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Xavi und Iniesta – Spaniens unnachahmliches Erfolgsduo

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Foto: Franck Fife/AFP
Sie sind die Schöpfer des schönen Spiels. Sie inspirieren sich in der spanischen Nationalmannschaft gegenseitig zu immer wunderbareren, schnelleren, überraschenderen Kombinationen. Xavi Hernandez und Andres Iniesta – Namen, die man auch in hunderten Jahren noch kennen wird.

Kiew. 

Als der Pokal übergeben und das betörende Feuerwerk in Rot und Gold vor der Schwärze des Kiewer Nachthimmels endgültig verglimmt war, wurde es erst so richtig stimmungsvoll. Nach und nach holten die spanischen Spieler ihre kleinen Kinder auf den Platz, die fortan zwischen ihren Vätern hin- und herwuselten, fangen spielten oder sich mit den silbernen Konfettistreifen vergnügten, die zuvor in der Mitte des Platzes auf die Europameister niedergeregnet waren.

Vor vier Jahren, als Spanien den Titel schon einmal holte, wäre das so gar nicht möglich gewesen, denn da gab es viele dieser Knirpse noch gar nicht. Nun tobten sie alle gemeinsam daher in den Trikots ihrer Väter, die ihnen stolz zusahen. Momente voller Glück auf dem bestbesuchten Spielplatz der Welt. „Wir sind alle Freunde“, sagt Cesc Fabregas und im angesichts der Bilder an diesem schwülen, unvergesslichen Sommerabend wird niemand auch nur eine Sekunde lang am Wahrheitsgehalt seiner Worte zweifeln wollen.

Seit Jugendtagen zusammen beim FC Barcelona

Die Harmonie, der Gemeinschaftssinn dieser Mannschaft mag ein wichtiger Baustein ihres unglaublichen Erfolgs sein. Ein anderer ist das unnachahmliche Duo Xavi Hernandez (32) und Andres Iniesta (28). Sie sind die Schöpfer des schönen Spiels, sie inspirieren sich gegenseitig zu immer wunderbareren, schnelleren, überraschenderen Kombinationen, in denen selbst entschlossenste gegnerische Kräfte verpuffen wie eine schlechte Pointe. Zwei, die nicht das Rampenlicht suchen, die seit ihren Jugendtagen schon für ihren Verein, den FC Barcelona spielen, die aber dort und in der Nationalelf längst in den Olymp der internationalen Fußball-Geschichte aufgenommen worden sind.

Besonders Iniesta hatten das einst wohl die wenigsten zugetraut. Er ist ein schmächtiger junger Mann, seine Haut ist auffallend blass. Manchmal, im hellen Schein des Flutlichts, sieht er aus wie eine wächserne Figur in einem roten Trikot, die furchtbar schnell kaputt gehen könnte. Aber Iniesta droht eigentlich nie, Schaden zu nehmen. Er hat früh gelernt, den üblen Attacken aus dem Weg zu gehen, in dem er schneller denkt und schneller spielt als alle anderen. Kein einziges Tor schoss er in Polen und der Ukraine, trotzdem wurde er zum besten Spieler des Turniers gewählt. Seine Kunst sind Pässe, so wie jener, der das 1:0 gegen Italien durch David Silva einleitete.

Xavi ist der Architekt des spanischen Spiels

Es ist eine Kunst, die auch Xavi beherrscht. Bei dieser EM wirkte er die meiste lang merkwürdig gehemmt, die Saison mit dem FC Barcelona war nicht gut gelaufen, es schien fast, als sei nun der Zeitpunkt gekommen, die spanische Ära für beendet zu erklären. Just in diesem Augenblick und vor den Augen der Weltöffentlichkeit steuerte jener Xavi, der Architekt des Spiels, zwei absurd präzise Zuspiele zu den Toren von Jordi Alba und Fernando Torres bei.

Xavi und Iniesta – Namen, die man auch in hunderten Jahren noch kennen wird. Sie sind das erfolgreichste Duo, das es je gegeben hat. Fünf spanische Meisterschaften haben sie zusammen eingespielt, drei Champions-League-Siege, den Europameistertitel 2008 in Wien, den Weltmeistertitel 2010 in Johannesburg und nun den Europameistertitel 2012 in Kiew.

Pique schnitt Streifen des Tornetzes ab

Eine Bilanz, die größer ist als groß. So groß, dass selbst Spieler zu Methoden greifen, die sonst nur Fans anwenden, um sich sicher zu sein, dass dieser Tag auch wirklich stattgefunden hatte, dass er nicht der Inhalt eines schönes Traumes gewesen ist. Spaniens Verteidiger Gerard Pique schnitt sich daher sorgfältig einen Streifen des Tornetzes ab, in das Juan Mata den Ball zum Schlusspunkt setzte. Pique wird dieses Stückchen Textil verwahren, um einen greifbaren Beweis für die Existenz dieses Abends, dieser Erfolgs-Illusion zu besitzen.

Etwa zum gleichen Zeitpunkt schnappte sich Fernando Torres seine Kinder, Leo links und Nora rechts auf dem Arm, und brachte sie zu ihrer Mutter. Die anderen Knirpse spielten noch ein bisschen munter weiter. Und so mancher Beobachter wird inständig gehofft haben, dass diese Generation nur bloß nicht so Fußball spielen können wird, wie ihre Väter.