Der gläserne Profi in der Fußball-Bundesliga

Den Kameras in den Stadien entgeht bei den Bundesliga-Spielen kaum etwas. Foto: imago
Den Kameras in den Stadien entgeht bei den Bundesliga-Spielen kaum etwas. Foto: imago
Seit Beginn dieser Saison gibt es nichts mehr, was auf dem Feld nicht statistisch erfasst wird. Neu ist, dass alle Akteure von stationären Kameras verfolgt werden, die in allen Stadien auf Höhe der Mittellinie unterm Stadiondach angebracht sind.

Essen.. Die Wahrheit liegt im Fußball immer noch auf dem Platz. Dort entgeht den vielen Fernsehkameras bei einem Bundesligaspiel kaum etwas – keine Finte, kein Foul; kein Handstreich, kein Handspiel, das sich später nicht in der Superzeitlupe sezieren lässt. Neu ist allerdings seit dieser Saison, dass alle Akteure der 1. und 2. Liga auch von zwei stationären Kameras verfolgt werden, die in allen Stadien auf Höhe der Mittellinie wettergeschützt unterm Stadiondach angebracht sind.

Zudem rollt zu jeder Partie ein vollgeladener Kombi an, in dem sich ein aus drei Rechnern bestehendes Analysesystem befindet, das vier Stunden vor Anpfiff installiert und kalibriert wird. Alles für eine Überwachung, die zum einen den Vereinen, zum anderen aber auch den Berichterstattern und den Fans neue Einblicke ermöglicht. Wer läuft wohin und wie viel? Wer ist schnell, wer ist langsam unterwegs? Wer gewinnt, wer verliert die meisten Zweikämpfe?

Bei der Ausschreibung der Deutschen Fußball-Liga, die Spieldaten zu erheben, erhielt die Firma Impire AG den Zuschlag, die diese Statistiken und Grafiken wiederum nun vermarkten darf. So präsentieren neuerdings einige Medien Teile der Statistiken und Grafiken vom DFL-Datenerfasser. Dabei geht es nicht mehr nur ums so genannte Scouting, also Ballbesitz, Ballkontakte, Torschüsse und Zweikämpfe, sondern der Mehrwert rührt aus Daten wie Laufleistung, Laufwege und Laufgeschwindigkeit. Die Veröffentlichung im Internet in detaillierter Einzelauswertung oder 3D-aninimiertem Bewegungsprofil lässt die Protagonisten für alle zu gläsernen Darstellern werden. Die Vereine bekommen die Datenpakete kostenlos.

Einzelauswertungen für BVB-Profis

Impire mit seinen 60 Vollzeit- und 180 Teilzeitmitarbeitern baut jetzt die größte Datenbank der Bundesliga auf. „Mit Hilfe der Software lassen sich etwa nur die relevanten Flankenläufer herausfiltern“, sagt Impire-Mann Tim Schober, „mehr als die Hälfte der Profiklubs arbeitet mit uns zusammen.“ So fordert der FC Bayern regelmäßig detaillierte Profile über die kommenden Gegner an, bei Borussia Dortmund werden die Profis seit längerem mit Einzelauswertungen konfrontiert. Jürgen Klopp, der Trainer des Jahres, lässt sich wie viele Kollegen die Zahlenkolonnen mundgerecht aufbereiten.

An seinem Team lassen sich die subjektiven Eindrücke besonders anschaulich mit objektiven Fakten unterfüttern. Sven Bender lief im Eröffnungsspiel 12,87 Kilometer, Lukasz Piszczek schaffte eine Höchstgeschwindigkeit von 32,69 Kilometern pro Stunde, bei Mario Götze kamen nicht nur neun von zehn Pässen an, sondern er war auch noch überall zu finden, wie die bunte Grafik seiner Laufwege verriet. Unter dem Strich hatte Dortmunds Team 124,7 Kilometer, der Hamburger SV nur 113,7 Kilometer zurückgelegt.

Mit der neuen Methodik geraten nicht nur Spieler durchsichtiger, sondern auch Entscheidungen der Trainer. Marco Kurz vom 1. FC Kaiserslautern lag etwa richtig damit, seinen Offensivmann Richard Sukuta-Pasu bei Werder Bremen (0:2) bereits zur Pause auszuwechseln: Der hatte bis dahin nur zwölf Ballkontakte und gewann zwei von 21 Zweikämpfen. Dummerweise macht es der eingewechselte Itay Shechter kaum besser, der Israeli entschied ganze zwei seiner 14 Duelle für sich. So aussagekräftig sind nicht alle Werte: Schalkes Christian Fuchs gewann beeindruckende 83,3 Prozent seiner Zweikämpfe. Aber der Außenverteidiger zog vor zwei Gegentoren den Kürzeren.

 
 

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