DFB-Elf gewinnt den Klassiker in Frankreich mit 2:1

Frank Lamers
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gewann das Testspiel in Paris mit 2:1. Thomas Müller und Sami Khedira trafen zum ersten Auswärtssieg beim Rivalen seit 1935. "Wir haben ein ganz gutes Spiel gemacht", sagte Torschütze Müller.

Paris. Kurz vor dem EU-Gipfel in Brüssel haben sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande noch den Besuch eines Gipfels geleistet, von dem sie sich weniger Stress und mehr Unterhaltung versprachen. Beide wurden nicht enttäuscht. Merkel durfte sich etwas intensiver freuen. Mit einem 2:1 (1:0)-Sieg für die deutsche Nationalmannschaft endete die Testpartie gegen die französische Auswahl im Pariser Stade de France. Und Thomas Müller sagte zufrieden: "Wir haben ein ganz gutes Spiel gemacht."

Lang war die Liste der Maladen, die auf den Ausflug nach Paris verzichten mussten. Deshalb war Lukas Podolski wieder auf der linken Offensivflanke zu finden. Bayern-Ersatzmann Mario Gomez spielte im Auge des Sturmes. Benedikt Höwedes trat auf der rechten Defensivseite an. Das deutsche Ensemble wurde bunt durcheinander gewürfelt für das prestigeträchtige Duell. Sogar Ilkay Gündogan, der beim erinnerungswürdigen Bundesligaduell seiner Dortmunder mit Bayer Leverkusen noch auf dem Feld behandelt werden musste, erhielt vom Bundestrainer nicht nur einen Bankplatz zugewiesen. Der Borusse durfte trotz am Sonntag noch diagnostizierter Außenbanddehnung im Sprunggelenk in die Rolle des abwesenden Bastian Schweinsteiger schlüpfen.

Malheur von Sami Khedira

Und an seiner Seite spielte Sami Khedira, der etablierte Madrilene, dem in der 45. Minute das folgenträchtigste Malheur der ersten Runde passierte. Foul an Blaise Matuidi. Den Ball legt sich Karim Benzema zurecht, Khediras Kollege in Madrid. Und Benzemas Geschoss ist scharf, prallt von der Querlatte über dem fliegenden Rene Adler ab und landet bei Mathieu Valbuena. 1:0 für Frankreich. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Begegnung auch schon lange Fahrt aufgenommen. Eine Viertelstunde zu Beginn schien es so, als handle es sich beim Fußballgipfel um einen Versuch, die deutsch-französischen Beziehungen noch ein wenig besser zu gestalten, als sie ohnehin schon sind. Beide Teams präsentierten sich fehlerhaft, eingestreut wurde lediglich eine Chance von Mesut Özil in Minute sechs. Er scheiterte am französischen Torhüter Hugo Lloris.

Die erste Großchance blieb einem deutschen Defensiven vorbehalten. In Minute 21 stieg Per Mertesacker hoch zum Kopfball. Querlatte. Fünf Minuten später schloss Benzema einen von Frankreichs Regenten Franck Ribery eingefädelten Angriff ab. Drüber. Anders Sekunden darauf. Adler musste mächtig eingreifen, als die deutsche Abwehrkette ausgehebelt war und Benzema allein vor ihm auftauchte. Gehalten. Tadellos von der ehemaligen Nummer eins, die Anfang 2010 das letzte Mal das deutsche Tor hütete und in Paris in Stellvertretung von Stammkraft Manuel Neuer erstmals wieder die Nationalhymne auf dem Rasen hörte.

Zauberhafter Pass von Mesut Özil vor dem 2:1

Gomez dagegen war ähnlich präsent wie zuletzt bei seinem Arbeitgeber. Der Bundestrainer zog in Minute 56 die Konsequenzen aus der Unauffälligkeit seines Stürmers und brachte Toni Kroos. Fünf Minuten zuvor hatte Thomas Müller aber bereits wie im Bayern-Dress zugeschlagen. Über den stürzenden Verteidiger Mamadou Sakho hinweg bugsierte er den Ball kühl bis ans Herz ins Netz der Franzosen. 1:1. Die Elf von Trainer Didier Deschamps reagierte mit Druck. Benzema, Valbuena, Ribery hatten Chancen. Auf den Druck reagierte Özil allerdings in der 74. Minute mit Kunst. Einen zauberhaften Pass spielte der Real-Star auf den Real-Star Khedira. Und der schoss seine Mannschaft zur 2:1-Führung und bereinigte damit auch die Statistik. Zuletzt gewann eine deutsche Nationalmannschaft 1935 auf französischem Rasen.