Wie Sky versucht, aus Fußball-Fans noch mehr Geld zu pressen

Sky überträgt die Spiele der Bundesliga.
Sky überträgt die Spiele der Bundesliga.
Nicht jeder Fan eines Fußballvereins, insbesondere wenn dieser Borussia Dortmund heißt hat die Möglichkeit, sich die Spiele seiner Mannschaft live im Stadion anzusehen. Diesen Umstand macht sich Pay-TV-Anbieter Sky zunutze und lässt die Preise für sein Fernsehangebot steigen.

Dortmund.. Wer mal – ohne Dauerkarten – versucht hat für ein bestimmtes Heimspiel im „schwarz-gelben Tempel“ Karten zu bekommen, der kennt die angespannte Ticketsituation. Also bleibt einem oft nur die TV-Übertragung. Seit dieser Saison gibt es dort einen Monopolisten (nachdem die Deutsche Telekom mit ihrem Angebot bei der DFL nicht zum Tragen kam). Die Preise für Sky steigen getreu dem eigenen Namen – derzeit in den Himmel...

Angefangen hat es mit den Wirten in der Region. Die Gaststätten, Kneipen oder neudeutsch „Sport Bars“, in denen man die Fußball-Übertragungen sich anschauen kann, haben Preisanpassungen erhalten. Wenn auch seitens Sky immer wieder erklärt wurde, dass es da auch durchschnittlich eine Preissenkung von 5 % gab, steigen doch gerade im Ruhrgebiet die Preise enorm. Teilweise steigen in einigen Kneipen die Preise um über 50 %, wie auch DerWesten bereits mehrfach berichtet hatte.

Doch nicht nur bei den Gastwirten versucht Sky die höheren Preise für die Bundesliga-Lizenzen zu refinanzieren, auch bei den normalen Sky-Zuschauern zu Hause.

Komplettpaket für 60 Euro

Früher zahlte man nominell für das komplette Produkt, bestehend aus den Paketen für die Bundesliga, Sport (denn natürlich wird der Fußball aufgeteilt in die Bundesliga mit ebendieser sowie Sport mit DFB-Pokal, Europa League, der Champions League und weiteren Sportarten), Film und dem allgemeinen Welt-Paket (was man immer zwangsweise bestellen muss, egal ob man nun den Disney Channel, den Discovery Channel, den Heimatkanal oder aber RTL Crime sehen will oder nicht!) in HD weit über 60,- Euro.

Doch man musste kein Schnäppchenjäger sein, der alle Tricks kennt, um diesen Preis auf moderate knapp 35,- Euro zu drücken, denn solche Angebote gab es in der Vergangenheit von Sky immer wieder – da reichte es, mit offenen Augen die Werbebeilagen in der WAZ zu studieren oder aber in den Elektronikmärkten der Republik die offiziellen Sky-Verkaufsstände zu besuchen.

Telekom sendete komplett in HD

In dieser Saison ist alles anders – was wiederum auch an der Telekom liegt. Die Telekom hatte über ihre Entertain-Plattform die erste Bundesliga komplett in HD ausgestrahlt. Da kamen also auch die Fans von Vereinen wie Hoffenheim, Leverkusen und Wolfsburg auf ihre Kosten. Bei Sky hingegen wurden neben der Konferenz nur zwei weitere Spiele samstags gleichzeitig in HD ausgestrahlt.

Wer mal Fußballspiele in HD-Qualität gesehen hat, der will da nicht mehr zurück – und das weiß auch Sky. Zur neuen Saison wurde daher angekündigt, dass man auch bei Sky alle Spiele in HD sehen könne.

Fußball muss nicht nur um Stadion bezahlbar bleiben

Einen Vorgeschmack auf den Bundesliga-Start am Samstag brachte schon die erste Runde im DFB-Pokal. Denn wer da seinen Fernseher anmachte und nicht gerade die „Top-Partien“ des Spieltages hochauflösend sehen wollte, hatte Pech: Nur für ausgewählte Kunden werden alle Spiele in HD übertragen – wer ein günstig erworbenes Sky-Abonnement hat, der schaut in die Röhre und kann neben der Konferenz in HD noch eine Partie (mit Glück bei manchen Bestandskunden auch zwei) parallel in HD sehen. Alle weiteren HD-Kanäle für Sky Sport HD bzw. Sky Bundesliga HD stehen nicht zur Verfügung.

Diese Kanäle erhalten – so die Sky-Formulierung – als „Bonus“ nur die Vollzahler. Diese sind auch die Kunden, die demnächst nur noch das mobile Angebot SkyGo für unterwegs (auf dem Tablet oder Smartphone) nutzen können.

Zweiklassen-Gesellschaft

Auf den ersten Blick scheint Sky damit eine Zweiklassen-Gesellschaft der Kunden sogar verhindern zu wollen: Bisher ärgerten sich vor allem in den Büros der Republik die treuen Sky-Kunden, die den vollen Preis zahlten, während manche Kollegen mal rund die Hälfte monatlich einsparten.

Doch es wäre zu einfach, das nur so zu beurteilen: Wer Sky „komplett für 34,90 Euro“ verkauft, der sollte auch den Kunden wirklich Sky komplett anbieten. Noch kurz vor Bundesliga-Start verkaufen Sky-Infostände in den Einkaufszentren dieser Region einem Komplett-Pakete und werben auf den Infotafeln mit „Alle Spiele der Bundesliga“ und direkt daneben „auch in HD“. Schreiben aber nicht dazu, dass man die zusätzlichen HD-Kanäle eben nicht zu diesen Preisen bekommt. Da muss man erst nachfragen. Hätte man das auch erfahren, wenn man dort einen Vertrag abgeschlossen hätte, ohne nachzufragen?

Fußball muss bezahlbar bleiben – das gilt nicht nur für die Preise im Stadion, wo dank Initiativen wie „Kein Zwanni“ inzwischen eine Art Umdenken bei den Vereinen einkehrt. Doch auch der Fernsehkunde an den Empfangsgeräten da draußen ist keine endlose Melkkuh.

Kündigen und günstigeres Abo abschließen

Wenn man halt für rund 35,- Euro im Monat kein komplettes Sky (inklusive allen Fußball-Spielen in HD) bekommt und nicht bereit ist mal eben 30,- Euro mehr dafür auszugeben, damit man jede Woche oder alle 14 Tage (wenn man nur bei Auswärtsspielen guckt) ein zusätzliches Spiel in HD zu sehen bekommt, dann kann man ja auch kündigen oder ein günstigeres Abonnement abschließen (aktuell würde man beispielsweise Sky Bundesliga und Sky Sport für unter 30,- Euro bekommen).

Es ist schade, dass es bei den Übertragungsrechten keinen Wettbewerb mehr gab. Das Experiment mit Arena ist vor einigen Jahren leider gescheitert. Aber die Idee ein reines Bezahlpaket für den Fußball anzubieten, frei von irgendwelchen Heimatsendern, Abspielstationen für drittklassige Privatsender-Krimis, hatte ihren Charme. Wenn Arena dann noch ihre eigenen Ziele realisiert hätte (es war beispielsweise im Gespräch nur ein „Auswärts-Abonnement“ anzubieten – das wäre theoretisch für alle Dauerkarten-Besitzer eine interessante Angelegenheit), dann hätte es vielleicht auch lange auf dem Markt bestanden...

12. August 2013, www.gibmich-diekirsche.de/

 
 

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