Die etwas andere Bundesliga-Rückrunde

Hendrik Baumann
Louis van Gaal tritt Rangnicks Nachfolge bei Schalke an, Felix Magath holt bei seinem neuen Verein Hoffenheim Ali Karimi und das Rentier Olaf I. wird das neue Maskottchen des 1. FC Köln. Eine satirische Saisonvorschau, Teil 2.

Essen. 18. Spieltag: Schalke hat einen neuen Trainer. Und was für einen! Als Nachfolger Ralf Rangnicks tritt Louis van Gaal sein Amt bei den Königsblauen an. Vergleiche mit seinem Vorvorgänger Felix Magath lässt er nicht gelten: „Diktatoren sind auch nur Menschen und machen Fehler. Ich aber bin Gott.“ Clemens Tönnies ist so begeistert, dass er van Gaal einen warmen Mantel schenkt. Allerdings hat der neue Coach eine erste Enttäuschung zu verarbeiten: Nach dem gemeinsamen Absingen von „Glück auf, der Steiger kommt“ muss Tönnies van Gaal beibringen, dass Bastian Schweinsteiger doch nicht zu Schalke wechselt. Van Gaals Debüt verläuft erfolglos: Gegen den VfB Stuttgart mit dem neuen Trainer Ralf Rangnick unterliegt Schalke 0:1. „Ich muss etwas ändern“, erklärt van Gaal und beruft Matthias Schober zur neuen Nummer eins. Ralf Fährmann ist derart frustriert, dass er mit sofortiger Wirkung für 30 Millionen zum FC Bayern wechselt, wo er Manuel Neuer verdrängt. Derweil startet Bayer Leverkusen gewohnt bärenstark in die Rückrunde und verliert 0:2 gegen Mainz.

19. Spieltag: Spektakulärer Trainertausch in der Bundesliga: Nachdem Felix Magath angekündigt hat, vor jedem Heimspiel ein Trainingslager in der Infanterieschule der Bundeswehr in Hammelburg abzuhalten, rebellieren die Wolfsburger Spieler gegen ihn. Magath wechselt daraufhin als Trainer, Sportdirektor, Pressesprecher und Entmündungsbecken-Bademeister nach Hoffenheim. Kurz vor Schluss der Transferperiode geht Magath auf Einkaufstour und verpflichtet unter anderem Ali Karimi und Angelos Charisteas, der Kader wächst auf 47 Mann an. Damit hat die TSG mehr Spieler als Hoffenheim Einwohner. Auch Holger Stanislawski orientiert sich neu: Er hatte seinen Rücktritt als Hoffenheim-Coach erklärt, weil er sich laut eigener Aussage „bei einem Retortenklub ohne Tradition“ nicht wohl fühle. Kurz darauf unterschreibt Stanislawski in Wolfsburg.

21. Spieltag: Erneut gibt es Ärger beim 1.FC Köln: Trainer Stale Solbakken setzt vor dem Spiel gegen den Hamburger SV Geißbock Hennes VIII. ab und beruft Rentier Olaf I. als neues FC-Maskottchen. Zudem dürfen die Spieler keinen Karneval, sondern nur noch Midsommar feiern. Lukas Podolski hat die Nase voll und plant sogar, seine Karriere zu beenden. Jedoch scheitert er mit seiner Bewerbung um einen Posten als Kapitän bei der Lufthansa. Beim FC Bayern freut man sich über die Rückkehr von Robben und Ribery – und die neue Frisur von Mario Gomez. Der Stürmer trägt jetzt Vokuhila. „Vorne kurz, hinten lang. Ist wie unser Passspiel“, erklärt er. Gegen den 1.FC Kaiserslautern gewinnen die Bayern durch einen unberechtigten Handelfmeter in der Nachspielzeit mit 1:0. Präsident Uli Hoeneß kündigt die große Aufholjagd an.

23. Spieltag: Im Rahmen des Heimspiels gegen Borussia Mönchengladbach weiht der Hamburger SV die vereinseigene Kindertagesstätte ein und beruft die halbe F-Jugend ins Profiteam. „Die Verjüngung des Kaders ging mir nicht schnell genug“, begründet Sportchef Frank Arnesen das Projekt. Beim BVB ist man von der Idee aus Hamburg begeistert. „Das brauchen wir hier auch“, sagt Trainer Jürgen Klopp, „die meisten meiner Spieler sind schon älter als 20 Jahre.“ Die Berliner Hertha verliert derweil 0:3 beim FC Augsburg und damit das sechste Spiel in Folge. Trotzdem schwärmt Trainer Markus Babbel von der „wahnsinnigen Aufbruchsstimmung“.

