Die Kraft ist nicht mit Bayern

Christian Otto

Wolfsburg. Bayern-Trainer Louis van Gaal glaubt auch nach dem 1:1 beim VfL Wolfsburg noch an die Chance auf die Schale.

Das Glück in seinem Gesicht wirkte wie ein Gast, der sich verlaufen hat. Mit der eigenen Mannschaft hatte Arjen Robben gerade einen sicher geglaubten Sieg verspielt. Die Titelambitionen seines FC Bayern München sind zu einem Häufchen Elend geschrumpft. „Trotzdem bin ich der derzeit vielleicht glücklichste Spieler der Bundesliga. So egoistisch darf ich wohl sein“, sagte Robben.

Der Hoffnungsträger des FC Bayern München, der nach einem Muskelriss im Oberschenkel seines Schussbeines eine halbjährige Zwangspause beendete, konnte dem mageren 1:1 (0:1) beim VfL Wolfsburg etwas Positives abgewinnen. Aber Robben redete im Gefühl des Glücks als einer der wenigen Bayern-Spieler auch Klartext. „Die sind einfach zu weit weg. Man kann ihnen gratulieren“, sagte der Holländer zu der Frage, ob Borussia Dortmund auf dem Weg zur deutschen Meisterschaft noch aufzuhalten sei.

Es sind kuriose Personalien, die das Dilemma einer Mannschaft überlagern, die 16 Punkte Rückstand auf den BVB beweint. Torhüter Thomas Kraft etwa, von Trainer Louis van Gaal zur Nummer 1 erklärt, feierte angesichts diverser Glanzparaden ein erstaunliches Bundesliga-Debüt. Der 22-Jährige hatte das Führungstor der Bayern von Thomas Müller (7.) mit einem langen Ball vorbereitet. Kurz vor der Halbzeit konnte er auch noch einen Foulelfmeter von Grafite parieren.

Die Kraft eines Torwarts, das Glück von Robben und das Pech von dessen Landsmann Frank Ribéry blieben die Eckpfeiler eines weiteren Rückschlags. Robben war schon in der 25. Minute für Ribéry eingewechselt worden, weil dieser sich bei einem Zweikampf mit dem raubeinigen Wolfsburger Josué eine Kapselverletzung im rechten Knöchel zugezogen hatte. Am Sonntag gab es immerhin Entwarnung: Der Franzose hat „nur“ eine Zerrung erlitten und wird bereits Ende der Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.

Ribérys Abgang war eine symbolhafte Szene

Der Abgang von Ribéry war eine symbolhafte Szene für den Zustand den schwächelnden FC Bayern. „Das war ein dummes Gegentor“, meinte Wortführer Lahm – der selbst einen Elfmeter zum möglichen 2:0 vergeben hatte (22.) – über jenen Treffer zum 1:1 (86.) von Sascha Riether, den Bastian Schweinsteiger mit einer Nachlässigkeit ermöglicht hatte. Die Münchener hatten, allen voran Stürmer Mario Gomez, eine Chance nach der anderen ausgelassen. Aber mit dem bitteren Abgang von Ribéry kam ein Bruch in das Spiel des Rekordmeisters. „Wir haben es wieder nicht geschafft, obwohl es heute so einfach gewesen wäre. Bei den Dortmundern ist spielerisch auch nicht alles das Gelbe vom Ei. Aber die wollen in jeder Sekunde das Spiel gewinnen“, meinte Nationalspieler Müller mit einer Mischung aus Ärger und Neid. Die bajuwarische Aufholjagd zum Start in die Rückrunde verpuffte gleich im ersten Anlauf.

Noch 48 Punkte

Diese Erkenntnis aber wollten nicht alle teilen. „Noch ist alles möglich. 16 Punkte sind viel. Aber noch können wir 48 Punkte holen“, meinte Trainer van Gaal, der für seine Verhältnisse recht entspannt wirkte. Van Gaal wollte mit dem gewagten Wechsel auf der Torhüter-Position einen Impuls setzen. Mit dem frühen Comeback von Robben, als die Bayern noch dominant spielten und mit 1:0 in Führung lagen, wollte er nichts dem Zufall überlassen. Trotzdem reichte es nur zu einem Remis beim angeschlagenen VfL Wolfsburg, der besser gekämpft als gespielt hatte.

Als Robben über diese Themen referierte, führte sein Lächeln in die Irre. Als Lahm anmerkte, dass erst nach 34 Spieltagen wirklich alles vorbei sei, sah er so unglücklich und frustriert aus, als sei die Meisterschale schon an den BVB verloren gegangen.