Das Motivations-Kraftwerk beim FC Bayern

Essen. Sportpsychologe Ulrich Kuhl erklärt, warum die Brust der Bayern so breit ist, wenn sie am Samstag in Leverkusen auflaufen.

Erst haben sie den FC Schalke 04 im Pokal und in der Meisterschaft besiegt, dann haben sie Manchester United in der Champions League in die Schranken gewiesen und sind erstmals seit neun Jahren in das Halbfinale der Champions League eingezogen.

Aber die Spieler des FC Bayern München haben keine Zeit, sich auf diesen Erfolgen auszuruhen, denn am Samstag (18.30 Uhr) tritt der Tabellenführer der Bundesliga beim Dritten Bayer Leverkusen an. Trotz der großen Belastungen macht sich Bayern-Trainer Louis van Gaal keine Sorgen um die Physis seiner Spieler. „Körperlich bringen die Jungs das. Das Problem ist immer der Geist“, sagte der Niederländer. So sieht es auch der Diplom-Psychologe Dr. Ulrich Kuhl. „Aber die Bayern scheinen mental sehr stabil zu sein. Sie haben ein Motivations-Kraftwerk gepaart mit sehr großer fußballerischer Kompetenz“, erklärt Kuhl.

Selbstwirksamkeitsüberzeugung

Die Bayern werden, wie es im Fußballjargon heißt, mit breiter Brust in der Leverkusener Arena auflaufen. Kuhl meint das Gleiche, wenn er sagt: „Was die Münchner haben, nennen wir in der Psychologie Selbstwirksamkeitsüberzeugung. Das bedeutet, was wir uns vornehmen, das schaffen wir auch. So ist es beim FC Bayern, obwohl fast vergessen wird, dass nicht München, sondern Manchester das Rückspiel gewonnen hat. Letztlich zählt das Weiterkommen und das ist ein großer Erfolg für den Klub. Die Bayern haben jetzt ein gewaltiges Selbstvertrauen. Es ist diese Mir-san-mir-Mentalität, die München so stark macht.“

Dass die Leverkusener ebenfalls hochmotiviert in das Bundesliga-Spitzenspiel am Samstag gehen werden, daran hat auch Kuhl keine Zweifel. Der entscheidende Punkt wird sein, ob das Team von Trainer Jupp Heynckes auch wirklich an sich glaubt. „Heynckes wird versuchen, seine Spieler richtig heiß zu machen“, glaubt Kuhl, „er wird ihnen vor Augen führen, was sie vollbringen können, wenn sie den großen Favoriten schlagen, wenn sie die Bayern vom Thron stoßen.“

Die Erinnerung an siegreiche Spiele, an exzellente Pässe, schöne Tore und eine kluge Strategie ist ein gängiges Mittel der Psychologen, um eine Mannschaft auf ein Spiel vorzubereiten. Und dass die Leverkusener einen richtig guten Fußball spielen können, haben sie in dieser Saison schon häufig gezeigt. Zuletzt mussten sie aber herbe Rückschläge hinnehmen. „Es wäre vielleicht besser gewesen, wenn Bayer schon früher die erste Niederlage kassiert hätte, um dann wieder richtig zuzupacken“, glaubt Kuhl.

Das Phänomen des wichtigen frühen Tores könnte beim Duell Bayer gegen Bayern eine große Rolle spielen. „Leverkusen ist in der Außenseiterposition“, sagt Kuhl, „und wenn sich ein Außenseiter früh ein oder zwei Gegentreffer einfängt, dann bricht schnell etwas zusammen.“ Diese Gefahr ist beim FC Bayern weitaus geringer. Weder das 0:1 im Hinspiel noch das 0:3 im Rückspiel gegen Manchester hat München das Genick gebrochen.

„Wenn Bayern 0:2 in Leverkusen zurückliegen sollte, werden die Spieler nicht verzweifeln. Sie werden sich sagen, eine solche Situation haben wir schon oft gedreht“, erzählt Kuhl.

Der Psychologe hält Bayern München für den wahrscheinlichen Deutschen Meister. „Aber ich würde dem FC Schalke 04 den Titel gönnen. Die Mannschaft hat unter Felix Magath in dieser Saison ganz Tolles erreicht“, erklärt er. Kuhl hat großen Respekt, wie Magath Kevin Kuranyi wieder stark gemacht hat: „Magath hat erkannt, dass Kuranyi kein Führungsspieler ist. Das muss Kuranyi auch gar nicht sein, weil er ein absoluter Spezialist ist. Seitdem macht er seine Tore. Das Gegenbeispiel ist in Köln Lukas Podolski. Der ist auch ein Spezialist, wird aber vom Verein und Umfeld in eine Führungsrolle gedrängt, die er gar nicht erfüllen kann.“

 
 

EURE FAVORITEN