Verzockt – aber Gündogan beim BVB weiter im (lukrativen) Spiel

Ilkay Gündogan hat die „Echte-Liebe-Karte“ nie ausgespielt und frühzeitig signalisiert, dass er seine Zukunft woanders plant. Nur wo?
Ilkay Gündogan hat die „Echte-Liebe-Karte“ nie ausgespielt und frühzeitig signalisiert, dass er seine Zukunft woanders plant. Nur wo?
Foto: Getty Images
Die Trennung war bereits beschlossene Sache. Doch nun deutet einiges darauf hin, dass Ilkay Gündogan und der BVB doch wieder zueinander finden. Die Gründe haben allerdings weniger mit „echter Liebe“ denn mit nüchternen Erwägungen zu tun. Ein Kommentar

Zu einer starken Marke gehört ein griffiges Motto. Die beiden großen Fußball-Rivalen im Revier haben diese Marketingregel verstanden. „Echte Liebe“ (Borussia Dortmund) und „Wir leben dich“ (Schalke 04) sind Slogans, die Identität stiften. Für die Fans. Verschreiben sich diese doch ihrem Klub mit Leib und Seele. Lebenslang. Für Spieler und Trainer sind dies in der Regel, anders als noch vor fünfzig Jahren, leere Worte.

Als der neue Schalke-Coach André Breitenreiter unlängst gefragt wurde, ob sein Weggang in Paderborn böses Blut hinterlassen habe, betonte er nicht von ungefähr, er sei immer ehrlich mit seinem Ex-Verein umgegangen. Weil er die „Trikot-Küsser“ hasse. Gemeint waren jene Stars, die nach Toren mit Inbrunst das Vereinsemblem küssen und kurz darauf beim erstbesten Angebot das Weite suchen.

Bleiben Gündogans erhofften Gebote aus?

Vor diesem Hintergrund ist es schon bemerkenswert, wenn Spieler auf theatralische Treuebekenntnisse verzichten. Ilkay Gündogan etwa hat die „Echte-Liebe-Karte“ nie ausgespielt und frühzeitig signalisiert, dass er seine Zukunft woanders plane. Wenn Hans-Joachim Watzke jetzt eine Chance sieht, „dass er umdenkt“, dann weiß der BVB-Chef natürlich: Ein solches Umdenken wäre nicht „echter Liebe“ zur Borussia geschuldet. Sondern der Erkenntnis, dass die erhofften Angebote ausgeblieben sind.

BVB muss auf Gündogans Form hoffen

Daraus zu schließen, der Nationalspieler habe sich verzockt, ist naheliegend, trifft aber nur bedingt zu. Schließlich stünde er ja nicht ohne Verein und Einnahmen da, sondern verbliebe in dem für ihn nach wie vor äußerst lukrativen Spiel. Das „Schlimmste“, was ihm widerfahren kann, wäre, seinen noch ein Jahr laufenden Vertrag erfüllen zu müssen – mit der Aussicht, 2016 ablösefrei wechseln zu können.

Der BVB, der auf eine hohe Ablöse in diesem Sommer spekuliert hatte, muss für diesen Fall darauf hoffen, dass Gündogan wieder an seine alte Form anknüpft und den Unterschied ausmachen kann. Passiert dies, hätten am Ende doch noch beide Seiten gewonnen.

 
 

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