Was die Entscheidung des BVB für Lewandowski und Bayern bedeutet

David Nienhaus
Borussia Dortmund erteilt Robert Lewandowski (mitte) ein Wechselverbot zum FC Bayern.
Borussia Dortmund erteilt Robert Lewandowski (mitte) ein Wechselverbot zum FC Bayern.
Foto: imago
Geht er oder geht er nicht, die Frage stand bei Borussia Dortmund lange im Raum. Gemeint ist Robert Lewandowski, der Top-Torjäger des BVB. Immer wieder wurde der Angreifer mit dem Triple-Sieger  FC Bayern München in Verbindung gebracht. Immer wieder sorgten lancierte Meldungen für Unruhe im Umfeld der Westfalen.

Dortmund. Seit Sonntagabend steht fest: Lewandowski bekommt keine Freigabe für einen Wechsel zum deutschen Rekordmeister. Seinem Wunschverein. Aber trägt der polnische Nationalspieler in der kommenden Spielzeit immer noch das schwarzgelbe Trikot? Oder pokert der BVB nur um eine höhere Ablösesumme? Wechselt Lewandowski gar für ein Jahr zu einem anderen Verein, nur um nicht in Dortmund zu spielen? waz.de beantwortet Fragen zum Lewandowski-Wechseltheater.

Was bedeuten die Aussagen von den BVB-Verantwortlichen Watzke und Zorc?

„Wir wissen ja, dass Robert nur zu Bayern möchte. Deshalb wird es so sein, dass er jetzt bei uns bleibt“, bekräftigte BVB-Sportdirektor Michael Zorc die Aussage von Borussia-Boss Hans-Joachim Watzke in der Bild, Robert Lewandowski werde „2013 definitiv nicht zum FC Bayern wechseln. Das ist endgültig! Das haben wir Robert und seinen Beratern jetzt mitgeteilt.“

Die Aussage ist eindeutig. Ein Interpretationsspielraum nicht vorhanden. In der kommenden Spielzeit wird Lewandowski nicht Mario Götze nach München folgen und nicht zusammen mit dem deutschen Nationalspieler unter Pep Guardiola spielen.

Zockt der BVB um eine höhere Ablöse?

Ein klares Nein. Borussia Dortmund geht es an dieser Stelle nur bedingt ums Geld. Der Verein hat durch das Erreichen des Champions-League-Finales über 70 Millionen Euro eingenommen und spielt auch 2013/14 in der Königsklasse. Es geht darum, ein Zeichen zu setzen und das Begehren der Bayern in die Schranken zu weisen. Außerdem ist Lewandowski sportlich kaum zu ersetzen.

Sollte München die Sparschatulle öffnen und sollten die BVB-Verantwortlichen doch nachgeben, droht ein kompletter Gesichtsverlust. Der Effekt, den Dortmund eigentlich erreichen will, wäre Makulatur.

Wird Lewandowski den Verein trotzdem verlassen und über Umwege zum FC Bayern wechseln?

Von diesem Prinzip geht man momentan auf europäischer Bühne im Fall Falcao aus. Der Spieler von Atletico Madrid darf vertraglich nicht direkt zum Stadtrivalen Real wechseln und unterschrieb deshalb vor wenigen Tagen beim AS Monaco. Im Winter, so vermuten Verschwörungstheoretiker, wechselt der Kolumbianer dann doch nach Madrid.

Ein ähnliches Wechseltheater mit Lewandowski ist auszuschließen. Lewandowski wird das nicht mitmachen und seine Karriere durch so einen Heckmeck gefährden. Einen Verein, der sich nur als Zwischenstation für den Stürmer hergibt, gibt es in diesem Spielchen auch nicht.

Bleibt Lewandowski in der kommenden Saison auf jeden Fall beim BVB? 

Das ist noch nicht sicher, auch wenn sich die BVB-Verantwortlichen am Sonntag so äußerten. Gleichzeitig ruderten sie zurück und sagten: „Wir wollen mit allen Beteiligten eine Konsens-Lösung finden. Deshalb sage ich jetzt nicht, er bleibt definitiv und das ist so für alle Tage“ (Watzke).

Wie groß ist das Risiko für den BVB und ist es fahrlässig auf die 25 Millionen Euro zu verzichten?

Ein Risiko besteht immer, denn Lewandowski könnte sich ja früh in der Saison verletzten und ausfallen. Aber dieses Risiko hat jeder Verein. Mit jedem Spieler. Fahrlässig trifft der BVB keine Entscheidungen.

Lässt sich Lewandowski jetzt beim BVB hängen?

