FC Bayern nach einer magischen Nacht in Madrid im Finale

Dirk Graalmann
Der FC Bayern steht im Finale der Champions League.
Der FC Bayern steht im Finale der Champions League.
Foto: afp
Der große Traum ist Realität: Bayern München hat dank Torhüter Manuel Neuer das "Finale dahoam" in der Champions League am 19. Mai gegen Chelsea erreicht und damit Geschichte geschrieben. Im Halbfinal-Rückspiel setzte sich der FC Bayern nach Elfmeterschießen bei Real Madrid durch.

Madrid. Der Tipp kam vom Kaiser persönlich. Der FC Bayern, hatte Franz Beckenbauer angemerkt, müsse sich vor dem Halbfinal-Rückspiel bei Real Madrid „mit allen Glücksgöttern des Universums in Verbindung setzen – das wird man brauchen.“ Vielleicht hat einer nach dem 2:1-Hinspielerfolg die göttliche Telefonnummer gefunden – dabei war der Beistand gar nicht nötig. Denn der FC Bayern München hat es tatsächlich geschafft. Er hat Real Madrid im Rückspiel bezwungen, im Estadio Santiago Bernabeu, und zog ins Champions-League-Finale am 19. Mai ein. In München. Gegen den FC Chelsea.

Und das nach einem unvergleichlichen Drama. 2:1 für Real hieß es nach der regulären Spielzeit und auch nach der Verlängerung. Es folgte ein Elfmeterschießen, bei dem der Bayern-Torhüter zum großen Triumphator wurde: Manuel Neuer wehrte die Schüsse der Weltstars Cristiano Ronaldo und Kaka ab. Und weil auch noch Sergio Ramos über das Tor schoss, fiel es nicht mehr ins Gewicht, dass auch die Bayern Toni Kroos und Philipp Lahm an Real-Torhüter Iker Casillas gescheitert waren. Bastian Schweinsteiger verwandelte zum entscheidenden 3:1 im Elfmeterschießen.

Drei Spieler des FC Bayern sind im Finale gesperrt

Die müssen im Endspiel ohne die seit gestern Abend gelbgesperrten Holger Badstuber, David Alaba und Luiz Gustavo auskommen müssen. Doch das war in dieser Nacht nur eine Fußnote inmitten des Wahnsinns. Die europäische Krone ist ganz nah.

„Die Mannschaft hat sich ein Riesenkompliment verdient“, schwärmte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge. „Emotionaler, schöner, intensiver geht es nicht mehr. Das war Fußball auf allerhöchstem Niveau.“

„90 Minuten im Bernabéu können sehr lang sein“, hatte die real-nahe Tageszeitung „Marca“ getitelt – auf Deutsch. Es reichte eine Halbzeit, um alle 80 000 Zuschauer daran zu erinnern. Was für ein Spiel, was für Chancen; wann zuvor ist ein Halbfinale der Champions-League mit so offenem Visier, quasi ohne Deckung begonnen worden? Ein Irrsinn. „So wahnsinnig viele Chance sieht man in einem Halbfinale sehr selten“, befand auch Bundestrainer Joachim Löw.

Schon nach 140 Sekunden hatte Sami Khedira die Real-Führung auf dem Fuß, doch der Nationalspieler brachte aus sieben Metern nur einen harmlosen Roller zustande. Gut drei Minuten später aber war es soweit. Nach einem Flügelwechsel nahm Angel di Maria den Ball volley. David Alaba flog heran, um zu klären. doch der Ball traf nur seinen Arm – und der ungarische Schiedsrichter Viktor Kassai entschied auf Strafstoß; eine harte, aber vertretbare Entscheidung. Cristiano Ronaldo war es ohnehin egal; er versenkte den Elfmeter locker zum 1:0 (6.). Doch die Bayern zerbrachen nicht; sie hatten nur zwei Minuten später die riesige Chance zum Ausgleich; Alaba setzte sich flink durch, passte scharf nach innen – aber Arjen Robben setzte den tückisch aufspringenden Ball aus vier Metern in den Oberrang. Unglaublich.

Ronaldo trifft zweimal für Real Madrid

Real war weniger nachlässig mit den Gelegenheiten: Mesut Özil stellte mit einem feinem Zuspiel in die Schnittstelle die schusselige Bayern-Defensive bloß – und Ronaldo vollendete aus zwölf Metern locker zum 2:0 (14.). Der nächste Nackenschlag. „Die Bayern haben 15 Minuten geschlafen“, konstatierte Ottmar Hitzfeld.

Doch die Bayern – sie zerbrachen nicht. Sie stemmten sich gegen das Aus, sie wollten ins Endspiel. Unbedingt. Und sie hatten Erfolg. Nach einer Flanke von Toni Kroos zerrte und zog Reals Abwehrspieler Pepe so lange an Mario Gomez herum, bis der Elfmeterpfiff ertönte. Und Arjen Robben, der Fehlschütze von Dortmund, traute sich wieder an den Punkt; und Real-Torwart Iker Casillas konnte den Ball nur noch an den Innenpfosten lenken – 1:2 (27.). Die Bayern waren endgültig zurück im Spiel.

Es war spannend, es war flirrend. München war hungriger. Es ging in die Verlängerung. Und dann sogar ins Elfmeterschießen. 90 Minuten im Bernabéu können auch mal mehr als zwei Stunden dauern...