Die Einigkeit der Wölfe

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Wolfsburg. Der VfL Wolfsburg schlägt den VfB Stuttgart mit 2:0, weil niemand das Rudel verlassen durfte.

Emotional belastete Begegnungen sind in der Bundesliga nicht selten. Das Gewimmel der Geschassten, der Nachfolger und Vorgänger ist schließlich mit den Jahren ziemlich unübersichtlich geworden. In Wolfsburg war die Konstellation trotz dieses allgemein hohen Personalverschleißes dennoch eine besondere. Armin Veh, Meistertrainer des VfB Stuttgart 2007, musste die Volkswagen-Arena und den stickigen Presseraum mit Markus Babbel, seinem Ex-Spieler und Co-Trainer teilen, der in Schwaben seinen Posten übernehmen durfte. Es ist aber alles gut gegangen. Es hat sogar richtig gemenschelt zwischen den Trainern. Was auch an einem Spiel gelegen haben könnte, in dem bereits zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison beide Mannschaften Klasse demonstrierten.

Dass die Wolfsburger durch Treffer von Zvjezdan Misimovic und Grafite (71. und 82. Minute) gewonnen hatten, führten sie selbst auf ihre schöne Einheit, auf ihr spielerisches Einverständnis zurück. „Wir sind eine eingespielte Truppe”, verkündete Misimocic, und der Kollege Grafite war es, der die Kollegialität als leistungsfördernd einordnete: „Es herrscht Einigkeit in der Mannschaft.” Dafür, dass trotz des Titelgewinns 2009 die europäischen Großen der Branche das Ensemble der Provinzler nicht zerfleddern konnten, sorgten die eigenen gefüllten Kassen. Kein Star durfte gehen, und weil auch noch investiert wurde, sieht Marcel Schäfer den Klub „stärker als in der vergangenen Saison”.

Zumindest ist der VfL zu Beginn der Spielzeit bei der Personalauswahl souveräner als die Stuttgarter. Gegen die zusammengeschweißte Betriebsgemeinschaft sah sich Babbel gezwungen, die Neuzugänge Pavel Progrebnyak und Aliaksandr Hleb gleich aufzubieten. Vor allem bei Hleb wurde schnell klar, dass es ihm noch an der letzten Kraft zur kreativen Aktion mangelt. Der Trainer erklärte dennoch, er sei zufrieden: „Gegen die beiden Tote konnten wir nichts machen. Das war individuelle Klasse.”

Der herausragende Torhüter Jens Lehmann mahnte ein Auffüllen des VfB-Kaders mit Alternativen aus dem Hochpreissegment an. Doch selbst wenn Manager Horst Heldt auf dieser prekären Ebene fündig werden sollte (Verteidiger Christian Träsch hat sich in der Partie gegen den VfL auch noch linke Handgelenk gebrochen), wird Wolfsburg ein Vorteil nicht zu nehmen sein: Nur Trainer Felix Magath hat sich verabschiedet, und es scheint doch so, als sei nicht nur er entscheidend für den Erfolg der Wölfe gewesen.

 
 

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