Die billigste Lösung trifft für Wolfsburg und Felix Magath

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Das runderneuerte Wolfsburger Team von Felix Magath schlug den 1. FC Köln durch ein Tor von Sebastian Polter mit 1:0. Nicht einer der acht millionenschweren Neuzugänge, sondern die interne Billiglösung besorgte den Siegtreffer für die Wölfe.

Wolfsburg. Würde im Profikader des VfL Wolfsburg ein Casting veranstaltet, wer denn den germanischen Vorfahren in der norddeutschen Tiefebene am ähnlichsten sehe, Sebastian Polter wäre gewiss der Siegertyp. Der junge Mann misst 1,92 Meter und wiegt 83 Kilo, er hat ein kräftiges Kreuz und trägt einen blonden Seitenscheitel. Er sieht nicht nur aus wie ein erdverwachsener Niedersachse; er ist auch einer. Geburtsort Wilhelmshaven, direkt von der Küste. Seine Ausbildung in Sachen Fußball hat Polter bei Werder Bremen und Eintracht Braunschweig genossen, der Feinschliff erfolgt seit vier Jahren beim VfL Wolfsburg. „Dafür arbeite ich in jedem Training hart“, hat der 20-Jährige nun nach dem 1:0 gegen den 1. FC Köln gesagt. Es war die Botschaft des Tages, denn nicht einer der acht millionenschweren Neuzugänge, sondern die interne Billiglösung besorgte für das mal wieder runderneuerte Werksteam zum Rückrundenauftakt das Siegtor (78.).

In der Bundesliga-Bilanz des jungen Ehemannes stehen nun drei (Teilzeit-)Einsätze und zwei 1:0-Treffer – schon zum Hinrunden-Kehraus gegen Stuttgart war Polter siegbringend zur Stelle gewesen. Ein Sonderlob bekam er aber deswegen nicht. „Er ist ein Stürmer, und der ist dazu da, das entscheidende Tor zu schießen“, sagte Felix Magath knapp, „auch bei ihm gibt es noch Steigerungsbedarf.“ Gewiss gilt das auch für Magaths fünf erprobte Zugänge, mit denen er seinen eigenen Rekord von 35 eingesetzten Spielern während einer Saison (zuvor 2000/2001 bei Eintracht Frankfurt) einstellte. Magath urteilte über die Neuen nur im Kollektiv: „Bei einigen hat man gesehen, dass das Tempo in der besten Liga der Welt für sie noch zu hoch ist, aber sie steigern unser fußballerisches Potenzial. Wir hatten schon viel mehr Struktur als in der Vorrunde.“ Gleichwohl: Viel weniger geht auch kaum.

Rechtfertigung von Garcia Sanz im Stadionmagazin

Der Schachspieler hat für seine Rochaden zuletzt so viel Kritik geerntet, dass sich Aufsichtsratschef Francisco Javier Garcia Sanz im Vereinsmagazin zu einer Rechtfertigung gezwungen sah: „Das, was man Magath anheftet – er würde das Geld von VW rausschmeißen – kann man einfach so nicht stehen lassen.“ Indes hat Magath allein in zwei Transferperioden schon wieder eine negative Transferbilanz von fast genau 40 Millionen Euro angehäuft – trotzdem rechnet er selbst anders. Im Sommer habe er Profis getauscht wie Kinder ihre Panini-Sammelbilder: „Russ kam für Kjaer, Ochs für Riether, Kyrgiakos für Friedrich“. Im Winter habe er „Spieler mit Perspektive verpflichtet“, alle aus dem Ausland, denn: „Jüngere deutsche Spieler können wir uns nicht leisten.“ Wie gut, dass es da noch Sebastian Polter gibt.

 
 

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