Bierduschen für Funkel: So feiert die Fortuna den Aufstieg

Friedhelm Funkel genießt das Bad in der Fanmenge.
Friedhelm Funkel genießt das Bad in der Fanmenge.
Foto: dpa
Düsseldorf macht bei Dynamo Dresden die Bundesliga-Rückkehr perfekt. Trainer Funkel erlebt seinen sechsten Aufstieg. Vorstandschef Schäfer weint.

Dresden.  Das ganze Drama von Dresden, die Erlösung, die Freude, die Zweifel der vergangenen Monate, all das brach aus Robert Schäfer heraus. Plötzlich. Unerwartet. „Ich bin einfach nur unheimlich stolz auf alle“, sagte der Vorstandschef von Fortuna Düsseldorf. Nach der gerade geglückten Rückkehr in die Fußball-Bundesliga kam Schäfer nicht weiter. Die Stimme versagte. Rouwen Hennings 2:1 (1:0)-Siegtor 25 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit, als Dynamo Dresden drauf und dran war, den Zweitliga-Spitzenreiter zu schlagen, hatte Schäfer noch nicht verpackt.

3000 mitgereiste Fortuna-Fans feiern ausgelassen ihren Erfolgstrainer

Er schluckte, brach in Tränen aus. Tränen, die tiefe Freude zeigten. Aber auch jenen Druck offenbarten, unter dem der 42-Jährige seit seinem Wechsel von Dresden nach Düsseldorf im April 2016 als forscher Fußballchef mit hohen Ansprüchen gestanden hatte.

Als Schäfer schluchzte, feierten die knapp 3000 mitgereisten Fortuna-Fans parallel in der Kurve ausgelassen ihren Erfolgstrainer. Friedhelm Funkel wurde auf die Bande dirigiert. Kein leichtes Unterfangen für einen 64-Jährigen. Doch Funkel schaffte es. Sein sechster Bundesliga-Aufstieg als Profitrainer hatte ihm die nötige Kraft und Koordination für den gewagten Sprung gegeben.

„Mit uns hatte sportlich keiner gerechnet“

„Mit uns hatte sportlich keiner gerechnet“, sagte Funkel eine gute halbe Stunde später. Er mit seiner Mannschaft auf dem Pressekonferenzpodium wohl auch nicht. Seine Spieler stürmten die Runde und sorgten für eine ausgiebige Bierdusche für ihren Chef und für Arbeit der Putzkolonne. Funkel musste vor dem Rückflugerst einmal duschen.

In der Brause blieben ein paar Minuten Zeit, das Geschehene zu reflektieren. Dann ging es schon Flughafen und zurück nach Düsseldorf brachte. Abends stand die Spontanfeier in Flingern auf dem Programm. Mit einem offenen Ende.

Das Ganze war jedoch nicht selbstverständlich. Die Fortuna stand nämlich in der Endphase eines atemberaubend spannenden Fußball-Nachmittags kurz davor, die Partie gegen erst in den letzten 25 Minuten starke Dynamos noch aus der Hand zu geben.

Neuhaus trifft zum Ausgleich

Halbzeit eins war ein spielerisches Gedicht des Spitzenreiters. Gladbach-Leihgabe Florian Neuhaus gab schon nach neun Spielminuten mit seinem Weitschusstreffer halbhoch in die linke Torecke den Takt vor. Fortuna führte zeitig und hätte aufgrund einer Vielzahl gut vorgetragener Konter gegen eine zappelige, unaufgeräumte Dresdener Deckung leicht mit einem 2:0 oder 3:0 in die Kabine gehen können.

Erst mit der Einwechslung des Senegalesen Moussa Koné kam die Fortuna hinten ins Schwimmen. Der vom FC Zürich gewechselte Angreifer machte dann auch kurz nach einem Pfostentreffer von Pascal Testroet den Ausgleich für Dynamo per Konter.

„Wir haben es das ganze Jahr gewollt und waren immer oben“

Eine Szene in beiden Strafräumen jagte nun die nächste. Bis Rouwen Hennings mit einem Aufsetzer aus 18 Metern in die linke Torecke die 90. Spielminute zur Jubelminute für alle Düsseldorfer adelte. „Meine letzte Entscheidung, da mal endlich abzufeuern, war die richtige. Wir haben Dresden dann keine Zeit mehr für einen zweiten Ausgleich gelassen“, versicherte Hennings mit einem Lächeln.

Der 30-Jährige hatte ebenso wie sein Vorstandschef Schäfer alle Mühe, seine Gedanken im Zaum zu halten: „Wir haben es das ganze Jahr gewollt und waren immer oben. Aber jetzt brauche ich ein paar Tage, um darüber nachzudenken, dass wir es tatsächlich geschafft haben.“

„Wahnsinnsmoment für uns alle“

Der verletzte Kapitän Oliver Fink meinte: „Das ist einfach nur ein Wahnsinnsmoment für uns alle. Auch die Fans und die Stadt haben sich den Aufstieg verdient.“ An das 2:1-Siegtor in der Schlussminute hatte der Routinier, der schon beim kuriosen Relegations-Chaos vor sechs Jahren gegen Hertha BSC dabei war, nicht mehr geglaubt. „Ich hatte mich schon auf die Couch eingerichtet und bin jetzt nur noch geflasht.“ Da hatte Fink etwas mit seinem Vorstandschef Robert Schäfer gemeinsam. Und vermutlich nicht nur mit ihm.

 
 

EURE FAVORITEN