Zwölf Punkte Abstand zur Spitze ärgern den BVB

Frank Lamers
Trainer Jürgen Klopp mit Erik Durm (l.) und Julian Schieber.
Trainer Jürgen Klopp mit Erik Durm (l.) und Julian Schieber.
Foto: imago sportfotodienst
Der BVB spielt Remis und hat nun zwölf Punkte Abstand zu Bayern. Das macht ärgerlich. Vorm allem Trainer Jürgen Klopp, der in Hoffenheim fußballerisch gute Momente sah, sich aber wieder über Journalisten ärgerte.

Dortmund. Training gab es nicht. Aber der Sonntag ist dennoch nicht verstrichen wie ein handelsüblicher dritter Advent in Deutschland, an dem nur der Fernseher Wärme und Buntes bietet. Es herrschte nämlich wieder Hochbetrieb in der Schwarzgelb-Klinik. Die Kümmerer aus der medizinischen Abteilung kümmerten sich um all die Maladen und Blessierten. Irgendwann einmal, so der Plan dahinter, soll da, wo Borussia Dortmund draufsteht, auch wieder Borussia Dortmund drin sein. Das Borussia Dortmund, das jüngst bis in das Champions-League-Finale vorstieß und ein äußerst ansehnliches Sümmchen Respekt erwarb.

Nach Einschätzung von Jürgen Klopp sogar ein zu großes Sümmchen. In Hoffenheim, nach einem 2:2, bei dem der Gastgeber mit 2:0 in Führung gelegen hatte, entspann sich deshalb ein absurder Wort-Austausch zwischen dem Trainer des BVB und TSG-Coach Markus Gisdol, der nicht recht verstand, warum die Luft Feuer fing. Erklärt hatte er, dass die Borussia das „fußballerische Vorbild“ für den Milliardärs-Klub sei. Und „stolz“, sagte er, habe ihn gemacht, dass seine Spieler so beeindruckend mitgehalten hätten, obwohl es „gegen einen Champions-League-Finalisten“ ging und man selbst „in der vergangenen Saison mit einem Bein in der zweiten Liga stand“.

Erregungspotenzial schien darin nicht verborgen, eher Ehrfurcht. Gisdol hatte allerdings nicht all die apokalyptischen Bilder im Kopf, die bei Klopp die Gefühle verschatteten. Gisdol sah eine starke Runde eins seiner Hoffenheimer, mit frühem und aggressivem Attackieren und Treffern von Sven Schipplock (17. Minute) und Kevin Volland (37.). Er sah einen dummen Fehler seines Torhüters Jens Grahl, der Pierre-Emerick Aubameyang das erste Gegentor in Minute 44 ermöglichte. Und er sah das zweite Tor durch Lukasz Piszczek in Minute 67, hochverdient zu diesem Zeitpunkt für die Dortmunder und einfach zu akzeptieren.

Was sah Klopp? Ein Remis, das seine Mannschaft mit „großartiger Moral“ (Aubameyang) erwirtschaftet hatte, das wegen eines akuten Mangels an Präzision bei der Verarbeitung feinster Chancen aber „in der Kabine wie eine Niederlage“ (Klopp) empfunden wurde. Außerdem: Dass Bayern zwölf Punkte enteilt ist. Ein dreckiges Dutzend, weil kein weltentrückter Tagträumer sich vorstellen kann, dass ein Ensemble, das zuletzt in der Liga im Oktober 2012 verloren hat (1:2 gegen Leverkusen), in 18 Rest-Begegnungen vier Mal geschlagen vom Rasen schleichen könnte.

Der Reus-Schubser

Dass Leverkusen aktuell voraus, dass Mönchengladbach auf Augenhöhe ist und der zuletzt souveräne VfL Wolfsburg nur knapp hinterher hängt, das sticht jedoch noch tiefer. Der Titel sei nicht mehr „im Zielfenster“, hat Kapitän Sebastian Kehl erklärt. Die Plätze zwei und drei, die den erneuten Zugang zur Königsklasse gewähren, müssen dagegen unbedingt im Zielfenster bleiben. Wer unter diesem Druck Profisport betreibt, gleichzeitig eine Klinik zu führen hat und ohnehin mit Remis ungefähr so gut umgehen kann wie mit Niederlage, der erkennt dann eben Abgründe in Ehrfurcht. Der antwortet Gisdol: „Ich weiß gar nicht, ob zwei oder drei Jungs aus dem Champions-League-Finale auf dem Feld waren.“ (Es waren: Piszczek, Robert Lewandowski, Marco Reus, Jakub Blaszczykowski.) Der hadert damit, dass für Gegner ein Spiel gegen den BVB wie ein Spiel gegen Bayern „immer das Spiel des Jahres“ sei. Mit dem Unterschied: „Die Dortmunder, die findet man geil, aber man kann sie trotzdem schlagen. Deshalb sind die Bayern kein Vorbild, sondern Tabellenführer. Ist auch cooler.“

Und so weiter. Dass ein Journalist nach einem Schubser von Reus (aus vollem Lauf, Blick nach hinten gerichtet) gegen Schiedsrichter-Gehilfe Mark Bosch fragte, markierte den Höhepunkt (wahlweise: Tiefpunkt). Klopp urteilte: „So viel Fußball war drin, und da macht ihr so eine Geschichte.“ Und richtig daran war, dass seine Mannschaft mit den Sarrs, Friedrichs, Durms richtig viel Fußball auf den Platz gebracht hatte. Ansonsten: Zum Wiederaufbau oder zum Erhalt der physischen und psychischen Gesundheit wäre es gut für die Borussen, wenn Weihnachten vorverlegt würde. Weil das selten geschieht, muss aber wohl am Samstag noch gegen die Hertha gespielt werden.