Reus-Verletzung überschattet DFB-Sieg gegen Armenien

Frank Lamers
Reus verletzte sich gegen Armenien.
Reus verletzte sich gegen Armenien.
Die Deutsche Nationalmannschaft hat den letzten Test vor der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien erfolgreich beendet. In Mainz schlug die Löw-Elf Armenien mit 6:1. Lukas Podolski glänzte, Miroslav Klose schrieb Geschichte, doch für einen Schock sorgte die Verletzung von Marco Reus.

Mainz. Ein empfindliches Einlaufkind hat sich beim Abspielen der deutschen Nationalhymne die Ohren zugehalten. Hat wahrscheinlich geholfen. Joachim Löw dagegen hätte nach einer Dreiviertelstunde der Benefiz- und letzten Testpartie vor dem samstäglichen Abflug Richtung Brasilien aber auch das Zuhalten der Augen nicht weiter gebracht.

Erstens endete die Begegnung mit Armenien, in dessen Reihen der Dortmunder Borusse Henrikh Mkhitaryan wirkte, zwar mit einem 6:1 (0:0). Doch erst in der Schlussphase drehte die Nationalmannschaft auf. Und dass Mikki-Vereinskollege Marco Reus kurz vor der Pause von beiden Seiten gestützt vom Rasen humpeln musste und dabei den linken Fuß hinterherschleppte, musste der Bundestrainer auch noch mitansehen. Bitter. Neue Sorgen. Große Sorgen. Noch während die Partie lief, wurde Reus in Krankenhaus gebracht.

Dass die Elf von Mainz auch zu einer Elf von Brasilien werden könnte, ist aber nicht deshalb unwahrscheinlich. Der länger malade Philipp Lahm nicht auf dem Pöstchen des rechten Verteidigers, sondern im Mittelfeld oft hinter Sami Khedira und Toni Kroos. Werden wir das zum Auftakt gegen Portugal wirklich so sehen? Auf den defensiven Flanken Jerome Boateng rechts, Benedikt Höwedes links, in der Mitte dann Per Mertesacker und Mats Hummels. Wird auch in Südamerika die Defensivkette aus gelernten Innenverteidigern bestehen? Und kein Miroslav Klose vorn, überhaupt kein einzelner echter oder falscher Neuner, sondern Thomas Müller, aber auch Reus, Andre Schürrle in der Dreierreihe und im steten Rollenwechsel.

Möchtest du jetzt mal den guten alten deutschen Mittelstürmer geben? Ein Modell fürs weltmeisterliche Abenteuer? Löw hat natürlich später munter ausgetauscht. Doch in Halbzeit eins, als es nur in Minute 44 einen Wechsel gab, den Reus-Schockwechsel, nachdem Artak Edirgayan den Dortmunder am Knöchel getroffen hatte und der auch noch umknickte, war nicht mehr als die gedankliche Richtung des Bundestrainers erkennbar. Funktioniert hat es in der 4-3-3-Formation nicht. In der neunten Minute hätte Schürrle beinahe eine Kopfballchance gehabt. Nach einem schönen Zuspiel von Müller scheiterte Reus in Minute 13 am Torhüter. Ein Kopball von Boateng strich in Minute 31 am Tor vorbei. Eine Minute später bereitete Müller aus der Tiefe heraus wieder sehr schön vor. Und wieder scheiterte Reus.

Möglichkeiten waren vorhanden. Die Treffer fehlten. Das änderte sich kurz nachdem Lahm den Platz verlassen und Mesut Özil für den Kapitän gekommen war. In Minute 52 stürmte der für den unglücklichen Reus in die Auseinandersetzung geworfene Lukas Podolski über die linke Seite. Der immer noch erst 28-jährige Arsenal-Akteur brachte bei seinem 114. Einsatz im Adlertrikot den Ball vors Tor. Und da war Schürrle. Mit einem feinen Trick verwandelte der Chelsea-Akteur zum 1:0.

Klose knackt Müller-Marke

Sechs Minuten später schickte Löw Bastian Schweinsteiger für Khedira aufs Feld. In Minute 67 verließ Boateng für Großkreutz den Rasen und Müller für Klose, den vorletzten von den leichter oder schwerer angeschlagen ins Trainingscamp von Südtirol Gereisten. Lediglich Manuel Neuer, der an der Schulter blessierte Torhüter, wird damit vor der WM in keinem Wettkampf aufgetaucht sein. Großkreutz leistete sich gleich ein Foul im Strafraum. Mkhitaryan verwandelte sicher. Danach jedoch wendete die deutsche Mannschaft eine Blamage vor dem Turnier, bei dem es um nichts weniger als den Thron der Welt gehen soll, noch ab. Podolski traf in Minute 72. Höwedes legte nach. 3:1. Und Klose traf zum 4:1, erzielte damit sein 69. Länderspieltor. Mehr als Gerd Müller. Trotzdem: bitter. Wegen Reus. Daran änderte auch Götzes Doppelpack zum 6:1-Endstand nichts (82., 89.).