Deutschland nur 1:1 in Italien bei Löw-Jubiläum

Daniel Berg
Beim 100. Länderspiel von Bundestrainer Joachim Löw hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ein 1:1 (1:1) in Italien errungen. Trotz des Achtungserfolgs im ersten Spiel im neuen weißen WM-Outfit wartet die DFB-Elf nun seit 18 Jahren und bereits sieben Partien auf einen Sieg gegen die Squadra Azzurra. Mats Hummels hatte die Löw-Elf in Mailand durch einen Kopfballtreffer in Führung gebracht (8.), Ignazio Abate glich aber aus (28.).

Mailand. Steil und beeindruckend erheben sich die Tribünen in diesem beeindruckenden Mailänder Beton-Klotz namens Giuseppe-Meazza-Stadion. So steil, dass man weit oben dem Himmel schon sehr nah zu sein scheint. Ein Gefühlszustand, den die deutsche Nationalmannschaft beim 1:1 in Italien aus fußballerischer Sicht lange Zeit nicht nachzuempfinden vermochte. Es war ein hart umkämpfter WM-Test, der deutsche Linksverteidiger Marcell Jansen lag richtig, als er urteilte: „In diesem Spiel war alles drin – Zweikämpfe, Tumulte, Pfosten, Latte.“

Sein Chef konnte mit dem Unentschieden leben. „Ich bin zufrieden, weil vieles gut geklappt hat, was wir trainiert haben“, sagte Joachim Löw nach seinem 100. Spiel als Bundestrainer. „Wir haben auch defensiv gut agiert.“

Pfostenschuss von Khedira, Lattentreffer von Schürrle

Wie schon 2012 im EM-Halbfinale überraschte Löw bei der Aufstellung. Und wie bei der EM spielte Mats Hummels eine zentrale Rolle in diesen 90 italienischen Minuten. Der Innenverteidiger von Borussia Dortmund steht spätestens seit der Vorjahres-Niederlage unter besonderer Beobachtung, wenn er das Trikot der Nationalmannschaft überstreift. Das war nach acht Minuten von Vorteil, als Toni Kroos einen Eckball in den italienischen Strafraum schlug, die eben jener Hummels entschlossen gegen die schlechten Erinnerungen anarbeitend zum 1:0 nutzte. Kopfball, Innenpfosten, Führung. Deutschland mit erstaunlicher Effizienz in der mit 30 000 Zuschauern enttäuschend gefüllten Mailänder Fußball-Oper.

Doch spielerisch gelang den Deutschen trotz kreativerer Köpfe wie dem stürmenden, aber scheinbar nicht immer allzu lustvollen Mario Götze, dem engagierten André Schürrle, dem um Spielkultur ringenden Toni Kroos und dem meist glücklosen Thomas Müller nicht allzu viel.

Aber Kraftaktionen hätten beinahe zu weiteren Erfolgen geführt: Sami Khedira setzte einen Schuss aus 25 Metern an den Pfosten (17.), Schürrle scheiterte nach einem beachtlichen Abwehrfehler an der Latte (32.).

Gute Szenen der Deutschen blieben größtenteils aus

Doch da stand es schon 1:1. Eigentlich war diese Situation an der Eckfahne schon geklärt, Hummels hatte sich den Ball erkämpft. Im Bestreben um einen durchdachten Spielaufbau ging er nur beim Pass auf den zögerlichen Kroos verloren. Einen Doppelpass später klatschte der Ball auch schon vom Innenpfosten ins deutsche Tor. Der Schütze: Ignazio Abate (28.).

Als sich der Vorhang zum zweiten und letzten Akt öffnete, tat sich Deutschland schwer gegen ausgebuffte Italiener. Andrea Pirlo dirigierte seine Kollegen mit Pässen aus dem Mittelfeld gewohnt gekonnt über das Feld, und Stürmer Mario Balotelli, deutscher Schrecken beim EM-Halbfinale, bescherte der Deckung einen arbeitsreichen Abend. Chancen entstanden: Claudio Marchisio kam nach einem Freistoß frei zum Schuss, aber Torwart Manuel Neuer hielt mit einem Reflex Schaden vom deutschen Tor ab (51.). Und nach einem wilden Gestocher vieler Beine am Fünfmeterraum wäre es beinahe Riccardo Monolivo gewesen, der die Gastgeber in Führung gebracht hätte (57.).

Gute deutsche Szenen? Blieben größtenteils aus. Ganz am Schluss aber, es lief bereits die Nachspielzeit, hätte Deutschland doch noch das Spiel für sich entscheiden können: Doch ein energischer Linksschuss des aufgerückten Schalker Rechtsverteidigers Bendikt Höwedes klatschte an den Pfosten. „Dreimal Aluminium – wir hätten hier heute gewinnen können, wir hatten die besseren Möglichkeiten“, bilanzierte Kapitän Philipp Lahm.

Doch es änderte sich auch an diesem Abend nichts an der Tatsache, dass Deutschland Italien offenbar nicht schlagen kann. Letzter Sieg: 1995.