Warum sich Bittencourt für den BVB entschieden hat

Alle deutschen Spitzenklubs wollten Leonardo Bittencourt von Energie Cottbus verpflichten - Borussia Dortmund hat den Zuschlag bekommen. Im Interview mit DerWesten verrät der 18-jährige Jugendnationalspieler die Gründe. "Ich will das Stadion mal voll erleben", sagte Bittencourt.

Dortmund.. Er ist der erste Neuzugang bei Meister Borussia Dortmund für die kommende Saison: Leonardo Bittencourt kommt für knapp drei Millionen Euro von Zweitligist Energie Cottbus und ist der nächste junge Wilde im Kader von Jürgen Klopp. Die Rückrunde spielt der Deutsch-Brasilianer noch in Cottbus, ab Sommer dürfen sich die Dortmunder auf den hoch talentierten Mittelfeldspieler freuen. Im ersten Interview seit seiner Verpflichtung spricht der seit kurzem 18 Jahre alte Nachwuchsnationalspieler über brasilianischen Spieltrieb, eine überzeugende Unterhaltung und einen anderen Leonardo beim BVB.

Weihnachtszeit ist auch Reisezeit. Herr Bittencourt, wo erreichen wir Sie gerade?

Leonardo Bittencourt: In Brasilien. Ich besuche meine Familie in Rio de Janeiro und genieße gerade Sonne und 28 Grad. Schöne Grüße in den Winter.

Haben Sie denn Zeit, auch ein wenig am Strand zu kicken?

Bittencourt: Ich will mich hier ein paar Tage erholen, ausspannen, abschalten. Aber ich werde mich auch schon auf die restliche Zweitliga-Saison mit Energie Cottbus vorbereiten.

Wie viel brasilianische Mentalität, wie viel Temperament und Spielfreude stecken in Ihnen?

Bittencourt: Schwer zu beziffern, die Grenzen sind fließend. Ich würde sagen, ich bin zu 50 Prozent temperamentvoller Brasilianer und zu 50 Prozent disziplinierter Deutscher. Ich habe einen ausgeprägten Spieltrieb und immer Bock auf Fußball. Aber ich habe, wenn es um viel Laufen und um Pünktlichkeit geht, auch ein gutes Stück deutsche Mentalität in mir.

Ihr künftiger Trainer Jürgen Klopp hat Ihnen außergewöhnliche Qualitäten bescheinigt und Sie „eines der interessanten Talente Deutschlands“ genannt. Klopp sagte dann noch: „Wir werden ihm helfen, sein Defensivverhalten klarer darzustellen.“

Bittencourt: Wenn Herr Klopp Defizite bei mir sieht, wird er mit mir darüber sprechen und mir helfen, mich zu verbessern. Ich komme ja nach Dortmund, um den nächsten Schritt zu machen. Ich will lernen, mich entwickeln und verbessern. Und dann möglichst oft zum Einsatz kommen.

Was hat für den BVB und gegen die zahlreichen anderen Interessenten aus der Bundesligaspitze gesprochen?

Bittencourt: Das Gespräch mit Jürgen Klopp, Michael Zorc, Hans-Joachim Watzke und meinem Berater Wassily Krastanas in Dortmund war ausschlaggebend. Das hat mich sehr beeindruckt. Sie waren locker, ehrlich und haben mich mit ihrer Idee, auf junge deutsche Spieler zu setzen, überzeugt. Danach war ich mir 100 Prozent sicher, dass ich dahin will, und mein Berater hat sich um den reibungslosen Ablauf der Verhandlungen gekümmert. Nach dem Gespräch war ich noch im Stadion. Das war leer. Jetzt will ich es mal voll erleben. Es ist doch ein Traum, wenn 80.000 Menschen deinen Namen rufen.

Im Dortmunder Kader stehen nicht nur viele junge Spieler, wie Mario Götze oder Moritz Leitner, die sich beeindruckend entwickelt haben. Da sind auch reihenweise Nationalspieler, die vor allem im Mittelfeld für erhebliche Konkurrenz sorgen. Keinerlei Bedenken?

Bittencourt: Konkurrenz belebt das Geschäft. Natürlich ist es auch für mich ein Riesensprung aus der Zweiten Bundesliga zum Meister. Aber wenn ich mir nicht zutrauen würde, mich durchzusetzen, hätte ich den Schritt nicht gemacht. Ich will lernen, vom Trainer, von älteren Spielern. Ich will neue Aufgaben übernehmen. Irgendwann will ich zum 18-er Kader gehören, mich in die Mannschaft kämpfen und Spiele machen. Ich will mich nicht zu sehr unter Druck setzen. Aber ich habe meine Ziele.

Was Bittencourt von BVB-Legende Dede hält

Kennen Sie Spieler aus dem BVB-Kader aus den Nachwuchsnationalteams?

Bittencourt: Leider nicht, da ist keiner aus dem 1993er-Jahrgang dabei. Aber die ehemaligen Dortmunder Marc Kruska, Uwe Hünemeier und Markus Brzenska, die mit mir in Cottbus spielen, haben mir zu meiner Entscheidung gratuliert. „Alles richtig gemacht“, sagen sie inzwischen im Chor.

Der letzte Leonardo beim BVB, ein gewisser Leonardo de Deus Santos, kurz Dede, hat 13 Jahre in Dortmund gespielt und wird bis heute von den Fans verehrt.

Bittencourt: So eine Karriere zu machen, ist ein Traum für jeden Profi. Ich mag Dede und habe ihm bei BVB-Spielen in Cottbus als Balljunge den Ball zuwerfen dürfen. Es waren immer Ereignisse, wenn Dortmund in Cottbus gespielt hat. Jetzt spiele ich bald für die Borussia

Sie passen formal perfekt zu Ihrem neuen Klub. Wie Borussia Dortmund haben Sie am 19. Dezember Geburtstag.

Bittencourt: Ja, ein kurioser Zufall. Ich bin nur etwas jünger (lacht).

Eine Doppelfrage zum Abschluss: Welche Rückennummer wünschen Sie sich und wie sollen die Fans Ihren Nachnamen singen? In Dortmund wird schon von „Bit-ton-kur“ gesprochen.

Bittencourt: Ich würde gerne, wie in Cottbus, die 32 tragen. Die ist beim BVB im Moment auch frei. Und mein Nachname wird ganz einfach „Bitten-Kurt“ ausgesprochen. Aber Leo ist auch okay.

 
 

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