Flämische Hassgesänge

Brüssel. Der gefährliche Riss zwischen Flandern und der Wallonie entzweit immer häufiger auch den belgischen Fußball. Es vergeht kaum noch ein Spieltag, an dem gehässige flämische Fußballfans nicht schlimmste Beleidigungen in die Kurven des wallonischen Gegners schleudern.

Die Konflikte zwischen Flandern und der Wallonie haben den belgischen Fußball erreicht. Flämische Fans schmähen die Anhänger aus dem französisch-sprachigen Teil Belgiens. Seit dem jüngsten Zweitliga-Skandalspiel Antwerpen-Virton ist das Maß voll: Die Belgische Fußball-Union hat für diesen Freitag einen Krisengipfel anberaumt.

Hassgesänge und Fäkalsprache

„Wallonen sind Pädophile“, skandierten Antwerpener Fans letzten Sonntag beim Heimspiel gegen „Excelsior Virton“. Eine üble Provokation, auf die die Gästespieler pikiert reagierten. Nach dem Abpfiff verharrte die Virton-Elf aus Protest im Mittelkreis.

Minutenlange Hassgesänge in Fäkaliensprache begleiteten ein weiteres Skandalspiel, die Begegnung des wallonischen Klubs Tubize gegen das flämische Genk. Als der aufgebrachte Tubize-Manager Louis Derwa daraufhin gegen alle Regeln wild gestikulierend auf das Spielfeld rannte und den Schiedsrichter ermahnte einzuschreiten, drohte ein Abbruch.

Die Verantwortlichen der Königlich-Belgischen Fußball-Union, dem Pendant des DFB, verfolgen die anti-wallonischen Ressentiments mit zunehmender Sorge. Stadien und Fußballplätze seien zu einem Nebenkriegsschauplatz geworden, heißt es in der Brüsseler Unions-Zentrale. Weil flämische und wallonische Politiker versagten und den seit Jahren schwelenden Streit weiter anheizten anstatt ihn zu lösen, müsse der Sport die bittere Suppe auslöffeln.

Übeltäter bestrafen

Gleichwohl sieht sich die Union veranlasst, die Übeltäter zu bestrafen. Aber wen muss der Verband zur Rechenschaft ziehen? Die Klubs? Die Fans? Oder ist es an den Klubs, die Fans bestrafen? „Voraussichtlich werden wir die Klubs bestrafen müssen“, sagt Verbandssprecher Pierre Cornez. Denkbar sei die Auflage an die flämischen Skandalvereine, ein Heimspiel vor leeren Rängen auszutragen.

 
 

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