Welche BVB-Variante bringt Klopp gegen Mönchengladbach?

Frank Lamers
Wurde gegen Eintracht Frankfurt das erste Mal ins Spiel geworfen und traf sofort: BVB-Winterzugang Milos Jojic.
Wurde gegen Eintracht Frankfurt das erste Mal ins Spiel geworfen und traf sofort: BVB-Winterzugang Milos Jojic.
Foto: picture alliance / dpa
Vor dem Spiel gegen Borussia Mönchengladbach ist der größte Gegner des BVB wieder die Arbeitsunfähigkeit: weil Subotic, Gündogan, Blaszczykowski, Bender ohnehin schon fehlen und als Ersatz auf neue Kräfte wie Jojic, junge Kräfte wie Hofmann und nicht bewährte Kräfte wie Schieber zurückgegriffen werden muss

Dortmund. Dass sich Borussia Mönchengladbach entschlossen hat, mit der Vertragsverlängerung für Trainer Lucien Favre ein Signal des Vertrauens zu senden, dürfte auch mit einer hübschen Lücke zu tun haben. Es handelt sich dabei um die Lücke zwischen Platz acht, dem aktuellen Tabellenplatz, und Platz zehn, dem Tabellenplatz, der bei der Endabrechnung den Griff zum roten Stift notwendig machen würde, weil als Ziel Einstelligkeit formuliert wurde. Sieben Punkte sind es, die Gladbach (36) vom Zehnten Hoffenheim (29) trennen. Komfortabel. Exakt so komfortabel, wie es sich die andere Borussia für die nähere Zukunft wünscht. Am Samstag steht nun der Westschlager im Dortmunder Stadion an. Behält der BVB die Punkte im eigenen Haus, ist die Komfortlückenbildung wahrscheinlich.

Natürlich wird auch diesmal auf dem Rasen keine Rechenstunde abgehalten. Für die Gladbacher Borussia geht es schließlich darum, eine bedrohliche Serie von neun Spielen ohne Sieg zu beenden. Und für die Dortmunder Borussia geht es darum, die Erinnerung an eine Hinpartie von den Festplatten in den Köpfen zu löschen, in der „über weite Zeiträume fantastischer Fußball gespielt” wurde. Von BVB-Seite. Von der Seite, für die Trainer Jürgen Klopp die Gala auch am Donnerstag noch reklamierte. Das Ergebnis allerdings lautete 2:0 für das Ensemble von Favre. Und das, meint Klopp, sei sogar „am Ende verdient” gewesen, weil seine Mannschaft all die vielen Möglichkeiten zur Herstellung eines positiven Resultates ausgeschlagen und in der Schlussphase „keine Antworten mehr” hatte.

Den Ball auch einmal im Netz unterbringen. Mehr und bessere Antworten finden. Das ist der Auftrag für Schwarzgelb in der Revanche-Begegnung, die der BVB-Trainer nach dem Frusterlebnis von Gladbach schon „zum Spiel des Jahres” ausrufen wollte. Mit ganz besonderer Bedeutung aufgeladen wird die Auseinandersetzung aber durch einen weniger fußballromantischen Blick in fremde Arenen. Dortmund hält Platz zwei mit 48 Punkten. Verfolger Leverkusen (44) muss bei Souverän Bayern antreten. Erfolgsaussicht? Überaus gering. Schalke (44) muss zu Augsburgs Aufstrebern. Erfolgsaussicht? Nur einigermaßen passabel.

Nach der Neugestaltung der Tabelle könnte demnach eine Sieben-Punkte-Lücke zwischen dem BVB und der Konkurrenz im Ringen um die Champions-League-Teilnahme klaffen. Eine komfortable Lücke. Eine Lücke, die wichtig werden könnte. Leverkusen hat sich aus der Königsklasse verabschiedet. Schalke wird in der kommenden Woche von Real Madrid verabschiedet werden. Und für beide Klubs sind auch Belastungen aus dem nationalen Pokal bereits weggefallen. Dortmund dagegen empfängt auf internationalem Terrain mit schöner Perspektive am kommenden Mittwoch St. Petersburg (Hinspiel 4:2) und auf nationalem im Cup-Halbfinale am 15. April mit Heimvorteil den VfL Wolfsburg.

Nur der BVB hat Zusatzschichten

Das sind Zusatzschichten von Gewicht, die auf der Spielzeitzielgeraden, auf der mit unter anderem dem Quartett Schalke, Wolfsburg, Bayern, Leverkusen die nominell härteren Gegner warten, die Beine schwerer machen könnten. Deshalb ist der größte Gegner des BVB in diesen Tagen die Arbeitsunfähigkeit. Gündogan, Subotic, Blaszczykowski, Bender werden noch lang fehlen. Marco Reus wird nur auflaufen können, „wenn über Nacht etwas Außergewöhnliches passiert“ (Klopp). Robert Lewandowski soll am Freitag versuchen, am Abschlusstraining teilzunehmen. Scheitert der Versuch, wird der Stürmer nicht eingesetzt werden. Und Henrikh Mkhitaryan ist mit der fünften Gelben Karte gesperrt.

Es existierten „noch immer hoch interessante Varianten“ für den Personalbogen, hat der Trainer dennoch tapfer verkündet. Wahrscheinlich ist, dass Winterneuzugang Milos Jojic im einfachen Miki-Ersatzfall den Regieposten hinter Lewandowski übernimmt. Fällt der Lewi aber aus, wird es kompliziert. Ersatzkraft Julian Schieber jedenfalls kann diese Lücke nicht füllen.