Fortunas neuer Co-Trainer Stamatopoulos war schon TV-Star

Eine Runde auf dem Tandem: Oliver Reck (li.) und Joti Stamatopoulos auf Langeoog.
Eine Runde auf dem Tandem: Oliver Reck (li.) und Joti Stamatopoulos auf Langeoog.
Foto: Christof Wolff
Joti Stamatopoulos hat in seiner Fußballer-Laufbahn einiges erlebt. Der neue Co-Trainer von Fußball-Zweitligist Fortuna Düsseldorf mischte bei der DSF-Fernsehproduktion „Fujuma“ mit. Unter Oliver Reck soll er neue Impulse für Uwe Klein setzen, von dem sich der Klub nach zwölf Jahren getrennt hat.

Düsseldorf.. Sie alle waren damals da. Sebastian Schweinsteiger, Lukas Podolski, Philipp Lahm. Selbst Mario Gomez zeigte "Hausmeister Joti" in der früheren DSF-Fernsehproduktion "Fujuma" (Fußball-Jugend-Magazin) allerlei Tricks am und mit dem Rundball.

Mit dem ehemaligen Leverkusen-Brasilianer Ze Roberto ging’s sogar aufs Dach des Kölner Sportmuseums. Kicken an der frischen Luft. Der pfiffige Präsentator, ein damals 29-jähriger Absolvent der Fußball-Lehrer-Lizenz unter DFB-Chef-Rhetoriker Erich Rutemöller, schloss die Sendung an der Seite des früheren Fortuna-Profis Anthony Baffoe stets mit dem rosaroten Paulchen-Panther-Spruch: „Heute ist nicht alle Tage – ich komm’ wieder, keine Frage!“

Fortuna für Stamatopoulos "eine Topadresse"

Gut viereinhalb Jahre lief das Format. Bis zum Start der WM 2006 in Deutschland. Zwei Weltmeisterschaften und acht Fußball-Saisons später ist „Hausmeister Joti“ tatsächlich wieder da. Als Co-Trainer. Bei Zweitligist Fortuna.

Joti Stamatopoulos, mittlerweile 41 Lenze alt und reicher denn je an Fußball-Erfahrungsschatz, ist die neue rechte Hand von Cheftrainer Oliver Reck. Ein neuer Uwe Klein also. Ob der gebürtige Kölner mit griechischen Wurzeln allerdings so lange durchhält wie sein „ewiger“ Vorgänger? Satte zwölf Jahre hat Klein bekanntlich vorgelegt.

„Fortuna ist eine Topadresse. Ich habe meine Arbeit bei einem Vertrauten angetreten. Ich brauchte da nicht lange zu überlegen“, erklärt Stamatopoulos mit Blick auf Cheftrainer Reck. Ein alter Freund aus frühen Tagen an der Kölner Hennes-Weisweiler-Akademie. Günstige Fügung war, dass der Vertrag bei PAOK Saloniki vor wenigen Wochen auslief. „Jetzt bin ich wieder mehr bei der Familie.“ Die türkischstämmige Ehefrau Pelin wohnt mit dem 15 Monate jungen Sohn Nikolaus in Köln. In der Heimat.

Dass Stamatopoulos’ Herz auch ein wenig am FC hängt, liegt in der Natur der Sache. „Es gibt eine gewisse Sympathie. Über meine Heimatstadt. Zum Fan-Sein habe ich aber schon lange eine gute Distanz über meinen Beruf aufgebaut.“

Stamatopoulos hat ein großes Herz für junge Fußballer

Schon mit 23 Jahren stieg der Neu-Fortune in die Geheimnisse des Trainerjobs ein. Über die B-Lizenz, über die A-Lizenz und schließlich, weil zuvor der Notendurchschnitt stimmte, bis hin zum Fußball-Lehrer. Eine Knieverletzung sorgte früh für das Aus als aktiver Fußballer. Zumal ein Engagement beim damaligen Zweitligisten Fortuna Köln Anfang der 90-er Jahre nicht klappte. Der legendäre Klubboss und Südstadion-Herrscher „Schäng“ Löring hielt den Deutsch-Griechen für nicht tauglich.

