Verfahrene Situation für den BVB - aber endlich Winterpause!

Jens Matheuszik
Niederlage Nummer zehn. Beim BVB läuft es in dieser Saison einfach nicht rund.
Niederlage Nummer zehn. Beim BVB läuft es in dieser Saison einfach nicht rund.
Foto: imago/osnapix
Der BVB steht mit zehn Niederlagen auf Platz 17 - aber wenigstens bleibt Trainer Jürgen Klopp. Meint Fan-Kolumnist Jens Matheuszik.

Dortmund. Man muss nicht lange drumherum reden: Die Situation von Borussia Dortmund zum Ende der ersten Hälfte der laufenden Bundesliga-Saison ist mehr als beschissen. Dass man nicht die rote Laterne in der Bundesliga-Tabelle hat, das hat man nur einem glücklichen 2:2-Ausgleich der Hannoveraner zu verdanken, so dass dann die Ehre des letzten Tabellenplatzes dem SC Freiburg gebührt. Schützenhilfe der eher ungewünschten Art ...

Doch egal ob Platz 17 oder Platz 18 - das ist nicht das, womit man als Anhänger (Spieler, Verantwortlicher ...) von Borussia Dortmund vor der Saison gerechnet hatte - da man damit schlicht und ergreifend nicht rechnen konnte.

Wo ist die echte Leidenschaft?

Wer das letzte Spiel 2014 gegen den SV Werder Bremen (beileibe nicht gerade ein Angstgegner von Borussia Dortmund - der BVB unter Trainer Jürgen Klopp hat da eine sehr gute Bilanz aufzuweisen) gesehen hat, der hat sich gefragt, wo die echte Leidenschaft, die echte Kampfbereitschaft und der echte Einsatz waren. Von der echten Einstellung für den Bundesliga-Abstiegskampf will ich mal nicht schreiben, denn den Verantwortlichen zufolge würde die Einstellung ja stimmen ...

... das sieht man jedoch als Fan dann doch irgendwie anders, denn das lustlose Gekicke gegen Bremen hatte doch schon eine deutlich andere Qualität als das Spiel gegen den VfL Wolfsburg, welches eigentlich eine erstklassige Werbung für die Bundesliga darstellte. Ganz nach dem Motto: "So sehen Spiele zwischen einer Mannschaft aus dem Keller und einer aus der Beletage der Bundesliga aus!"

Sieht man die Spiele des BVB gegen Wolfsburg und Hoffenheim (oder Gladbach und Bayern), dann wird klar, dass der BVB natürlich weiterhin fußballerische Klasse besitzt, die bei starken Teams auch entsprechend abgerufen wird. Gruppenerster in der Champions League wird man auch nicht, wenn man nur Kreisklasse spielt.

Underdogs zeigen die Probleme auf 

Doch die Spiele gegen Bremen, gegen Hamburg oder auch gegen Paderborn - also die Spiele, wo Dortmund eigentlich als klarer Favorit galt und wo man sich vorher nur über die Höhe des Sieges uneins war - zeigten die Probleme auf, die der BVB in seinem Spiel auch haben kann.

Die Vermutung einzelner, dass jetzt das "System Klopp" entschlüsselt sei, mag auf den ersten Blick als Erklärung dienen - kann aber eigentlich nur eine Ausrede sein, denn das Pressing und Gegenpressing, was Jürgen Klopp gerne spielen lässt, sollte den anderen Mannschaften schon seit einigen Jahren bekannt sein. Wenn nicht, dann haben deren Abteilungen für die Gegnerbeobachtung versagt.

Ob es interne Gründe gibt, die wir Beobachter von draußen nicht kennen, kann man nicht sagen. Aber bei anderen Mannschaften werden die Chiffren Verletzungspech, schlechte Vorbereitungsphase wegen der WM und internationaler Spiele usw. auch stetig von den Verantwortlichen erwähnt - und dort kommt man doch mit all dem irgendwie besser zurecht.

Deutliche Worte von Watzke

Die Verantwortlichen unseres Lieblingsvereins, der gerade seinen 105. Geburtstag feierte, und in dessen langer Zeit schon mehr als ein Ab die Phasen zwischen den Aufs begleitete, werden sicherlich keine stille und besinnliche Zeit haben - sondern sich überlegen müssen, an welchen Stellschrauben jetzt gedreht werden muss. Dass die Erkenntnis da ist, sah man nach dem Spiel gegen Berlin - da wurden ja selbst im Vereins- bzw. Stadionmagazin, welches jetzt nicht gerade für große Kritik bekannt ist, deutliche Worte von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zur aktuellen Lage abgedruckt.

