Trotz Rückendeckung bleibt Klopp in der BVB-Krise dünnhäutig

Frank Lamers
Jürgen Klopp bügelte ZDF-Reporter Büchler ab.
Jürgen Klopp bügelte ZDF-Reporter Büchler ab.
Foto: dpa
Üblicherweise wird in der Liga nach der fünften Niederlage in Folge die Trainerfrage gestellt. Beim BVB ist dies nicht der Fall - weil Klopp mehr erreicht hat, als nur ein paar Titel zu holen. Es ist jedoch nicht selbstverständlich, dass Klopp diesen Respekt erkennt. Ein Kommentar.

Dortmund. Es sind schon viele Meistertrainer von ihren Bänken gestoßen worden. Deshalb greift als Begründung dafür, dass Jürgen Klopp vom Anzählen ausgenommen wird, nicht: Der Mann hat Dortmund zu Titeln geführt. In der aktuellen Situation würde üblicherweise trotzdem die Trainerfrage gestellt, die Frage nach dem Verantwortlichen für eine Misere, die sich bestens in Zahlen darstellen lässt: Schwarzgelb hat erst sieben Punkte erwirtschaftet. Ein breites Feld von Konkurrenten hält auf zweistelligem Niveau Distanz zum Klopp-Ensemble.

Verfehlen der Saisonziele hätte massive Folgen

Das ist fatal für die Borussia. Die Chancen, das Saisonziel zu erreichen, auf die Champions-League-Plätze zu gelangen, sind dadurch nämlich nur noch sehr schmalbrüstig. Würde dieses Ziel aber verfehlt, hätte das massive Folgen. Vor allem würden Klassespieler ins Grübeln geraten: Gehe ich zum BVB, der für mich keine Rolle auf der internationalen Bühne hat? Bleibe ich beim BVB, der mir mindestens ein Zeitzehntel meiner Karriere nur den nationalen Rasen bieten kann?

Bei Marco Reus zum Beispiel dürfte im Moment ein Areal im Gehirn ganz damit ausgelastet sein, eine Antwort auf letztere Frage zu finden. Dass ZDF-Reporter Boris Büchler nach der Niederlage bei den Bayern Reus und seinen möglicherweise im Sommer anliegenden Wechsel zum Thema machte, war also gar kein Ausdruck seines miesen Charakters. Auf Namen gebracht, spielt die Borussia ja tatsächlich um Reus, um Gündogan und andere.

Ruhe im Sturm

Klopp hat Büchler abgebügelt, wie es in den vergangenen Erfolgsjahren seine üble Art geworden ist. Dass die Trainerfrage nicht aufgeworfen wurde, hatte er nicht einmal registriert. Dabei zeugt der Verzicht auf das Übliche von riesigem Respekt vor seiner eben weit über das Titelsammeln hinausreichenden Leistung. Und dieser Respekt wiederum sorgt dafür, dass der Druck auf den BVB sich gerade nicht über den sportlichen Druck hinaus erhöht. Er sorgt für Ruhe bei Sturm.

Muss Klopp aber natürlich nicht so sehen, kann er vielleicht gar nicht, von so weit oben herab.