Wo ist die Leichtigkeit des DFB-Teams geblieben?

Auch bei der WM in großer Form: Mats Hummels, der sich hier über sein Kopfballtor gegen Frankreich freut.
Auch bei der WM in großer Form: Mats Hummels, der sich hier über sein Kopfballtor gegen Frankreich freut.
Foto: dpa
Weiter gekommen, ja! Aber bitte nicht: Weiter so! Deutschlands Fußball-Nationalmannschaft blieb trotz des Halbfinal-Einzugs in Brasilien fast alles schuldig, was sie über Jahre ausgezeichnet hat. Wo sind Leichtigkeit und Spielwitz geblieben? Ein Kommentar.

Essen.. So viel vorweg zur Besänftigung unser bekanntlich hoch sensiblen Nationalspieler: Niemand von ihnen muss sich, was sie ja nach dem Achtelfinalspiel gegen Algerien noch geargwöhnt hatten, dafür entschuldigen, dass sie schon wieder eine Runde weiter bei dieser WM gekommen sind. Der dritte Halbfinal-Einzug in Folge und 13. insgesamt (Brasilien kommt nur auf acht!) weist Deutschland einmal mehr als Fußball-Großmacht aus.

Viele Spieler blieben bislang unter ihren Möglichkeiten

Aber, und das hat nichts mit Miesepetrigkeit zu tun: Niemand muss sich auch dafür entschuldigen, dass er vorher kritische Fragen gestellt hat – und nach dem 1:0 über Frankreich wieder stellen muss. Zum Beispiel: Wo sind die Leichtigkeit und der Spielwitz geblieben, mit der uns diese Mannschaft seit 2006 – mit wenigen Ausnahmen - begeistert hat?

Komme jetzt keiner mit Selbstverständlichkeiten wie Einsatzbereitschaft und Leidenschaft. Abgesehen von Manuel Neuer, Mats Hummels und Thomas Müller sowie Philipp Lahm (als rechter Verteidiger) und Benedikt Höwedes (auf ungewohnter Position) blieben alle Spieler in Brasilien bislang unter ihren Möglichkeiten.

Noch hat sich kein "logischer" Weltmeister gezeigt

Insofern muss auch die Debatte um Joachim Löws mitunter irritierenden Entscheidungen nicht zielführend sein. An der Aufstellung, das zeigte sich auch gegen Frankreich, liegt es nur bedingt, dass die Mannschaft jene Kreativität vermissen lässt, wofür sie die ganze Fußball-Welt gefeiert hat.

Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Macht womöglich weniger das Klima als der Druck, endlich einen Titel zu holen, dieser vermeintlich goldenen Spieler-Generation so schwere Beine? Zur weiteren Beruhigung sei ihr gesagt: Noch hat sich in Brasilien kein „logischer“ Weltmeister gezeigt. Sich die Chance auf den Titel bewahrt zu haben, ohne bisher ihr Potenzial abgerufen zu haben, sollte die deutsche Elf ermutigen und die Frage nach einer Entschuldigung überflüssig machen.

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