Warum Lewandowski nach Bayern-Abgang anders verabschiedet wurde als Götze

Blumen und eine Fotocollage bekam Lewandowski von Norbert Dickel zu seinem BVB-Abschied überreicht.
Blumen und eine Fotocollage bekam Lewandowski von Norbert Dickel zu seinem BVB-Abschied überreicht.
Foto: Getty-Images
Kleine Gesten, große Emotionen: Würdig wurde Robert Lewandowski bei seinem letzten BVB-Heimspiel von den Fans verabschiedet. Vom ständigen Rummel um seine Person ließ sich der Pole sportlich nie aus dem Konzept bringen. Gegen seinen zukünftigen Arbeitgeber kann er nun Dortmund zum Pokalsieg schießen.

Dortmund.. Sicher war sich Robert Lewandowski nicht, wie ihn die Dortmunder Anhänger im Signal Iduna Park bei seinem letzten Heimspiel im BVB-Trikot verabschieden werden. „Ich wusste, dass ich auf dem Platz die Unterstützung der Fans habe. Ich habe mich aber schon gefragt, wie es nach dem Spiel wohl sein wird.“

Den Zorn, der nach Mario Götzes plötzlichem Wechsel nach München über Nacht losbrach, haben die Borussen nicht vergessen. Auch Lewandowski verlässt Dortmund in Richtung FC Bayern, doch statt Pfiffen, Judas-Plakaten und überklebten Trikotnummern gab es Blumen, Bilder und frenetischen Beifall der BVB-Fans für den Polen – vor dem Spiel, währenddessen und danach.

Nie ewige Treue geschworen

Ewige Treue hatte Lewandowski den Dortmundern im Gegensatz zu Wappenküsser Götze nie geschworen. Seinen Beratern waren zwar im öffentlich ausgetragenen Poker um das große Geld alle Mittel Recht, Lewandowski selbst ließ sich trotz des Werbens internationaler Topklubs sportlich jedoch nichts zu Schulden kommen - im Gegenteil: Je größer der Rummel um seine Person wurde, umso besser wurden seine Leistungen. Bereits in Posen war das so, als sich 2010 sein Wechsel nach Dortmund anbahnte. Lewandowski hielt dem großen Druck stets Stand und entwickelte sich als Spieler permanent weiter. Auch in dieser Saison zählt er erneut zu den konstantesten BVB-Profis - und Topscorern der Liga.

Seine Ehrlichkeit bis zur letzten Minute wird im Ruhrgebiet hoch geschätzt. „Robert hat sich immer 100-prozentig für uns eingesetzt“, unterstrich Norbert Dickel, als er „Lewy“ nach dem Aufwärmen die Geschenke des Vereins überreichte und zuvor auch Manuel Friedrich verabschiedet hatte. „Danke für vier wunderbare Jahre. Das war ein Applaus, den man bis nach München hören konnte“, schloss der Stadionsprecher ab.

„Wir haben einen Superstürmer verpflichtet und er geht als Weltklassestürmer“, sagte Jürgen Klopp auf der Pressekonferenz am Donnerstag. 101 Tore erzielte der 25-Jährige, der 2010 für 4,75 Millionen Euro aus der polnischen Liga an die Ruhr wechselte. Innerhalb von nur vier Jahren katapultierte sich Lewandowski hinter Stephane Chapuisat (120), Lothar Emmerich (122), Manfred Burgsmüller (144) und Michael Zorc (156) in die BVB-Bestenliste. Der Rekord als erfolgreichsten Europapokaltorschützen der Vereinsgeschichte gehört ihm bereits. Diese Saison kann Lewandowski als Torschützenkönig der Bundesliga beenden. Vor der letzten Auswärtsaufgabe bei Hertha BSC rangiert der Pole gleichauf mit Mario Mandzukic (18 Tore), der - nach jetzigem Stand - kommendes Jahr sein Herausforderer in München sein wird.

