Düsseldorf

Dieter Nuhr kommentiert Bundesliga-Spiel – und die Fans rasten aus: „Peinlich, widerlich, beleidigend“

Dieter Nuhr durfte das Spiel von Fortuna Düsseldorf bei Union Berlin kommentieren.
Dieter Nuhr durfte das Spiel von Fortuna Düsseldorf bei Union Berlin kommentieren.
Foto: imago images/Oliver Langel - imago images/Jan Huebner

Düsseldorf. Für Dieter Nuhr hätte der Samstagnachmittag kaum schlechter laufen können.

Da durfte der Comedian erstmals ein Spiel von Fortuna Düsseldorf in der Bundesliga kommentieren, und ausgerechnet an jenem Tag steigt der Herzensverein von Dieter Nuhr aus dem deutschen Fußball-Oberhaus ab.

Dieter Nuhr im Kreuzfeuer der Kritik

Erschreckend deutlich (0:3) verloren die Düsseldorfer bei Union Berlin. Weil Werder Bremen gleichzeitig 6:1 gegen Köln gewann, schoben die Bremer sich am letzten Spieltag an Fortuna vorbei auf den Relegationsplatz. Für Düsseldorf bedeutete dies den direkten Abstieg.

Für viele Fans wurde das Geschehen auf dem Rasen allerdings zeitweise zur Nebensache. Sie regten sich mächtig darüber auf, dass ihr Lieblingsclub ausgerechnet Dieter Nuhr ans Mikrofon des vereinseigenen Radiokanals ließ.

Dieter Nuhr verspielte in jüngerer Vergangenheit enorm viele Sympathien – nicht nur in Düsseldorf, sondern in ganz Deutschland. Viele Zuschauer werfen ihm vor, er verbreite in seinen Ausführungen regelmäßig rechtspopulistische Ideen, ausländerfeindliche Tendenzen, Homophobie und Sexismus.

Zuletzt hatte Dieter Nuhr erneut für Empörung gesorgt, als er sich darüber lustig machte, dass die deutsche Gesellschaft in der Corona-Krise zu sehr auf die Meinungen von Experten wie dem Virologen Christian Drosten hört. Der Tenor seiner Kritiker in diesem Fall: Die schrecklichen Folgen der Corona-Krise in den USA zeigen deutlich, was passiert, wenn ein Land während einer Pandemie die Meinungen von Wissenschaftlern nicht ernst nimmt.

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Fortuna-Fans aufgebracht

Aber zurück nach Deutschland – genauer gesagt: nach Berlin. Dort kommentierte Dieter Nuhr am Samstagnachmittag das 0:3-Debakel seiner Fortuna. Und die Düsseldorfer Fans gingen auf die Barrikaden.

In den sozialen Netzwerken überschlugen nicht nur Düsseldorfer Fußballfans sich während des Spiels in wütenden Kommentaren. Der Hashtag #Nuhr wurde am Samstag bei Twitter zum Trend. Nur wenige User kommunizierten dabei, dass sie den Comedian eigentlich relativ unterhaltsam finden. Die mit weitem Abstand meisten Kommentare richteten sich mit Vehemenz gegen Dieter Nuhr und seine eigenwilligen Ansichten.

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Wir haben einige Twitter-Reaktionen gesammelt:

  • „Dieter Nuhr kommtentiert (unverständlicherweise) das Spiel mit dem Düsseldorfer Stadionsprecher per F95-App. Aus meiner Sicht ein fataler Fehler Dieter Nuhr nach seinen Äußerungen eine Bühne zu bieten. Dadurch werden sämtliche Anti-Rassismus Kampagnen des Vereins lächerlich.“
  • „Wer Dieter Nuhr eine Bühne bietet, hat es nicht anders verdient! Freue mich sehr über den direkten Abstieg.“
  • „Nuhr ist irgendwann falsch abgebogen und nur noch peinlich, oft widerlich und viel zu oft beleidigend.“
  • „War Xavier Naidoo schon ausgebucht? Wirklich, Fortuna. Was ist los mit euch?“

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  • „Vielen Dank dafür aus Bremen. Der Fußballgott konnte es dann doch nicht zulassen, dass dieser jammernde alte weiße Mann heute was zum Jubeln hat.“
  • „Allein dafür ist der Abstieg verdient.“
  • „Und Attila Hildmann wird jetzt Mannschaftskoch..?“
  • „Reicht bei solchen Aktionen überhaupt noch ein Abstieg in Liga 2? Oder ist das schon ganz unterste Schublade?“
  • „Super Entscheidung, Düsseldorf. Euer Abstieg wäre mir so egal gewesen, aber jetzt bejuble ich ihn voller Freude. Ich hoffe, Dieter Nuhr konnte noch ein paar Mal nach unten treten, wie er es sonst tut.“
  • „Tschüss, Fortuna! Manchmal bekommt man nu(h)r, was man verdient.“

Fans wüten wegen Tweet von PR-Unternehmen

Und als hätten die Fans sich über den Abstieg von Fortuna Düsseldorf und den Auftritt von Dieter Nuhr nicht schon genug geärgert, sorgte anschließend auch noch der Tweet eines Berliner PR-Unternehmens für reichlich Frust unter den Düsseldorfer Anhängern.

Die Firma „Story Haus“ hatte stolz verkündet, dass das Engagement von Dieter Nuhr dem Twitter-Kanal eine deutlich höhere Reichweite beschert hätte als an üblichen Tagen. „Einmal mehr zeigt sich: Eine Brand ist nur so gut wie ihre Ambassador“, schrieb „Story Haus“.

Die Fortuna-Fans liefen daraufhin Sturm – aus drei Gründen.

Erstens: Am Tag des Bundesliga-Abstiegs ist die Freude über eine erhöhte Twitter-Reichweite einfach nur deplatziert.

Zweitens: Die hohe Reichweite des Fortuna-Kanals am Samstag hatte viel eher mit dem Abstieg zu tun als mit dem Auftritt von Dieter Nuhr.

Drittens: Fußballfans widert es einfach nur an, wenn über ihren Lieblingssport in PR-Slogans gesprochen wird. Für den Fußballfan ist Fortuna Düsseldorf ein Verein, und kein „Brand“.

Das hatte sich bis Berlin-Mitte womöglich noch nicht rumgesprochen.

 
 

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