BVB-Spieler Sahin nennt Pfiffe der Türkei-Fans "beschämend"

Nuri Sahin (links) mit Sergio Ramos.
Nuri Sahin (links) mit Sergio Ramos.
Foto: dpa
  • Arda Turan wurde von den Fans der Türkei niedergepfiffen.
  • Das löste heftige Reaktionen aus.
  • Auch die BVB-Spieler Sahin und Mor äußerten sich.

Nizza. Wie ein Sündenbock sah Arda Turan nicht aus. Mit einem aufgesetzten Lächeln schlenderte der türkische Mittelfeld-Star zum Mannschaftsbus - zumindest nach außen hin machte der 29-Jährige gute Miene zum bitterbösen Spiel. Doch tief im Inneren dürfte es beim emotionalen Türken gehörig gebrodelt haben.Bei jedem Ballkontakt war Turan in der zweiten Halbzeit des 0:3 (0:2) gegen Spanien gnadenlos ausgepfiffen worden. Nicht von einigen Wenigen, sondern vom kompletten Block der türkischen Anhänger. Wen sie für die deprimierende Niederlage gegen den Titelverteidiger verantwortlich machten, war nicht zu überhören. Die gesamte Enttäuschung über die zweite EM-Niederlage im zweiten Spiel und das fast sichere EM-Aus - Turan bekam sie um die Ohren gehauen.

Während des Spiels streckte der Profi des FC Barcelona mehrmals sarkastisch den Daumen in Richtung der "Fans", sagen wollte er nach dem Schlusspfiff zu den Anfeindungen nichts. Das übernahmen andere. Und dabei zeigten seine Mitspieler mehr Geschlossenheit als zuvor über 90 Minuten auf dem Platz. "Ich kann nicht verstehen, warum sie ihn ausgebuht haben. Er ist unser Kapitän und hat uns viele Siege beschert. Ihn für diese Niederlage verantwortlich zu machen, ist beschämend", sagte der Dortmunder Nuri Sahin. BVB-Neuzugang Emre Mor setzte sogar noch einen drauf: "Arda ist unser König - und wird immer unser König bleiben." Und der Leverkusener Hakan Calhanoglu verriet, dass Turan die Anfeindungen nicht so locker wegsteckte, wie es nach Außen den Anschein hatte: "Er ist natürlich sehr traurig, er ist emotional wie wir alle."

Unterstützung erhielt der seit Jahren in Spanien aktive Turan auch vom Gegner. Während die türkischen Anhänger pfiffen, hallten "Arda Turan"-Sprechchöre aus dem gelb-roten Fanblock der Spanier. Kurios. Nach dem Schlusspfiff ging dann der überragende Andrés Iniesta zunächst zu seinem Barca-Teamkollegen und spendete ihm wie alle Spieler beider Mannschaften Trost. "Das ist eine schwierige Situation für jeden Spieler, wenn er von den eigenen Fans ausgepfiffen wird. Das hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack", sagte Iniesta.

Die Mannschaft fiel auseinander

Der Umgang der Fans mit Turan passt zum bisher desaströsen Auftritt des so stolzen Landes bei der EM. Gegen Spanien fiel die Mannschaft nach den Gegentoren in der ersten Halbzeit auseinander. "Wer mich kennt, weiß, dass ich so etwas nicht akzeptieren kann", sagte Nationaltrainer Fatih Terim. Konkrete Lösungen nannte der "Imperator" aber keine.

Null Punkte, null Tore: Am Dienstag geht es für die Türken in Lens zum Gruppenabschluss gegen Tschechien. Selbst bei einem Sieg ist das Weiterkommen eher unwahrscheinlich. Es drohen die nächsten Pfiffe gegen Turan. (sid)

 
 

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