BVB-Boss Watzke ist sich sicher, dass Lewandowski sich nicht hängen lässt. Die Nachricht habe der Stürmer auf jeden Fall „professionell aufgenommen“. Die Konstellation ist für den Polen auch keine unbekannte: 2009 wollte er schon zum BVB, sein damaliger Verein Lech Posen ließ ihn nicht gehen. Die Reaktion: „Lewy“ spielte sein bestes Jahr in der polnischen Liga. Außerdem wird Lewandowski sein Denkmal in Dortmund nicht gefährden wollen. Der BVB „ist ein fantastischer Verein, den ich immer verehren werde“, sagte der Angreifer am Ende der abgelaufenen Spielzeit.

Kann der BVB Lewandowski vielleicht doch noch halten?

Davon ist nicht auszugehen. Der BVB hat alles versucht, dem Spieler sogar ein Rekordgehalt geboten. Lewandowski wird den Verein 2014 verlassen und sich dann seinem Wunschverein anschließen. Borussia Dortmund hat aber jetzt eine Saison lang Zeit, sich auf diesen Moment vorzubereiten und intensiv nach einem Nachfolger umzuschauen.

Was machen die Bayern? 

Warten. Auch wenn die Bayern und Trainer Guardiola Lewandowski gerne schon im Sommer an der Säbener Straße gesehen hätten, geht in München davon die Welt nicht unter, dass er nicht kommt. Das Offensivspiel des Meisters wird in der kommenden Saison noch variabler sein als im Triple-Jahr: Borussia Dortmunds Mario Götze könnte sogar einen verkappten Stürmer geben.

Angreifer Mario Gomez darf trotz des Wechselverbots von Lewandowski gehen. Bleibt abzuwarten, ob der Verein nur mit Mandzukic und Pizarro in die Saison geht, oder doch noch einen Spieler holt.

23 Spieler stehen in Dortmund für die Saison 13/14 unter Vertrag 


Tor:
Roman Weidenfeller (2016), Mitchell Langerak (2016), Hendrik Bonmann (2015), Zlatan Alomerovic (2014)

Abwehr: Mats Hummels (2017), Neven Subotic (2016), Sokratis (2018), Marcel Schmelzer (2017), Lukasz Piszczek (2017), Oliver Kirch (2014), Marc Hornschuh (2014)

Mittelfeld: Sven Bender (2017), Sebastian Kehl (2014), Ilkay Gündogan (2015), Nuri Sahin (2014), Mustafa Amini (2015), Marco Reus (2017), Kevin Großkreutz (2016), Leonardo Bittencourt (2016), Jakub Blaszczykowski (2018), Jonas Hofmann (2015)

Sturm: Robert Lewandowski (2014), Julian Schieber (2016)

Trainer: Jürgen Klopp (2016)

Sportdirektor: Michael Zorc (2016)

Die Zu- und Abgänge von Borussia Dortmund 


Zugänge:
Hendrik Bonmann (Rot-Weiss Essen), Sokratis (Werder Bremen)

Aus der eigenen Jugend stoßen hinzu: Bálint Bajner (2014), Jonas Hofmann (2015), Koray Günter (2014)

Dieser ausgeliehene Spieler kehrt zurück: Lasse Sobiech (SpVgg Greuther Fürth, 2014), Julian Koch (MSV Duisburg)

Wer kommen könnte: Christian Eriksen (Ajax Amsterdam), Edgar Prib (SpVgg Greuther Fürth), Cristian Tello (FC Barcelona), Bernard (Atlético Mineiro), Kevin de Bruyne (Werder Bremen/Chelsea FC)

Diese Spieler sollen bleiben/haben verlängert: Ilkay Gündogan, Jakub Blaszczykowski (bis 2018)

Abgänge: Mario Götze (FC Bayern München), Julian Koch (FSV Mainz 05), Moritz Leitner (VfB Stuttgart)

Wer gehen könnte: Robert Lewandowski (nicht Bayern München), Leonardo Bittencourt (Hannover 96), Oliver Kirch, Lasse Sobiech

Die Saisonvorbereitung des BVB 


Alle Termine der Saisonvorbereitung im Überblick:

  • 3. Juli Trainingsauftakt
  • 3. bis 6. Juli Trainingslager in Kirchberg
  • 6. Juli Vorstellung für die Fans, BVB-Spiel gegen Pocher-Auswahl
  • 8. Juli Testspiel in Magdeburg
  • 10. Juli Testspiel (Gegner fehlt noch)
  • 11./12. Juli Testspiel in Basel
  • 10. bis 18. Juli Trainingslager in Bad Ragaz
  • 13. Juli Testspiel (Gegner fehlt noch)
  • 16. Juli Testspiel FC Luzern
  • 20./21. Juli Telekom-Cup in Möchengladbach
  • 27. Juli Supercup in Dortmund