Der Boss von Paris Saint-Germain, vor dem alle zittern

Ein großer Tag für Nasser Al-Khelaifi: Im Sommer präsentierte er den brasilianischen Star Neymar als Neuzugang – PSG überwies die Rekord-Ablöse von 222 Millionen Euro nach Barcelona.
Ein großer Tag für Nasser Al-Khelaifi: Im Sommer präsentierte er den brasilianischen Star Neymar als Neuzugang – PSG überwies die Rekord-Ablöse von 222 Millionen Euro nach Barcelona.
Foto: Reuters

Paris. Der Killer-Blick des Nasser Al-Khelaifi, oft kurz auch NAK genannt, bedeutet nie etwas Gutes. Diese bittere Erfahrung machte mal Borussia Dortmunds Innenverteidiger Dan-Axel Zagadou.

Der junge Franzose spielte in der vergangenen Saison in der Reserve-Mannschaft von Paris Saint Germain. Als es um seinen ersten Profi-Vertrag ging, entschied er sich gegen den Hauptstadt-Klub, weil er wusste, dass er im Star-Ensemble um Neymar, Cavani und Mbappé kaum Einsatz-Chancen bekommen würde.

Seine Entscheidung, zum BVB zu wechseln, brachte den PSG-Boss auf die Palme. „Danach sorgte NAK dafür, dass Zagadou in der zweiten Mannschaft nicht mehr zum Einsatz kam und mit den Profis nicht mehr mittrainieren durfte“, verrät Damien Degorre, PSG-Spezialist bei der Sport-Zeitung „L´équipe“.

Mitarbeiter fühlen sich überfordert

Der Führungsstil des 44-Jährigen sorgt für viel Unruhe. Beim Champions-League-Gegner des FC Bayern München sind zahlreiche Mitarbeiter überfordert – sie fühlen sich respektlos behandelt.

Die Konsequenz: viele Burnouts und Depressionen. Bei der Weihnachtsfeier im vergangenen Jahr im Luxus-Hotel „Royal Monceau“ auf der Champs-Elysees wurden drei Tische organisiert. Am Präsidenten-Tisch gab es Trüffel-Nudeln. Auch die anderen Gäste bekamen Pasta – aber nur mit: Tomaten-Sauce. „Die Katari vertrauen so gut wie niemanden, und sie handeln mit wenig Herz“, erzählt Spielerberater Bruno Satin, der mit Al-Khelaifi mehrmals bei Transfers zu tun hatte.

Mit den Medien verhält sich Al-Khelaifi genauso gnadenlos. Als die Fach-Zeitschrift „France Football“ vor drei Jahren den Skandal um die Korruption bei der WM-Vergabe für 2022 nach Katar veröffentlichte, bekamen die Redakteure Hausverbot auf dem Trainingsgelände.

Bei seinen raren Interviews passiert es immer wieder, dass Al-Khelaifi nach zwei, drei Fragen plötzlich aufsteht und mit böser Miene geht, ohne sich zu verabschieden, weil ihm die Fragen nicht passen.

Seit 2011 Chef von PSG

„Auf den ersten Blick meint man, er sei wohlwollend und gut erzogen, aber im Endeffekt ist Nasser ein Tyrann“, meint Thierry Morano-Foures, ein ehemaliger Vertriebspartner von Al-Khelaifi.

Nur der Lokalzeitung „Le Parisien“ steht er zur Verfügung, aber nur per E-Mail. Auf diese Weise erfuhr man etwa von der Entlassung von Laurent Blanc im Juni 2016, nur vier Monate nachdem der französische Trainer seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert hatte. Blanc bekam eine 22-Millionen-Abfindung. Im Kosmos von NAK nicht mehr als ein Trinkgeld.

Seit 2011 ist Nasser Al-Khelaifi Chef von Paris-St. Germain. Es ist aber nicht seine einzige Beschäftigung: Er ist auch Präsident der Tennis-, Squash- und Badminton-Verbände in Katar, Staatsminister von Katar, Vorstandsvorsitzender von QSI (QatarSportsInvestment) und der BeInSport Media Group sowie Vorstandsmitglied beim französischen Liga-Verband und bei der ECA (European Club Association).

14 Trophäen – aber nur in Frankreich

Auch wenn er maximal drei Tage pro Woche in Paris ist, will er immer alles kontrollieren. „Nasser ist diskret und unnahbar“, sagt Spielerberater Bruno Satin. „Er schenkt fast niemandem sein Vertrauen und will immer alles entscheiden, obwohl er selten den Überblick hat. Delegieren kommt für ihn nicht infrage.“

Unter seiner Leitung hat Paris 14 nationale Trophäen sammeln können. Aber in der Champions League reichte es bisher kein einziges Mal fürs Halbfinale. Die 1:6-Schmach im Achtelfinal-Rückspiel beim FC Barcelona am 8. März war der absolute Tiefpunkt. Wenige Sekunden nach dem Abpfiff blickte der Boss wieder böse zu seinem Sportdirektor Patrick Kluivert und meinte: „Seit dem ersten Tag bringst du uns keinen Zentimeter weiter.“ Daraufhin wurde der Niederländer entlassen.

Doch was ist eigentlich das langfristige Ziel von Al-Khelaifi? Sein früherer Partner Morano-Foures meint: „Mit der WM 2022 im eigenen Land als Höhepunkt will er aus Katar bis dahin eine Welt-Marke machen.“ So erklärt sich auch sein freundschaftliches Verhältnis zum Ex-Staatspräsidenten Frankreichs, Nicolas Sarkozy.

Beide sitzen bei jedem Heimspiel nebenein­ander. NAK sorgt auch immer dafür, dass illustre Gäste in den Prinzenpark zu Besuch kommen. Zuletzt wurden Beyoncé, Leonardo Di Caprio, Lenny Kravitz und Naomi Campbell mit einem Glas Champagner auf der Ehrentribüne gesichtet.

Jetzt geht es um den großen Traum

Mit dem Gewinn der Champions League würde der Traum Geschäftsmannes in Erfüllung gehen.

Sein Lieblingssatz: „Paris ist die schönste Stadt der Welt – und PSG bald der beste Klub der Welt.“

 

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