Lewandowski kann Dortmund gegen Bayern zum Pokalsieg schießen

Ob Lewandowski, der in Dortmund seit dem Abschied von Lucas Barrios die klare Nummer eins war und immer gespielt hat, in München ebenso gesetzt sein wird, muss sich noch zeigen. Kollege Mario Götze findet sich beispielsweise trotz guter Form und auffälliger Leistungen regelmäßig im zweiten Glied der Guardiola-Elf wieder. Ein Schicksal, das zuletzt auch anderen FCB-Profis wie Thomas Müller nicht schmeckte. Zudem gilt Bayerns katalanischer Coach nicht unbedingt als Befürworter waschechter Mittelstürmer.

Nach der schmerzhaften 0:5-Schmach gegen Real Madrid in zwei Akten kündigte Guardiola als Reaktionen eine Einkaufstour des Rekordmeisters im Sommer an. Wird sich noch andere Prominenz an der Isar dazugesellen? Andererseits haben den Bayern wohlmöglich gerade im Hinspiel in der spanischen Hauptstadt die einzigartigen Qualitäten eines Lewandowski gefehlt: eine ballsichere Sturmspitze, die auch zwischen den Linien arbeiten und vollenden kann.

Gegen Hoffenheim konnte „Lewy“ all diese Qualitäten noch einmal unter Beweis stellen. Sichtlich gepusht vom Applaus vor Anpfiff sah man dem Polen an, dass er sich unbedingt noch mit einem Tor vor heimischer Kulisse verabschieden wollte. Lewandowski schoss aus allen Lagen, doch wurde für seinen Eifer nicht belohnt. „Das wäre natürlich noch perfekt gewesen, hätte ich hier in Dortmund noch ein Tor geschossen. Aber wenn ich so etwas nach dem Spiel höre, spielt das keine Rolle mehr. Das war Wahnsinn!“

Klopp: "Er hat in den vier Jahren alles gegeben"

Nach Abpfiff drehte er noch eine Ehrenrunde im ehemaligen Westfalenstadion. Etliche Sternstunden hatte Lewandowski hier erlebt, als Höhepunkt seine vier Tore gegen Real Madrid im Halbfinale der Champions League vergangenen Jahres. „Komm, komm“, rief die Südtribüne und skandierte seinen Namen. Nachdem der Pole eine Laola angestimmt hatte und sein Trikot verschenkte, ging der Stürmer fort, doch die Rufe gingen weiter. Dieser würdige Abschied beeindruckte auch Trainer Jürgen Klopp: „Ich bin stolz, dass so etwas in der manchmal aufgeblasenen Fußball-Welt noch möglich ist: Zurückblicken, den Film der vergangenen vier Jahre ablaufen lassen und feststellen: Ja, der hat alles gegeben, dafür gibt es Applaus. Das hat in ihm und ein paar seiner Kollegen viel ausgelöst und war ganz bestimmt gut für die letzten beiden Spiele. Die Verabschiedung war herausragend, das hat Robert verdient. Er ist ein guter Typ, ein super Spieler und er hat in den vier Jahren alles gegeben.“

Die Eindrücke saßen auch nach über eine Stunde noch tief bei Lewandowski. Wegen einer Dopingprobe verweilte er über eine Stunde in den Katakomben des Signal Iduna Parks, doch rang immer noch nach Worten, als er sich im Anschluss den Journalisten in der Mixed Zone stellte. „Was da passiert ist, was ich da gehört habe, war wirklich unglaublich. Ein schwerer, aber schöner Moment. Ich bin noch immer sehr emotional. Das waren vier tolle Jahre für mich beim BVB, in denen ich so viele Tore geschossen habe und tolle Spiele auch in der Champions League erlebt habe, in der Bundesliga zweimal Meister wurde - und ich hoffe auch zweimal Pokalsieger.“ So emotional mitgenommen hatte man den Angreifer in Dortmund noch nie gesehen.

Lewandowski lässt keine Zweifel daran, dass er noch immer mit ganzem Herzen in Dortmund bei der Sache ist und sich mit einem Titel verabschieden will – notfalls auch mit Toren gegen seinen zukünftigen Verein. „So lange wir gewinnen – warum nicht? Ich bin noch immer ein BVB-Spieler und habe nur noch diese zwei Spiele im Kopf.“ Mit Toren in Berlin könnte sich der Stürmerstar ein Denkmal in Dortmund setzen.

 
 

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