Fortuna ist mit den Nerven schon am Ende

Kann es nicht fassen: Axel Bellinghausen ist nach der Düsseldorfer Niederlage gegen Nürnberg enttäuscht.
Kann es nicht fassen: Axel Bellinghausen ist nach der Düsseldorfer Niederlage gegen Nürnberg enttäuscht.
Foto: Marius Becker / dpa
Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga: Ein 1:0 in Hannover würde Fortuna Düsseldorf zur Rettung schon reichen. Das Team von Trainer Norbert Meier fährt ins Kurztrainingslager vermutlich nach Ostwestfalen. Außenverteidiger Christian Weber steht wieder im Profikader.

Düsseldorf. Die Roten lagen frustriert auf dem Rasen. Die meisten der 53 500 Zuschauer in der Arena schlugen sich fassungslos die Hände vor das Gesicht. Nein, mit dem Ergebnis und schon gar nicht mit dieser über weite Strecken der 92 Spielminuten jämmerlichen Leistung der Fußball-Fortunen hatte jemand ernsthaft gerechnet. Der verschossene Rettungselfmeter beim 1:2 (1:0) gegen den 1. FC Nürnberg lässt selbst im zu erwartenden Relegationsspielevergleich mit dem 1. FC Kaiserslautern nicht mehr viel fußballerischen Sonneschein erwarten.

Ab ins Kloster!

Zuvor steht noch das Spiel in Hannover (Samstag, 15.30 Uhr, live in unserem Ticker). Ein 1:0 würde reichen, um Fünfzehnter zu bleiben. „Wir sind noch nicht abgestiegen“, betonte Cheftrainer Norbert Meier mit Blick auf die Niederlagen der Konkurrenz. Doch wie kann sich die Fortuna angesichts einer spielerisch erbärmlichen Vorstellung eigentlich noch retten? Nach elf Partien ohne Sieg? Nach schwachen Vorstellungen am Stück?

Vielleicht müssen die Profikicker ja mal ins westfälische Kloster. Um die Nerven zu beruhigen, die Gedanken zu sortieren, den Mut wiederzufinden. All das war im Kampf um den Klassenerhalt am Samstag gegen einen arg ersatzgeschwächten, sogar mit einem Eigentor helfenden Gegner nicht zu erkennen. Die Fakten lesen sich ernüchternd: keine Zweikampfstärke, kaum Torabschlüsse, wenig Eins-gegen-Eins-Situationen, dazu Löcher in der Abwehr. Die Vorwurfliste an verantwortungsscheue Protagonisten war nicht eben kurz.

Sportvorstand Wolf Werner preschte nach der Heimpleite vor der WDR-Kamera etwas vorschnell in die Attacke: „Mein Appell an die Mannschaft: Sie soll sich den Arsch aufreißen und ein vernünftiges Spiel in Hannover abliefern!“ Was ein wenig am Thema vorbeizielte. Einsatz- und Laufbereitschaft waren vorhanden. Mehr aber auch nicht.

„Man braucht in einer solchen Situation echte Kerle“, strich Cheftrainer Norbert Meier heraus. Die Aussage implizierte natürlich, dass er ebensolche zuvor auf dem Spielfeld nicht ausgemacht zu haben schien.

Torchancen gab es keine. Mit Ausnahme der letzten zehn Spielminuten. Aber da war längst in manch Fortuna-Kopf die psychische Panik ausgebrochen. Zielführend waren die späten Ausgleichsversuche von Bodzek sowie der eingewechselten Reisinger und Bolly aber auch nicht mehr. Sympthomatisch dazu: Fortunas Führungstor entsprang einem Zufallsprodukt, als Balitsch eine flache Strafraumflanke von Kapitän Lambertz ins eigene Netz gelenkt hatte.