24. Spieltag: Neuer Zoff zwischen Leverkusen und München: Weil Uli Hoeneß beim 2:1-Auswärtssieg seiner Bayern die Lachshäppchen in der BayArena besser schmecken als die in der Allianz-Arena, will der FC Bayern den Leverkusener Chef-Caterer abwerben. Rudi Völler ist außer sich: „Wir lassen keinen mehr zum FC Bayern gehen. Pasta!“ Der Caterer heuert kurz darauf beim FC Barcelona an. Hoeneß gibt sich trotzig: „Den brauchen wir sowieso nicht. Meine Würstchen sind besser als jedes Lachshäppchen.“

26. Spieltag: Beim Schalker Spiel gegen Kaiserslautern überrascht Louis van Gaal mit einer taktischen Finesse: Er bietet Ciprian Marcia als neuen Abwehrchef auf. „Ich will, dass bei uns hinten die Null steht – und Ciprian hat sich als sehr geschickt im Verhindern von Toren erwiesen“, begründet der Niederländer den Schachzug. Maricas Platz im Angriff nimmt Raul ein, der mit einem Doppelpack im Alleingang für den 2:0-Sieg sorgt.

29. Spieltag: Bei Hertha BSC ist nach zwei Punkten aus zehn Spielen und dem Absturz auf den letzten Tabellenplatz von der „wahnsinnigen Aufbruchsstimmung“ nicht mehr viel zu spüren. „Wir spielen zu defensiv“, klagt Maik Franz nach der 1:4-Pleite in Mönchengladbach gegenüber einem Reporter. Sportdirektor Michael Preetz sieht das genauso. Deshalb wird Markus Babbel am nächsten Tag entlassen und Friedhelm Funkel kehrt auf die Trainerbank de Hertha zurück. Funkel war erst eine Woche zuvor beim VfL Bochum durch Peter Neururer ersetzt worden. Uli Hoeneß verpasst derweil den 3:1-Sieg des FC Bayern gegen Augsburg, weil er im VIP-Bereich der Allianz-Arena seine Würstchen grillt.

30. Spieltag: Vor dem Derby gegen Schalke herrscht beim BVB aufgrund einer unvergleichbaren Verletztenmisere akuter Personalnotstand, weshalb sich Jürgen Klopp kurzerhand zum Spielertrainer erklärt und selbst mitspielt. Die Schalker Elf hat einen Ballbesitz von 89 Prozent, kommt aber kein einziges Mal vors Tor des BVB. Trotzdem ist Louis van Gaal mit seiner Mannschaft hochzufrieden – bis Christoph Metzelder in der 87. Minute vor dem einköpfbereiten Jürgen Klopp klären will und mit einem herrlichen Eigentor den Dortmunder Sieg herbeiführt.

34. Spieltag: Die Bundesliga hat mit Hannover 96 einen neuen Sensationsmeister. Auf die Frage nach den Gründen für den Erfolg sagt Trainer Mirko Slomka: „Ich hatte schon keine Ahnung, wie wir letztes Jahr in die Europa League gekommen sind. Da kann ich das hier erst recht nicht erklären.“ Vizemeister wird Bayer Leverkusen. Der FC Bayern schafft es so eben noch auf Platz vier und damit in die Qualifikation zur Champions League. Sportdirektor Christian Nerlinger ist dennoch so gefrustet, dass er im letzten Spiel beim 1.FC Köln versucht, alle „Koan Titel“-Schilder im Stadion einzusammeln. Nerlinger kündigt für den Sommer eine neue Transferoffensive an. „Wir werden uns mal in Hannover umsehen“, sagt er. Der BVB wird Sechster, die Mission Titelverteidigung ist gescheitert. Weil die Borussia trotzdem vier Plätze vor Schalke landet, schafft Kevin Großkreutz eine BVB-Flagge aufs Dach der Zeche Nordstern. Rauls Kommentar zum Abschneiden der Schalker: „Die Zehn hat mir noch nie gefallen.“ Der VfL Wolfsburg und Hertha BSC steigen in die 2. Liga ab. Mohamadou Idrissou rettet die Gladbacher Borussia in der Relegation gegen Greuther Fürth und verkündet danach seinen Wechsel zu Hannover, weil er endlich Champions League spielen möchte. Ciprian Marica beendet die Saison ohne Tor, wird aber vom „Kicker“ zum Abwehrspieler der Rückrunde gewählt.

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