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Polizisten fühlen sich beleidigt von Choreographie der Fortuna-Fans

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Fortuna Duesseldorf v VfL Bochum - Second Bundesliga Foto: Getty Imago
Die beeindruckende Choreographie der Ultras von Fortuna Düsseldorf gegen den VfL Bochum hat Folgen: Weil sich Polizisten beleidigt fühlten, glaubten Fans bereits an eine Ermittlung gegen den eigenen Anhang. Was ist da los in Düsseldorf? Fragt Alex Raack von „11Freunde“.

Düsseldorf. 

So eine Choreographie ist eine tolle Sache. Fans können gleichzeitig sich und ihren Verein feiern, die Zuschauer auf der Haupttribüne bringen spektakuläre Fotos mit nach Hause, das Fernsehen bekommt beeindruckende Bilder geliefert. Die Fans von Fortuna Düsseldorf haben am Sonntag vor dem Heimspiel gegen den VfL Bochum für besonders spektakuläre Fotos und TV-Bilder gesorgt. Zum 725. Geburtstag ihrer Heimatstadt zogen sie ein riesiges Banner mit der Düsseldorfer Skyline über den Block, anschließend tuckerte eine papierene U-Bahn vor die Fassaden von St. Lambertus und Schlossturm, die von zwei vermummten Fans mit »Ultras«, »F95« und einem kleinen Gruß in Richtung Nachbarstadt (»Fuck Köln«) besprüht wurde. Aus den Boxen klang zur akustischen Unterstützung ein musikalischer Mischmasch aus »Die Toten Hosen« und »KMC«.

Leider kein Spaß

Die Choreographie an sich dauerte knapp acht Minuten, verlief reibungslos und war in der Tat beeindruckend. Schwer vorstellbar, welchen Aufwand es bedeutet, solch einen Blockschmuck in die Praxis umzusetzen. Die Fans waren beeindruckt. Selbst aus Fanszenen, die dem Fortuna-Anhang traditionell eher skeptisch bis ablehnend gegenüber eingestellt sind, war zumindest anerkennendes Raunen zu vernehmen. Zum krönenden Abschluss gewann Düsseldorf das Heimspiel mit 1:0.

Eine tolle Sache. Bis sich am heutigen Dienstagmittag der Facebook-Betreiber der Seite „Fortuna-Videos.de“ zu Wort meldete: „Leider kein Spaß: Die Vermummung der beiden Maler wurde seitens der Polizei zur Anzeige gebracht, obwohl dies klar erkennbar ein Teil der Inszenierung war.“ Wie zu erwarten war, reagierten die Leser dieses Posts erbost. Die Polizei, seit jeher Feindbild der Ultras, hatte sich offenbar mal wieder erstaunlich humorbefreit und aggressiv verhalten.

Anzeige liegt wohl nicht vor

Ein schneller Anruf bei der Pressestelle der Polizei Düsseldorf. Die eigentliche Frage ist nicht mal ausgesprochen, da hat der Gesprächspartner bereits die Antwort gegeben. Eine Anzeige liege nicht vor. Das sei eine Falschmeldung. Man stehe bereits in der Verbindung mit dem Düsseldorfer Fanbeauftragten. Ein schneller Anruf bei ihm. Ja, die Polizei habe sich bereits gemeldet. Nein, eine Anzeige wegen Vermummung liege nicht vor. Wohl aber sei ein Vermerk von Beamten bei ihrer eigenen Dienststelle eingegangen. Darin gehe es nicht um die inszenierte Vermummung, sondern um eine Textstelle in dem Song „Ultras“ der Fortuna-Rapper „KMC“: „Egal in welcher Form – ACAB. All Cops Are Bastards„. Die Polizisten fühlten sich dadurch beleidigt.

Auch in den Kommentaren unter dem „Fortuna-Videos.de“-Eintrag tauchten gegen Dienstag-Nachmittag erste kritische Stimmen auf: „Vielleicht sollte man sich erstmal darüber informieren bevor hier populistische acab-kommentare abgegeben werden…“. Der Betreiber reagierte und postete gegen 16 Uhr: „UPDATE: Mittlerweile ist mein aktueller Stand, dass die Polizei wegen Beleidigung gegen Fortuna (!!!) ermittelt, weil während der Choreo das Lied „Ultras“ von KMC […] lief…“

Dünnhäutige Beamte, übereifrige Fans

Die Posse ist noch nicht beendet. Deutet man die Reaktionen von Polizei und Verein richtig, dürfte sich die Sache allerdings bald erledigt haben. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass die Schnelligkeit der sozialen Netzwerke das ohnehin zum Zerreißen gespannte Verhältnis zwischen Fans und Polizei nur noch weiter belasten kann. Wenige Sätze, in einen aufgebrachten Facebook-Eintrag gegossen, können ein Feuer entzünden, wo eigentlich gar nichts brennen kann. Gleichzeitig beweist die Beschwerde der Polizisten, wie dünnhäutig einige Beamte auf selbst kleinste Provokationen aus der Kurve reagieren. Man könnte ja meinen, die Beleidigung »ACAB« würde selbst von unerfahrenen Polizisten nur noch mit einem Kopfschütteln quittiert werden, so abgegriffen ist das Jahrzehnte alte Kürzel. Dem ist offenbar nicht so. Es hat etwas von einem übereifrigen Unparteiischen, der für „Schiri, Telefon“ wutentbrannt Platzverweise verteilt.

Wer findet endlich das Ventil, das den Druck vom Schnellkochtopf Fans vs. Polizei nimmt? Wäre schön, wenn es dazu mal einen Facebook-Eintrag geben würde.