Ein letzter Dank nach Hoffenheim - der Kredit ist aufgebraucht

Dirk Graalmann
Die TSG Hoffenheim hat mit dem Doppel-Rauswurf von Trainer Marco Kurz und Manager Andreas Müller mal wieder etwas Besonderes vollbracht. Jetzt aber hat man auch genug gesehen von diesem merkwürdigen Klub.

Essen. Es wäre die denkbar einfachste Übung, am heutigen Tage diesen seltsamen Verein namens Hoffenheim endgültig in den Senkel zu stellen. Ein Klub, der im Herbst einen Manager verpflichtet, im Winter den Trainer wechselt, um im kalendarischen Frühling in einem einmaligen Akt des Doppelrauswurfs beide hinfort zu jagen, hat seine Planlosigkeit ausreichend unter Beweis gestellt. Und dass dabei (fehlendes) Geld keine Rolle spielt, macht das Ganze nicht besser.

Man darf der TSG Hoffenheim an dieser Stelle aber auch einfach mal danken (natürlich auch dafür, dass der gemeine Fußball-Fan jetzt diesen Landstrich namens Kraichgau kennt). Ohne diesen Verein und seine Überfigur Dietmar Hopp wäre die Diskussion über die Grenzen externer Einflüsse, Mäzene und Investoren nie in Gang gekommen. Ohne die TSG Hoffenheim, die irgendwann anfing, den Zusatz 1899 in den Namen zu schmuggeln, wäre die Debatte über die Relevanz der Traditionsklubs nie so leidenschaftlich geführt worden.

Hoffenheim hat dem deutschen Fußball die Augen geöffnet

Und der ungeliebte Emporkömmling hat dem deutschen Fußball, diesem selbstzufriedenen, satten Koloss, zudem durchaus die Augen geöffnet – sei es für die Überlegenheit des schnellen Kombinationsfußballs, mit dem Hoffenheim die Liga anfänglich überrollte; sei es für positive Einflüsse von außen, mit Anleihen aus anderen Sportarten oder dem Einsatz von Sportpsychologen, die in der Welt der kraftstrotzenden Machos bis dato bestenfalls als Scharlatane durchgingen.

All’ das darf der TSG Hoffenheim angerechnet werden. Dafür stehen auf dem Konto des Dorfklubs im Gegenzug fünf Jahre Bundesliga. Nun aber ist die Rechnung beglichen. Und jetzt ist es auch mal gut.