Warum bei Fortuna nicht alles rosig und in Leipzig nicht alles schlecht ist

Michael Ryberg
Auch der Fortuna-Anhang schickte eine Botschaft Richtung Leipzig.
Auch der Fortuna-Anhang schickte eine Botschaft Richtung Leipzig.
Foto: Imago
Der Saisonauftakt der Fortuna mit dem 2:2 gegen Braunschweig hat gezeigt: Das mediale Pushen der Düsseldorfer zum Aufstiegskandidaten war übertrieben. Genauso wie die Kritik auf den Zuschauerrängen am Zweitlige-Neuling aus Leipzig und seinen Geschäftsgebaren. Ein Kommentar.

Düsseldorf. Die Fortunen waren schon vor dem schmeichelhaften 2:2 gegen Braunschweig klug genug, intern die Bäume nicht in den Himmel wachsen zu lassen. Das überließen sie den Medien. Die besonders bunten haben vor und nach dem Match die Fortunen schon aufsteigen lassen. Samstag hieß es gar, seien ja nur noch 33 Spiele.

Dass das Treiben auf dem Arena-Rasen einen anderen Eindruck hinterließ, daran bestand kein Zweifel. Hinterher überwog bei den Protagonisten die Selbstkritik nach einer kraftlos wirkenden zweiten Halbzeit gegen einen stärkeren Gegner. Gut so!

Weniger schön war die optische und akustische Kritik beider Fanlager am Leipziger Aufsteiger und dessen Geschäftspolitik. Natürlich ist im Mateschitz’schen Brause-Kosmos nicht alles astrein. Deshalb erlangen Plakate mit dem „F-Wort“ vornweg, wie in der Eintracht-Kurve gesichtet, keineswegs eine Daseinberechtigung.

Fortunas Sportvorstand Helmut Schulte gab seine Meinung zum Bullen-Thema am Mittwoch zum besten. Indem er auf die Financial-Fairplay-Regelung des Uefa-Präsidenten Michel Platini verwies. Grob geschrieben: Die Einnahmen sollten die Ausgaben nicht exorbitant übersteigen. Was im Falle von RBL durchaus vorliegt, wenn ein Kicker für fünf Millionen Euro aus Belgien eingekauft und zum Partner Salzburg ausgeliehen wird. Mateschitz’ Millionen machen’s möglich.

Standort Leipzig nicht ohne Tradition

Die Traditionalisten sollten sich allerdings in ihrer Kritik zurücknehmen. Erstens holte Leipzig die erste Deutsche Meisterschaft 1903. Zweitens besitzt der Standort mit VfB/Lok und Chemie/Sachsen große Tradition. Und, das ist entscheidend, drittens: Wer regt sich darüber auf, dass ein fast neunstellig verschuldeter HSV demnächst wieder für 20 Millionen Euro einkaufen gehen darf?

Wer hat sich aufgeregt, als DFB und DFL hoch verschuldete Vereine wie Borussia Dortmund, Schalke 04 oder Hertha BSC vor wenigen Jahren bei der Lizenzerteilung immer wieder durchwinkten, anstatt die Rote Karte zu ziehen?

Tradition und Finanzen sind gleichermaßen ernsthafte Themen, die die Fußball-Fanseele nicht rein aus der Emotion heraus beurteilen darf. Leipzig hat eine neue Chance verdient. Und nebenbei bemerkt: Wer erinnert sich eigentlich noch an Mateschitz’ wage Überlegung, Düsseldorf ins Bullen-Land umzuwandeln, als die Fortuna vor der Zahlungsunfähigkeit stand?