Stamatopoulos konzentrierte sich früh auf eine Laufbahn als Trainer von Jugendfußballteams. Wurde für „Fujuma“ entdeckt, als ihn ein Kamerateam des DSF zwei Tage lang im Amt des Kölner Landesligisten SC West begleitete. Der Deutsch-Grieche war als jüngster Absolvent der Fußball-Lehrer-Lizenz den Fernsehleuten aufgefallen. Bekam ein Vertragsangebot. Nahm an. Und trickste sich fortan viereinhalb Jahre über die Bildschirme. Geradeweg in die Herzen junger Fußballer.

Aus dem TV-Spaß wurde im Spätsommer 2006 ein ernsthafter Beruf. Ewald Lienen nahm Stamatopoulos mit zu Panionios Athen. 2008 war der dann plötzlich Cheftrainer. Zettel-Ewald hatte bei Rot-Blau ausgeschrieben. „Gerade unsere Europa-League-Spiele gegen Galatasaray Istanbul, Girondins Bordeaux, Austria Wien und den SSC Neapel bleiben haften. Dafür bin ich auch Ewald sehr dankbar.“

Nach einer Saison als Scout beim FC Augsburg ging’s 2010 ins Hellenen-Land zurück. Nach Engagements bei den Zweitligisten AE Pondion Katerini, PAE Tyrnavos und AO Episkopi Rethymnou sowie einem Zwischenstopp beim estnischen Erstligisten JK Tammeka Tartu landete der Coach schließlich als Assistenztrainer bei PAOK Saloniki. Am Ende der vergangenen Saison stand die Vizemeisterschaft und eine 1:4-Pokalfinalniederlage gegen Panathinaikos.

Der Vorbereitungsstart der Fortuna auf der ruhigen Nordsee-Insel Langeoog konterkarierte das bisweilen hektische Treiben in Griechenland. Stamatopoulos nahm die Arbeitsbedingungen im salzhaltigen Küstenwind mit Demut: „Das ist eine der Privilegien meines Berufes.“

Eine positive Arbeitsatmosphäre

Die starken Fortuna-Partien zum Ende der vergangenen Saison und die bisher „positive Arbeitsatmosphäre“, die der neue „Co“ gerade auch auf Langeoog gespürt hat, sollen ab Anfang August in sportlichen Erfolg umgemünzt werden.

„Hausmeister Joti“ wird auch ein Wort bei den Personalplanungen für die Pflichtspiele mitsprechen. Neben dem am Mittwoch frisch verpflichteten Torwarttrainer Simon Jentzsch, der die drei Keeper Michael Rensing, Lars Unnerstall und Robin Heller unter die Lupe nehmen wird.

24 Profis stehen im neuen, verschlankten und doch auch punktuell verstärkten Fortuna-Kader. „Wenn alle gesund bleiben, haben wir eine echte Qual der Wahl. Für mich ist das ein schöner, positiver Kopfschmerz“, sagt Stamatopoulos. Was schlicht übersetzt heißt: Der Mann liebt seinen Beruf.

Fußball in Griechenland

Fußball in Griechenland ist gefährlich. Heißsporne der großen Klubs wie Olympiakos Piräus, Panathinaikos Athen oder PAOK Saloniki sorgen regelmäßig für chaotische Begleitumstände. Das bekam Joti Stamatopoulos im November 2007 als Co-Trainer beim Erstligisten Panionios Athen zu spüren. Nach der 1:3-Niederlage bei PAOK Saloniki griffen Unbekannte den Athener Bus auf dem Weg zum Flughafen an. Ein Stein durchschlug eine Fensterscheibe und landete auf dem Brustkorb von Cheftrainer Ewald Lienen, der sich zum Glück „nur“ eine Prellung zuzog.

„Der kleine Meteorit war schockierend“, betont Stamatopoulos. Auswärtsfans dürfen in Griechenland zu den meisten Spielen nicht ins Stadion. Beim Pokalfinale zwischen großen Konkurrenten bleiben schon mal 20.000 Plätze zwischen den Rivalen im großen Athener Olympiastadion frei. Sicherheitsabstand.

„Viele Fans kennen nur strahlend Weiß und tief Schwarz. Die Erwartungshaltung wächst stets. Dass bei Misserfolgen die Fans vor der Kabine oder am Auto warten, ist extrem und gewöhnungsbedürftig“, so Stamatopoulos.

 
 

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