In England wird das Spiel der DFB-Frauen zum Hit - im TV nicht

Nur selten spielen Deutschlands Fußballfrauen (hier Alexandra Popp, rechts) vor großer Kulisse. In Wembley aber wird das anders sein: 55.000 Tickets wurden verkauft.
Nur selten spielen Deutschlands Fußballfrauen (hier Alexandra Popp, rechts) vor großer Kulisse. In Wembley aber wird das anders sein: 55.000 Tickets wurden verkauft.
Foto: getty
55.000 Zuschauer wollen im berühmten Wembley-Stadion das Frauenfußball-Freundschaftsspiel zwischen den beiden großen Fußballnationen sehen. Im deutschen Fernsehen aber wird die attraktive Partie wegen der Formel-1-Entscheidung nicht übertragen.

Frankfurt. Die Vorfreude ist gewaltig. Selbst Doris Fitschen, die als ehemalige Nationalspielerin und aktuelle Managerin der Frauenfußball-Nationalmannschaft eigentlich so gut wie alles miterlebt hat, stand beinahe der Mund offen, als Gewissheit wurde, was zuvor nur vermutet worden war: dass der englische Fußballverband (FA) es tatsächlich schafft, für das Freundschaftsspiel zwischen England und Deutschland am Sonntag (16 Uhr MESZ) das berühmte Wembleystadion bestens zu befüllen. Alle 55.000 Tickets sind abgesetzt. Der Vorverkauf musste sogar gestoppt werden, denn aufgrund von Bauarbeiten an der U-Bahnstrecke ist ein noch größerer Andrang nicht zu bewältigen.

„Das Freundschaftsspiel in England haben wir in erster Linie aus sportlichen Gründen abgeschlossen, um uns mit einem starken Gegner aus Europa zu messen“, sagt die 46-Jährige. „Dass damit in England mit sehr viel Power der Frauenfußball promotet wird und so viele Karten verkauft sind, ist sensationell.“ Mit einer geschickten Marketingkampagne hat die FA offenbar den Nerv getroffen.

Tickets in der Premier League sündhaft teuer

„Ich denke, dass die außergewöhnlich günstigen Preise von einem und 15 Pfund und die Aussicht, ein Spiel in diesem besonderen Stadion zu sehen, viele Menschen dazu veranlasst haben, ein Ticket zu kaufen“, erklärt Fitschen.

Der Preisnachlass spielt eine entscheidende Rolle: Normale Billets in der Premier League der Männer sind sündhaft teuer und speziell für Familien kaum erschwinglich. Und natürlich half als Lockmittel der Name Deutschland. „Wir sind eine Fußball-Nation, die speziell in England einen besonderen Ruf genießt“, sagt Fitschen, die sich einen doppelten Effekt erhofft. „Unsere Spielerinnen treten nicht so oft vor solchen Kulissen auf, und das kann uns im Hinblick auf die Weltmeisterschaft nur helfen.“ Wenn der Europameister in Kanada nicht zu früh straucheln sollte, könnte es bei den K.o.-Spielen in Montreal oder Vancouver eine ähnliche Atmosphäre geben.

Dumm nur, dass ausgerechnet von dem Event in Wembley der deutsche Fernsehzuschauer nichts mitbekommt. ARD und ZDF haben zwar in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft jeden sportlich noch so fragwürdigen Stimmungstöter aus dem Osten Europas übertragen, sich aber ausgerechnet jetzt nicht zu einer Live-Übertragung durchringen können, weil parallel bei der privaten Konkurrenz die Formel-1-Entscheidung läuft. Nur das DFB-Videoportal überträgt in einem Livestream.

Nadine Angerer nicht dabei

Seit Dienstag bereitet Bundestrainerin Silvia Neid ihren Kader ohne die in Australien gebliebene Weltfußballerin Nadine Angerer im Sport-Centrum Kamen-Kaiserau auf einen „tollen Abschluss unseres Länderspieljahres“ vor. Dabei fällt nebenbei auch der Europarekord für ein Freundschaftsspiel im weiblichen Segment. Die bislang höchste Zuschauerzahl waren die 46 104 im Juni vergangenen Jahres in München, als die deutsche Elf gegen China antrat. Doch seitdem sind die Zuschauerzahlen rückläufig: Zu den sechs Heimspielen nach dem Europameister-Titel in Cottbus, Frankfurt, Mannheim, Osnabrück, Heidenheim und Offenbach kamen im Schnitt nur 7361 Besucher.

Testspiel gegen großen Gegner

„Mit den Zuschauerzahlen bei unseren Länderspielen war ich zuletzt nicht zufrieden. Das Ziel ist es, zu einem Frauen-Länderspiel 10.000 Zuschauer ins Stadion zu bringen“, erklärt Fitschen. „Dass wir oft in Konkurrenz zu anderen Sportveranstaltungen antreten, macht es sicher nicht einfacher.“ Hinzu kam: Die Gegner in der WM-Qualifikation wie Kroatien, Slowenien oder Slowakei waren „gewiss keine Publikumsmagneten“. Nun wird überlegt, ob von den beiden Testspielen vor der WM im April und Mai 2015 nicht wenigstens eine Partie gegen einen namhaften Gegner verbandsseitig größer aufgezogen wird. Aber die 55.000 von Wembley zu übertreffen, dürfte wohl ein Ding der Unmöglichkeit werden.

 
 

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