Fortuna überzeugte gegen Braunschweig nur eine Halbzeit

Michael Ryberg und Mareike Scheer
Kampf um jeden Zentimeter: Braunschweigs Vegar Eggen Hedenstad (links) und Fortune Heinrich Schmidtgal (rot) im Zweikampf um den Ball.
Kampf um jeden Zentimeter: Braunschweigs Vegar Eggen Hedenstad (links) und Fortune Heinrich Schmidtgal (rot) im Zweikampf um den Ball.
Foto: dpa
Starke Braunschweiger sichern sich in einem spritzigen Auftaktmatch einen Punkt. Liendls Schlenzer und Benschops Kontertor reichten vor 41 667 Zuschauern nicht zum Sieg, weil die Braunschweiger Reichel und Nielsen ihrem Team ein 2:2 retteten.

Düsseldorf. Die schwülwarme Luft gestern Abend unter dem Arena-Dache hätte für die Bio-Sauna ausgereicht. Fortuna und Eintracht Braunschweig lieferten dazu einen hitzigen, spritzigen, megaspannenden Fußball-Zweitliga-Start. Natürlich hätte die Mehrzahl der 41 667 Zuschauer gern einen Gastgeber-Sieg gesehen. Über Nielsens spätes, aber gerechtes 2:2 (1:0) durfte sich angesichts eines blau-gelben Sturmlaufes in Halbzeit zwei niemand aus dem rot-weißen Lager beschweren.

Fortunas Cheftrainer Oliver Reck, gestern Abend in einem neuen, dünneren roten (Glücks-)Pullover an der Seitenlinie unterwegs, stellte seine Startelf wie beim 4:1 über Wigan Athletic vor einer Woche in Flingern. Mit Routinier Sergio Pinto im defensiven Mittelfeld, streckenweise unpräzise, aber kampfstark. Sowie dem flinken, dribbelgewandten Finnen Joel Pohjanpalo auf der linken Seite. „Nur“ zwei Neuzugänge durften damit von Beginn an ran.

Die erwartungsfrohen Fans sahen eine durchgehend gute Partie. Fortuna hatte in Halbzeit eins weitgehend das Heft in der Hand. Es brauchte allerdings einen tollen Schlenzer von Spielmacher Michael Liendl, um die Fans aus den Klappsitzen zu holen. Der Österreicher hob die Kugel zehn Minuten vor der Pause im weiten Bogen wunderschön in den linken Torwinkel. Eintrachts polnischer Keeper Rafal Gikiewicz, im Sommer vom Erstligisten Slask Wroclaw verpflichtet, stand zwei, drei Schritte und damit entscheidend zu weit vor seinem schützenswerten Arbeitsplatz.

Bodezek verpasst das 2:0 nur knapp

Ein 2:0 war drin. Doch Adam Bodzeks Kopfball nach der zweiten Fortuna-Ecke durch Sergio Pinto kratzte ein Gelbhemd von der Torlinie. Der Bundesliga-Absteiger spielte gefällig mit, brauchte aber bis in die Nachspielzeit von Halbzeit eins für eine brauchbare Gelegenheit. Doch den Kopfball des Norwegers Havard Nielsen lenkte Innenverteidiger Bruno Soares zur Ecke.

Ansonsten hatte Keeper Michael Rensing auch keinen Ball zu halten. Glück Fortuna: Einen Schmidtgal-Schubser gegen Nielsen im Strafraum hätte einen Elfmeter nach sich ziehen können. Referee Deniz Aytekin, bisweilen eh eher großzügig in seinen Entscheidungen, ruderte mit den Armen: Weiterspielen, meine Herren!

Dass die Fortunen nach 45 Minuten weit vom sicheren Punktehafen entfernt segelten, zeigte sich mit Wiederbeginn. Braunschweig spielt nun strikt nach vorn. Zweimal Nielsen, zweimal Reichel per Flachschuss, jeweils gerettet von Keeper Rensing, kein Tor! Im fünften Versuch klingelte es dann. Ben Halloran, gestern Abend eh nicht so richtig im Spiel, ließ Direktschütze Ken Reichel bei einer weiten Bogenflanke im Sechzehner zu viel Entfaltung. Das 1:1 aus zehn Metern Distanz war unhaltbar.

Reck mit gutem Händchen

Coach Reck reagierte, brachte mit Charlison Benschop eine zweite Spitze, stellte von 4-2-3-1 auf ein 4-4-2-System. Fünf Minuten später hatte die Idee gezündet. Der bis dahin eher blasse Hoffer überrumpelte mit Torschütze Benschop die Eintracht-Abwehr präzise. Der Österreicher bediente im Konter flach den Curacao-Niederländer (65.).

Sechs Minuten später gab’s den nächsten Aufreger: Keeper Rensing soll den eingewechselten Bakenga im Strafraum von den Beinen geholt haben. Referee Aytekin sah keinen Fußtreffer und ließ wieder weiterspielen. „Ich hab ihn berührt, da hätte man einen Elmeter geben können“, gab Fortunas Schlussmann jedoch nach dem Schlusspfiff gegenüber der NRZ zu.

Coach Reck baute nun auf Konter. Natürlich mit Mathis Bolly. Doch die Fortunen hatten eher im eigenen Strafraum mächtig zu tun. Zweimal hatte sich Nielsen einschussbereit aufgebaut, zweimal verzog der Norweger.

Dann aber kam doch noch die Glücksminute für den Blondschopf. Nielsen nutzte einen Zweikampf-Patzer des für den fußverletzten Bruno Soares eingewechselten Dustin Bomheuer aus kurzer Distanz zum verdienten Ausgleich kurz vor dem Ende.

  • Fortuna – Eintracht Braunschweig 2:2 (1:0)

Fortuna: Rensing – Schmidtgal, Bodzek, Bruno Soares (75. Bomheuer), Weber – Sergio Pinto, Gartner – Pohjanpalo (60. Benschop), Liendl, Halloran – Hoffer (68. Bolly).

  • Eintracht: Gikiewicz – Reichel, Dogan, Correia, Hedenstad – Theuerkauf – Hochscheidt (14. Zuck), Boland, Nielsen, Raffael Korte (83. Khelifi) – Kruppke (68. Bakenga).

  • Schiedsrichter: Deniz Aytekin (Oberaspach/TSV Altenberg).

  • Zuschauer: 41 667.

  • Tore: 1:0 (34.) Liendl, 1:1 (60.) Reichel, 2:1 (65.) Benschop, 2:2 (84.) Nielsen.

  • Gelbe Karten: Sergio Pinto, Weber.

  • Eckbälle: 3:5 (2:4).

  • Torchancen: 4:8 (3:1).

  • So geht es weiter: 1. FC Union Berlin – Fortuna (8. August, 20.30 Uhr, Stadion An der alten Försterei).

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