Letzterer hielt hinterher die Erklärungsnotstandsfahne der Elf hoch. Gemeinsam mit Oliver Fink. Der Rest trollte sich grimmig unter die Brause. „Wir müssen alles reinwerfen, was wir haben“, forderte Lambertz. Mit verzweifeltem Blick. Und mit einem Auge auf den zwickenden Oberschenkel, der die Auswechslung zur Halbzeit nötig gemacht hatte. Vermutlich wird der Muskel bis zum Hannover-Match wieder spielbereit sein.

Sieg oder Sarg?

Mittelfeldkicker Fink, für den wieder enttäuschenden Tesche eingewechselt, gab sich kampfbereit. Und ein wenig morbid: „Unser Strohhalm ist Platz fünfzehn. An den müssen wir uns krallen. In Hannover gibt es den Showdown. Dann heißt es: Sieg oder Sarg?“

Damit die Fortunen nicht sportlich beerdigt werden, wurde gestern doch noch der von Coach Meier in der vergangenen Woche eher verteufelte Aktionismus ausgerufen. Nach der morgigen Übungseinheit geht es in ein dreitägiges Trainingslager, um sich konzentriert auf die Schlusspartie vorzubereiten.

RUND UMS FORTUNA-SPIEL - Levels fällt aus 

Als hätte die Fortuna nicht schon genug sportliche Sorgen! Kommenden Samstag beim Bundesliga-Finale in Hannover droht nun auf der rechten Verteidigerseite ein personeller Engpass. Tobias Levels hatte beim 1:2 gegen Nürnberg seine fünfte Gelbe Karte kassiert und ist damit gesperrt. Positionskollege Leon Balogun war zuletzt wegen eines zweimaligen Muskelfaserrisses im Oberschenkel ausgefallen. Sein Comeback in dieser Woche im Training ist mit einem großen Fragezeichen versehen.

„Dann müssen wir uns eben einen rechten Verteidiger schnitzen“, kündigte Cheftrainer Norbert Meier trotzig an. Beim 1:3 zuletzt in Frankfurt war bereits der Spanier Juanan auf der linken Seite für Johannes van den Bergh eingesprungen. Der nicht gerade schnelle Spanier hatte eine Halbzeit lang alle Mühe, Angriffe über seine Seite zu verhindern.

Auch der erst 18-jährige Cristian Ramirez könnte den Levels-Balogun-Ersatz geben. Gegen Hannover saß der Junioren-Nationalspieler aus Ecuador erstmals bei einem Fortuna-Bundesliga-Match auf der Ersatzbank. Dazu kehrte gestern Christian Weber (aktuell Fortuna II) ins Aufgebot zurück. Ihn hatte Coach Meier mangels Tauglichkeit im vergangenen Sommer eigentlich aussortiert.

DAS SPIEL IN DER STATISTIK 

Fortuna: Giefer – van den Bergh, Malezas, Langeneke, Levels – Bodzek, Tesche (60. Fink) – Bellinghausen, Kruse (66. Reisinger), Lambertz (46. Bolly) – Schahin.

Nürnberg: Schäfer – Pinola, Klose, Dabanli, Balitsch – Simons – Esswein (46. Plattenhardt), Mendler (82. Korczowski), Frantz, Mak – Pekhart.

Schiedsrichter: Knut Kircher (TSV Hirschau/Rottenburg).

Zuschauer: 53 500 (ausverk.).

Tore: 1:0 (22.) Balitsch (Eigentor), 1:1 (58.) Mak, 1:2 (64.) Plattenhardt.

Gelbe Karten: Kruse (9.), Langeneke (3.), Levels (5.), Bodzek (9.) – Dabanli.

Eckbälle: 1:5 (0:1).

Torchancen: 3:7 (1:1).

Torschüsse: 6:13.

Ballbesitz: 55:45 Prozent.

Gewonnene Zweikämpfe: 45:55 Prozent.

Foulspiele: 19:19.

So geht es weiter: Hannover 96 – Fortuna (Sa., 15.30 Uhr, Arena).

 
 

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