In der Winterpause gilt es die Schwachstellen weiter zu analysieren und vielleicht auch sogar auszusortieren. Da darf es dann keine Tabus geben wegen besonderer Verdienste in der Vergangenheit - wenn das Ergebnis lautet, dass da ein Spieler, der als Fußballweltmeister gilt, vielleicht nicht mehr der Richtige ist, dann muss man sich auch von diesem trennen.

Weiterverpflichtung von Sebastian Kehl wäre ein Zeichen

Der Verein muss jetzt Zeichen setzen - und ein Zeichen wäre beispielsweise auch die Weiterverpflichtung von Sebastian Kehl. Ein Sebastian Kehl ist, wenn er fit ist (das war er ja beim Spiel gegen Bremen nicht - und dass er hier auf dem Platz stand und nicht auf der warmen Tribüne saß, war wahrscheinlich der sportlichen Situation des Vereins geschuldet), immer noch eine Bank für den BVB. Eigentlich wollte er mit Ablauf der laufenden Saison beim BVB aufhören, aber das sollte zuerst er sich und dann auch der Verein noch einmal gut überlegen. Der ehemalige Kapitän ist tatsächlich einer der Gewinner der Hinrunde, wenn man denn Wörter, die mit "Gewinn" zu tun haben, zusammen mit der Hinrunde von Borussia Dortmund in einem Satz erwähnen möchte ...

Ähnliches gilt übrigens auch für Mitchell Langerak. Der sympathische Australier war jahrelang die loyale Nummer 2, konnte bei wichtigen Spielen (wo auch der Rest der Mannschaft im Normalmodus funktionierte) brillieren und hat Perspektiven. Andere Vereine der ersten wie auch der zweiten Bundesliga wären froh, wenn sie so einen im Kasten hätten. Damit einhergehend ist jedoch auch ein faires Umgehen mit dem Stammtorhüter Roman Weidenfeller. Die bekannte flapsige Art von Cheftrainer Jürgen Klopp, die in den siegreichen Zeiten gerne zum Gesamtpaket dazugehört, wirkte bei dieser Personalie ein wenig merkwürdig. Mag ja sein, dass man keine Zeit hat mit jedem Spieler ausführlich vorab zu sprechen, wenn er mal nicht eingesetzt wird - beim Stammtorhüter sollte man sich diese Zeit aber nehmen.

Auch wenn es immer heißt, dass Verpflichtungen im Winter nicht so viel bringen - wenn da jemand bei wäre, dessen Chancenverwertung nicht prozentual gesehen an die Auslastung des Dortmunder Gästeblocks bei Mannschaften wie Hoffenheim oder Wolfsburg erinnert, dann wäre das sicherlich eine Überlegung wert.

Es gäbe da übrigens noch ein Zeichen, das der Verein setzen könnte:

Dies zu erwähnen übernahm der Pay-TV-Kommentator Marcel Reif bei der sonntäglichen Sky90-Runde auch fast schon so mantramäßig, wie in den sozialen Netzwerken bei seinen Spielen vereinsübergreifend der Erfindung der Stadion-Tonoption gedankt wird.

Ja klar, die Trainerfrage ist immer eine Möglichkeit für einen Verein ein Zeichen zu setzen. Aber ganz ehrlich: Ich bin sowas von froh, dass diese Kurzschlussreaktion (etwas weiter westlich im Ruhrgebiet wäre doch schon längst der Nachnachfolger entlassen worden!) bisher ausgeblieben ist und die Vereinsführung fast schon mehr Vertrauen in den Trainer setzt als dieser selbst in sich. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass Jürgen Klopp auch im unaussprechlichen Fall weiter Trainer bleibt - aber über diese Perspektive will man lieber nicht reden, wobei da natürlich die Frage ganz interessant wäre, welche Verträge von Borussia Dortmund denn diese potentiell mögliche Option überhaupt abdecken ...

Hoffen wir einfach auf eine bessere Rückrunde - schlechter kann es ja kaum noch laufen ...

22.12.2014, Jens Matheuszik, Gib mich DIE KIRSCHE