Wollten die "BVB Freunde Deutschland" nur Aufmerksamkeit?

Die Südtribüne: das Herz des Dortmunder Stadions.
Die Südtribüne: das Herz des Dortmunder Stadions.
Foto: firo
Der Fanclub "BVB Freunde Deutschland" hat sich aus dem Kampf gegen Rechts zurückgezogen. Was steckt dahinter? Wir haben mit Malte Schwietering von schwatzgelb.de gesprochen.

Essen. Der Fanclub "BVB Freunde Deutschland" hat sich aus dem Kampf gegen Rechts zurückgezogen. Diese Meldung sorgte für große mediale Aufmerksamkeit, auch wir berichteten darüber. Die Begründung des Fanclubs: "Wir sind plötzlich alleine mit unserem Kampf, das schaffen wir nicht mehr." In der schwarz-gelben Fanszene wurde auch unsere Berichterstattung kritisiert. Viele BVB-Fans werfen dem Fanclub, nur Aufmerksamkeit erhaschen zu wollen. Wir haben mit Malte Schwietering vom Fanzine schwatzgelb.de gesprochen.

Die „BVB Freunde Deutschland“ haben sich aus dem Kampf gegen Rechts zurückgezogen. Wie schätzen Sie das ein?

Malte Schwietering: Auf die Antirassismus-Arbeit des BVB oder seiner Fans dürfte das keinen Einfluss haben. In den vergangenen Jahren haben sich in der Fanszene einige Fanclubs und Initiativen hervorgetan, die sich auf unterschiedlichen Wegen aktiv gegen Diskriminierung und rechte Strukturen einsetzen – die „BVB Freunde Deutschland“ sind bisher nicht mit konkreten Aktionen in Erscheinung treten. Ihr angekündigter Rückzug macht also keinen Unterschied.

Allerdings hat auch der BVB auf den Rückzug reagiert und sich mit dem Fanclub in Verbindung gesetzt. Die Öffentlichkeit hat natürlich über den Rückzug diskutiert.

Malte Schwietering: Es ist der Eindruck entstanden, die „BVB Freunde Deutschland“ wären repräsentativ für die Dortmunder Fanszene und der Kampf gegen Rechts aussichtslos. Das ist falsch und wird weder der vielschichten Problematik in Dortmund noch denjenigen, die sich nach wie vor engagieren, gerecht. Vielmehr noch: Sie zwingen mit ihrem Statement andere, engagierte Fans, sich in der Öffentlichkeit für ihre vermeintlich mangelnde Unterstützung zu rechtfertigen. Zielführender wäre gewesen, vor einer öffentlichen Stellungnahme erstmal Kontakt zu anderen Fangruppen zu suchen.

Wer sind die „BVB Freunde Deutschland“?

Malte Schwietering: Das ist eine gute Frage. Trotz der – nach eigenen Angaben – rund 1.400 Mitglieder ist der Fanclub in der Fanszene gänzlich unbekannt. Weder die 16.000 Mitglieder starke Fanabteilung im BVB e. V. noch das aus den drei Ultra-Gruppen und zahlreichen aktiven Fanclubs bestehende Bündnis Südtribüne Dortmund haben die „BVB Freunde Deutschland“ bisher außerhalb des Internets wahrgenommen. Sie sind im Stadion nicht präsent. Auch im Fanrat des BVB, der gewählten Vertretung aller Fanclubs gegenüber dem Verein, sind sie nicht vertreten. All das ist für einen derart großen Fanclub, der zudem seit zwölf Jahren existiert, sehr ungewöhnlich. Vielmehr handelt es sich bei den BVB Freunden Deutschland um einen losen Zusammenschluss von Internetnutzern. Und das ist auch überhaupt nicht verwerflich.

Wie steht es um den Kampf gegen Rechts beim BVB und in der Fan-Szene?

Malte Schwietering: Beim BVB hat sich in den letzten dreieinhalb Jahren viel getan. Hat man Probleme mit Rechten im eigenen Umfeld aus Angst vor Imageschäden anfangs noch beiseitegeschoben, geht der Verein nun offen damit um. Er leistet gute Arbeit und flankiert öffentlichkeitswirksame Aktionen mit wichtigen konkreten Maßnahmen: Von Gedenkstättenfahrten über Ordnerschulungen bis hin zu Stadionverboten. Man merkt, dass sich mittlerweile auch die Geschäftsführung dem Problem angenommen hat. So beruhigte sich die Situation zwischenzeitlich.

Werden BVB-Fans noch bedroht?

Malte Schwietering: Das Auftreten einer neuen, rechtsoffenen Hooligan-Gruppe stellt den BVB, seine Fans und die Polizei vor eine neue Herausforderung. Anders als zuvor, hat man es nun mit Leuten zu tun, die ihre Wurzeln in der Fanszene haben und daher viel präsenter sind. In kurzer Zeit haben sie sich den Ruf einer aggressiven, unberechenbaren Gruppe erarbeitet. Auch uns haben in letzter Zeit einige glaubhafte Berichte erreicht, nach denen Einzelpersonen persönlich bedroht oder gewalttätig angegriffen worden sind. Deshalb darf die relativierende Einordnung der „BVB Freunde Deutschland“, die zweifelsohne wichtig war, nicht zu einer grundsätzlichen Relativierung des Bedrohungsszenarios führen, dem sich einige aktive Fans ausgesetzt sehen. Denn das gibt es ohne Frage.

Kann der BVB den Kampf gegen Rechts gewinnen?

Malte Schwietering: Spätestens die flächendeckende Ablehnung im Nachgang der antisemitischen Schmähgesänge während der Anreise zum Pokalfinale im Mai hat gezeigt, was die aktiven Fans von dieser neuen Gruppierung halten. Deshalb glaube ich, dass der BVB gemeinsam mit seinen Anhängern den Kampf gegen rechte Strukturen auch ein zweites Mal gewinnen kann.

Fanclub nennt keine konkreten Projekte

Auf Nachfrage konnte uns der Vorsitzende der "BVB Freunde Deutschland", Matthias Saathoff, keine konkreten Projekte des Fanclubs für den Kampf gegen Rechts nennen. Er kündigte eine detaillierte Stellungnahme an und warf dem Fanzine Schwatzgelb - das über den Vorfall bereits berichtet hat - einige Lügen vor.

 
 

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