Essen

DFB-Youngster überzeugen – aber etwas anderes darf deutschen Fans WIRKLICH Mut für die Zukunft machen

Joachim Löw bot in Frankreich sowohl Serge Gnabry als auch Leroy Sané in der Startelf auf.
Joachim Löw bot in Frankreich sowohl Serge Gnabry als auch Leroy Sané in der Startelf auf.
Foto: imago sportfotodienst

Essen. Nach dem peinlichen WM-Aus und dem 0:3-Debakel in Holland am Samstag war Fußball-Deutschland am Boden. Nur vier Jahre nach dem WM-Titel von Brasilien hatten viele deutsche Fans die Sorge, das DFB-Team würde im grauen Mittelmaß versinken.

In der Partie zwischen Frankreich und Deutschland am Dienstagabend zeigte die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw trotz der 1:2-Niederlage eine Leistung, die Mut macht – vor allem dank aufstrebender Jungstars. Wirklich beeindruckender war jedoch ein viel wichtigerer Aspekt. Aber eins nach dem anderen.

Frankreich – Deutschland: Jungstars überzeugen

In Frankreich spielte Deutschland zielstrebig nach vorne. Dieses kreative Angriffsspiel hatten DFB-Fans seit Monaten vermisst.

Für diese erfrischenden Überraschungsmomente waren in erster Linie junge Spieler verantwortlich, die bei Löw bisher nur die zweite Geige hinter den etablierten Alt-Stars gespielt hatten. Serge Gnabry war einer dieser Youngster, denen der Bundestrainer im Spiel zwischen Frankreich und Deutschland das Vertrauen geschenkt hatte.

Der Flügelflitzer des FC Bayern, der wegen der verletzungsbedingten Absage seines Münchner Teamkollegen Leon Goretzka nachnominiert worden war, nutzte seine Chance. Tempodribblings, Flankenläufe, Geradlinigkeit im Spiel Richtung gegnerisches Tor: Gnabry war das belebende Element im deutschen Offensivspiel, das die DFB-Elf im Sommer in Russland so schmerzlich vermisst hatte.

Sané und Co. wirbeln munter im DFB-Angriff

Auch Leroy Sané hinterließ am Dienstag in Paris mal wieder einen nachhaltigen Eindruck. Wenn der Angreifer von Manchester City am Ball war, geriet die französische Hintermannschaft immer wieder in Bedrängnis.

Gnabry (23 Jahre), Sané, Timo Werner oder Julian Brandt (jeweils 22) bilden die Zukunft des Angriffsspiels in der deutschen Nationalmannschaft. Und ihre Leistungen, speziell jene am Dienstagabend, lassen erahnen, dass diese Zukunft eine erfolgreiche sein kann.

Es sind jedoch nicht nur diese einzelnen Spieler, die den deutschen Fans so viel Mut schenken dürfen. Es ist in erster Linie das gesamte neue deutsche Spielsystem, das Hoffnung auf eine Rückkehr in die Erfolgsspur macht.

Pressing killed the Ballbesitz-Star

Nachdem der FC Barcelona und die spanische Nationalmannschaft vor zehn Jahren mit ihrem Tiki-Taka den Weltfußball zu dominieren begannen, entschied Löw sich dazu, einen ähnlichen Ballbesitzfußball auch im deutschen Team zu etablieren. Mit dieser Spielidee war die DFB-Elf jahrelang erfolgreich. Der triumphale Höhepunkt war der WM-Gewinn 2014.

In den vergangenen Jahren hat der Fußball sich jedoch taktisch verändert. So gewann zuletzt drei Mal in Folge mit Real Madrid eine Mannschaft die Champions League, die sich nicht im Ballbesitz verherrlichenden Tiki-Taka ergeht, sondern je nach Gegner und Spielverlauf auch der anderen Mannschaft den Ball überlässt und gefährliches Pressing spielt. Auch Frankreich kam 2018 mit einer deutlich variableren Spielweise zum Titelgewinn als Deutschland vier Jahre zuvor. Die Franzosen agierten beim diesjährigen Turnier aus einer viel defensiveren Grundordnung heraus und setzten mehr auf schnelle Gegenstöße als Deutschland es 2014 getan hatte.

Erste Umbruch-Maßnahmen klar erkennbar

Löw hatte in seiner umfassenden Analyse nach dem WM-Aus angekündigt, dass er sein Spielsystem anpassen müsse. Am Dienstagabend sahen die deutschen Fans in Paris die ersten Maßnahmen dieses Umbruchs.

Die deutsche Mannschaft trat nicht mit dem Anspruch maximalen Ballbesitzes auf, sondern gewährte dem Weltmeister immer wieder den Ball im ungefährlichen Terrain rund um den Mittelkreis. Durch geschicktes Verschieben gelang es der DFB-Defensive, dass die Superstars in Frankreichs Angriff nur zu wenigen Chancen kamen.

Bei Balleroberung ging es im deutschen Team dann blitzschnell. Oft war es Toni Kroos, der die wieselflinken Angreifer mit langen Pässen auf die Reise schickte.

Neues System braucht seine Zeit

Hätten Sané und Co. diese Konter konzentrierter abgeschlossen, wäre die Partie womöglich schon zur Halbzeit zugunsten der deutschen Elf entschieden gewesen. Doch dem Tempo der Angriffe fiel dann und wann die Präzision zum Opfer.

Das neue deutsche Spielsystem braucht in manchen Bereichen wohl noch seine Eingewöhnungszeit, aber es macht definitiv jetzt schon eine Menge Hoffnung.

 
 

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