärt er seine Sicht doch. „Ich war der einzige Trainer, der bei der Nationalmannschaft während der Saison einstieg.

Kurz darauf hatten wir schon ein EM-Qualifikationsspiel in der Türkei. Jürgen Klinsmann hatte zwei Jahre Zeit, um eine Mannschaft für die WM 2006 aufzubauen.“

Seinerzeit prägten noch teutonische Kämpfer das Bild

Fairerweise muss man betonen, dass Erich Ribbeck damals schon bei der Spielerauswahl unter den Verhältnissen litt: Auf die Ausbildung feinfühliger Ballästheten wurde noch kein Wert gelegt, teutonische Kämpfer prägten das Bild der Nationalmannschaft.

Es gab genau zwei Talente: Sebastian Deisler und Michael Ballack. Andere Nationen ließen moderne Methoden zu, der DFB aber bewegte sich seinerzeit langsamer als ein Gletscher.

Es war ja jahrelang irgendwie gut gegangen, das Motto hieß deshalb: Zuerst schließen wir die Augen, dann sehen wir weiter. In Kürze findet in Russland wieder ein Confed-Cup statt, Joachim Löw reist mit einer B-Elf dorthin.

„Interessant, wie das heute verkauft wird“, stellt Erich Ribbeck fest. „Keiner regt sich mehr darüber auf, dass gute Spieler geschont werden.“ 1999 bekam auch der Teamchef noch einiges auf die Mütze, weil die extrem ersatzgeschwächte Mannschaft in Mexiko die Gruppenspiele nicht überstand.

Aber Erich Ribbeck nahm das alles hin, weil er wusste, dass ein Verzicht auf das Turnier die Bewerbung des DFB für die WM 2006 beschädigt hätte.

Andere Trainer waren „harte Hunde“

Nicht umsonst hat man ihn auch oft Sir Erich genannt. Ihm selbst hat es nie gefallen, auf diese Art geadelt zu werden. Aber der Titel wurde ja nicht zufällig gewählt.

Während andere Trainer tobten, um sich das Scheinkompliment zu erwerben, ein harter Hund zu sein, blieb Erich Ribbeck meistens zurückhaltend und höflich. Es gibt sicher schlimmere Beleidigungen, als Gentleman genannt zu werden.

Erich Ribbeck lebt mit seiner Frau Ulla abwechselnd auf Teneriffa, wo sie ein Haus besitzen, und in Pulheim bei Köln, wo nun der Geburtstag im Kreis der Familie gefeiert wird.

Sie haben zwei Kinder und sechs Enkelkinder, Erich Ribbeck ist dankbar. Seine Bilanz zum Achtzigsten: „Mir geht es gut.“

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