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Der stille Dirigent – Spaniens Star Xavi Hernandez

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Foto: imago
Im Schatten von Weltfußballer Lionel Messi steht der Regisseur des FC Barcelona selten im Vordergrund. Dabei ist Xavi fürs Spiel der Katalanen und in der Nationalmannschaft nicht wegzudenken. Der Kapitän der Seleccion zieht die wichtigen Fäden im Mittelfeld.

Barcelona. 

Vielleicht wird ihm doch noch einmal die persönliche Ehre zuteil, die ihm schon längst zusteht: zum Weltfußballer des Jahres gewählt zu werden. Zuletzt scheiterte er bei dieser Wahl vor allem an einem, seinem Mannschaftskameraden Lionel Messi. Xavier Hernandez i Creus, kurz Xavi, ist seit vielen Jahren der stille Dirigent der zwei besten Fußball-Mannschaften der Welt: des FC Barcelona und der spanischen Nationalmannschaft. Und es gibt nicht wenige, die ihn für genauso wertvoll für ein Team halten, wie den kleinen Argentinier Messi.


Auch Xavi ist klein. Er misst nur 1,70 Meter, aber er glänzt nicht mit spektakulären Dribblings, seine wenigen Tore werden den nachfolgenden Generationen eher nicht auf Youtube als Nachlass zur Verfügung stehen. Die Videos, die es von ihm zu sehen gibt, heißen „The Maestro“ oder „The Soul“.

Xavi hat alles gewonnen, was es im Fußball zu gewinnen gibt

Er ist der Kit, der das Gefüge der Spanier zusammenhält, der geniale Taktgeber und Lenker, das Hirn eines Fußballstils, der prägend und maßgebend ist für ein ganzes Jahrzehnt. Xavi ist „Tiki-Taka“ oder: der wohl beste Mittelfeldspieler der Welt. Die Wochenzeitung „Zeit“ schrieb einmal über ihn: „Stellvertretend für den FC Barcelona verkörpert Xavi das Schöne, Wahre und Gute im schnelllebigen Fußballgeschäft.“


Er ist zum Maßstab geworden für eine ganze Generation von Mittelfeldspielern. Bayern Münchens Trainer Jupp Heynckes adelte einst Bastian Schweinsteiger als „so gut wie Xavi“, was wohl noch stark übertrieben ist. Denn das Eigengewächs des FC Barcelona hat alles gewonnen, was es im Weltfußball zu gewinnen gibt: Er ist Weltmeister, Europameister, dreimaliger Champions-League-Sieger, Weltpokalsieger, mehrfacher spanischer Meister und Pokalsieger. Und dennoch ging er bei der Wahl zum Weltfußballer bislang leer aus, selbst 2011, als Spanien ein Jahr zuvor von einem überragenden Xavi angeführt Weltmeister wurde. „Das Problem ist, dass 95 Prozent der Menschen Fußball lieben, aber nur zwei Prozent wirklich etwas davon verstehen“, sagt er.

Im Kopf ist Xavi 200 km/h schnell

Dass er etwas von seinem Sport versteht, ist auch das Geheimnis seines Erfolgs. Seine Art zu spielen sei ein „Überlebensinstinkt“. Messi oder Cristiano Ronaldo spielten Hochgeschwindigkeitsfußball. „Sie spielen alles mit 200 km/h“, sagt Xavi. Er müsse aufgrund seiner Statur und fehlenden Schnelligkeit „im Kopf mit 200 km/h“ auf dem Feld handeln. Und so erinnert Xavis Spielweise oft an den großen Zinedine Zidane. Eine Körpertäuschung, ein Übersteiger, ein kurzes Streicheln des Balls mit der Fußsohle. Es sind die kleinen Dinge, die Xavis Spiel ausmachen. Das große Spektakel passt nicht zu ihm. Weder auf noch abseits des Platzes, wenn er in Interviews mit leiser Stimme immer etwas nachdenklich, aber stets überlegt wirkt.


Bei der EM in Polen und der Ukraine greift Xavi mit Spanien nun zum dritten Titel in Folge. Es wäre ein Novum im europäischen Verbandsfußball, und trotz namhafter Ausfälle gelten die Spanier weiter als die Mannschaft, die es zu schlagen gilt. „Wir haben uns zu einer Bezugsgröße entwickelt, an der sich nun viele orientieren. Wir wissen, wie wir spielen wollen und haben eine klare Idee“, sagt Xavi. Und für die Ideen, das wissen alle, ist vor allem er verantwortlich: Spaniens stiller Dirigent. (dapd)