DFB geht auf Distanz zu Franz Beckenbauer

Franz Beckenbauer
Franz Beckenbauer
Foto: firo
Die Millionenzahlung für ein angebliches Ehrenamt entzweit den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und die Lichtgestalt Franz Beckenbauer.

Essen.. Zunächst etwas zum Schmunzeln in dieser Geschichte, die aufgrund ihrer opulenten Sumpfigkeit eigentlich nur noch mit Humor zu ertragen ist. Kurz vor der WM 2006 gab Franz Beckenbauer ein Interview. Es ging um Fußball, und wie er von geldgierigen Leuten kaputt gemacht wird. Beckenbauer sagte: „Wenn man merkt, dass jeder die Hand aufhält, dann macht mich das traurig.“ Und, noch schöner: „Der Fußball braucht eine generelle Reinigung. Diese Erkenntnis habe ich in den letzten Wochen und Monaten gewonnen.“ Der Kaiser sollte neun Jahre später vom Thron fallen.

DFB-Präsident Grindel zeigt sich entsetzt

Seit Oktober 2015 weiß man, wie Beckenbauer, der damalige Chef des WM-Organisationskomitees, zu den Erkenntnissen kam. Er hat vermutlich umfangreich mitgemacht – bei der Verunreinigung des Sports und beim Handaufhalten. Der „Spiegel“ deckte die Affäre um das Sommermärchen auf. Das hat den Deutschen Fußball-Bund (DFB) ins Wanken und Beckenbauer eine Ermittlung der Schweizer Bundesanwaltschaft wegen Geldwäsche und „Verdachts des Betrugs“ gebracht. Nun erfährt des Kaisers ehemaliges Fußballvolk, dass es ein zweites Sommermärchen gegeben hat: Beckenbauer hat laut „Spiegel“ ein Honorar von 5,5 Millionen Euro aus dem Vertrag des DFB mit dem WM-Sponsor Oddset (Umfang zwölf Millionen Euro) erhalten, obwohl er 2000 bei seiner Vorstellung als OK-Chef noch sagte: „Ich mache das natürlich ehrenamtlich.“ Zudem inszenierte er sich mit Blick auf die sechs nationalen WM-Sponsoren auch als „so etwas wie der siebte Förderer“.

Entsetzt zeigte sich daraufhin DFB-Präsident Reinhard Grindel am Mittwoch beim Uefa-Kongress in Athen. Dem DFB sei bekannt gewesen, dass Beckenbauer im Umfeld der WM 2006 als Werbeträger für Oddset tätig war. Aber: „Es war uns bis Montagnachmittag nicht bekannt, dass er dafür die beachtliche Summe von 5,5 Millionen Euro aus dem Topf für die Organisation der WM 2006 erhalten hat“, sagte Grindel. „Man kann vor diesem Hintergrund sicher nicht davon sprechen, dass seine Tätigkeit im OK ehrenamtlich war“, so der 54-Jährige. Der Vorgang sei ein weiterer Beleg dafür, dass im WM-OK „keine Transparenz geherrscht hat, und die Öffentlichkeit in Teilen auch getäuscht worden ist“.

Der neue DFB-Präsident attackiert den „Kaiser“.

Beckenbauer erholt sich derzeit von einer Herz-Operation. Seine Anwälte reagierten am Mittwoch: Grindels Behauptung, „Beckenbauer habe die Öffentlichkeit getäuscht, trifft nicht zu“, hieß es in einer Erklärung. Die Argumentation der Anwälte lautet so: Der WM-Chef Beckenbauer habe zwar unentgeltlich gewirkt, die auch in dieser Funktion vom WM-Sponsor verpflichtete PR-Ikone Beckenbauer hingegen hätte legitimerweise Einnahmen aus werblichen Aktivitäten erzielt. Warum diese allerdings nicht auch öffentlich deklariert wurden, wird nicht erklärt.

Doch nicht nur Beckenbauer, dessen Trugbild vom Heilsbringer des deutschen Fußballs immer mehr zerfällt, kommt durch diese neuerliche Posse in Bedrängnis, sondern auch der DFB. Der Verband hatte die fünfteilige Zahlung an den heute 71-Jährigen zwischen 2005 und 2006 damals nicht versteuert – erst vier Jahre später nach einer Prüfung des Finanzamtes zahlte der DFB 1 160 500 Euro an Abzugssteuer. 2011 hat Beckenbauer das Geld erstattet. Beckenbauers Anwälte behaupten zudem: „Dem DFB ist der gesamte Komplex von Beginn an bekannt (...).“ Erstaunlich ist auch, dass der DFB laut „Spiegel“ behauptet, der Sachverhalt sei „im Rahmen der Freshfields-Untersuchung erneut überprüft (...) und als nicht zu beanstanden und ordnungsgemäß abgewickelt beurteilt“ worden.

Oddset: Vertrag mit dem DFB

Mit dem Bericht der Kanzlei Freshfields im März wollte der DFB einen Schlussstrich unter die WM-Affäre ziehen. Doch der saubere Neustart, den der Verband proklamiert hat, ist mit dieser neuerlichen Zwielichtigkeit vorerst beschädigt. Laut einer Stellungnahme der für Oddset verantwortlichen Lotto-Gesellschaft Bayern habe es im Zusammenhang mit der Weltmeisterschaft 2006 keine vertraglichen Beziehungen von Oddset zu Beckenbauer gegeben. „Dementsprechend gab es auch keine Honorarvereinbarungen und keine Honorarzahlung. Vertragspartner von Herrn Beckenbauer war der DFB“, hieß es.

Die Geschichte geht weiter.

 
 

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