DFB-Frauen sind sehr zufrieden

Klaus Wille

Frankfurt. Die deutsche Frauen-Nationalelf bekommt es in der Vorrunde der WM 2011 mit Kanada, Nigeria und Frankreich zu tun. „Das ist eine angenehme Gruppe“, lächelte Nationalspielerin Inka Grings.

Natürlich hat es niemand offen ausgesprochen. Aber so richtig vermisst hat man Sepp Blatter gestern Abend in Frankfurt nicht. Der allgewaltige Chef des Weltfußball-Verbandes Fifa hatte seine Teilnahme an der Gruppen-Auslosung zur Frauen-WM im Juni und Juli in Deutschland frühzeitig abgesagt – Blatter hat die Vergabe der Männer-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 am Donnerstag in Zürich vor der Brust, und dabei jede Menge Ärger um Korruptions- und Bestechungsvorwürfe. Nicht eingeplant war dagegen die Absage von Oliver Kahn, der zusammen mit Top-Model Adriana Karembeu gestern die Gruppen auslosen sollte. Kahn musste passen – das Wetter. Machte nichts, es ging auch ohne ihn: Die deutsche Frauen-Nationalelf weiß nun, dass sie es in der Vorrunde der WM 2011 mit Kanada, Nigeria und Frankreich zu tun bekommt.

Was die Fußballerinnen von ihren männlichen Kollegen unter anderem unterscheidet, ist die durchaus angenehme Eigenschaft, öfter mal das zu sagen, was sie tatsächlich denken. „Das ist eine angenehme Gruppe“, lächelte die Duisburger Stürmerin Inka Grings im Wandelgang der Frankfurter Messe, „es hätte schlimmer kommen können.“

Stimmt: Als Gruppengegner wären auch Schweden und Nordkorea möglich gewesen. Länder, die bei den Frauen zur absoluten Weltspitze gehören. So aber trifft Deutschland im Eröffnungsspiel am 26. Juni in Berlin auf Kanada, ehe das Team am 30. Juni in Frankfurt gegen Nigeria und am 5. Juli in Mönchengladbach gegen Frankreich spielt. „Ich bin mit unserer Gruppe sehr zufrieden“, nickte auch Bundestrainerin Silvia Neid.

Steffi Jones war „furchtbar nervös“

Ihre ehemalige Nationalspielerin Steffi Jones hielt sich dagegen merklich zurück. Jones ist Organisationschefin der WM 2011 und damit im Moment so etwas wie der Franz Beckenbauer des Frauenfußballs. „Furchtbar nervös“ sei sie gewesen, gestand Jones nach der Auslosung. „Ich habe extra noch einen Hosenanzug angezogen, weil ich Sorge hatte, ich würde im Kleid auf der Bühne stolpern“, lächelte Jones am Ende des Abends.

Alles ging gut, und nicht einmal die Absagen von Oliver Kahn und Franz Beckenbauer konnten daran kratzen. Kahn saß in München am Flughafen stundenlang fest. Beckenbauer wiederum kam aus Salzburg nicht weg, beiden machte der Wintereinbruch einen Strich durch die Rechnung. Glück im Unglück: Günter Netzer, der ebenfalls auf der Gästeliste stand, war frühzeitig angereist und sprang auf der Bühne für Kahn ein.

So wirkte die Auslosung, so reglementiert das Ritual auch ist, wesentlich lockerer als zum Beispiel die Gruppen-Auslosung der Männer-WM 2006. Natürlich fiel alles auch ein bis zwei Nummern kleiner aus: Statt 3000 Gästen waren 600 geladen, statt einer vierstelligen Journalisten-Armada waren knapp 200 nach Frankfurt gekommen. Auch das Budget für die WM liegt mit 50 Millionen Euro bei knapp einem Sechstel dessen, was die WM 2006 gekostet hat. So hat der Verband beim Werbe-Design viel von der WM 2006 übernommen, Logos und Farben erinnern verdächtig ans so genannte Sommermärchen.

Bei aller Lockerheit aber ist das Turnier für den deutschen Frauenfußball ein gewaltiger Schritt: Der DFB finanziert die WM 2011 ohne öffentliche Gelder, 24 Millionen steuern sechs nationale Sponsoren bei, der Rest muss über den Ticket-Verkauf erwirtschaftet werden. Rund 350 000 von 1,1 Millionen Karten sind bisher verkauft, mit der Auslosung hat zugleich die letzte Verkaufsphase begonnen. „Wir ziehen noch einmal richtig dran“, hat sich Steffi Jones vorgenommen, „wir haben den Ehrgeiz, dass wir vor vollen Stadien spielen und die Leute hinterher sagen: Es hat Spaß gemacht.“ Und wer denkt da schon an Sepp Blatter?