Top-Ablöse: Warum BVB-Chef Watzke zu Mkhitaryan nicht Nein sagen kann

Sebastian Weßling
Hans-Joachim Watzek und Henrikh Mkhitaryan.
Hans-Joachim Watzek und Henrikh Mkhitaryan.
Foto: firo
  • Manchester United bietet deutlich über 40 Millionen Euro für den BVB-Star
  • Hohes Angebot bringt Dortmund offenbar zum Umdenken
  • Potenzieller Nachfolger vom Markt genommen

Dortmund. Das Wort Vertragsverlängerung hat gute Chancen, zumindest im Raum Dortmund zum Unwort des Jahres gekürt zu werden. Mit vier Eckpfeilern ihrer Mannschaft wollte die ortsansässige Borussia die Zusammenarbeit über 2017 hinaus ausdehnen. Mit Marcel Schmelzer gelang dies, Mats Hummels und Ilkay Gündogan sind inzwischen verkauft – und bald dürfte auch Henrikh Mkhitaryan hinzukommen. Der 27-Jährige wird wohl an Manchester United verkauft, auch wenn das beim BVB noch niemand so sagen möchte.

Manchester bietet über 40 Millionen

„Irgendwann müssen wir das mal abschließend bewerten“, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke auf Anfrage dieser Redaktion. „Und da wir am Montag Trainingsstart haben, werden wir das am Wochenende machen.“ Dabei hatte es eigentlich schon eine klare Entscheidung gegeben: Mkhitaryan müsse definitiv bis 2017 bleiben, erklärte Watzke, als der Armenier das Angebot zur Vertragsverlängerung ablehnte. „Das ist mit allen Gremien von Borussia Dortmund so abgestimmt.“ Ende April, bevor sich Mkhitaryan gegen den BVB entschieden hatte, sagte Watzke über Hummels, Gündogan und Mkhitaryan: „Es ist völlig ausgeschlossen, dass alle drei nächstes Jahr nicht für Borussia spielen.“

Doch inzwischen hat sich einiges getan: „Wir haben jetzt eine andere Ausgangslage, Manchester United hat sein Angebot wesentlich verbessert“, erklärte Watzke dieser Zeitung. „Es gibt bei einer solchen Entscheidung immer mehrere Gesichtspunkte zu beachten.“ Und dazu gehört die wirtschaftliche Dimension: Der Premier-League-Klub bietet nach Informationen unserer Redaktion deutlich über 40 Millionen Euro für Mkhitaryan – so viel Geld bekam Dortmund noch nie für einen Spieler. Und noch nie wurde in der Bundesliga ein Spieler mit nur noch einem Jahr Vertragslaufzeit zu einer solchen Summe verkauft.

Unterschied zu Lewandowski

Das ist auch der große Unterschied zum Fall Robert Lewandowski, bei dem der BVB 2013 auf Vertragserfüllung pochte, um ihn ein Jahr später ablösefrei ziehen zu lassen: Damals gab es schlicht kein Angebot des FC Bayern München.

Nun gibt es eins und damit eine Entscheidungsgrundlage für die BVB-Verantwortlichen. „Ich habe die entsprechenden Personen schon kontaktiert und wir werden das am Wochenende mit allem Für und Wider abwägen“, so Watzke. „Das ist mir auch wichtig, dass wir ein breites Meinungsbild bekommen. Und dann wird die Geschäftsführung das entscheiden – und zwar am Wochenende, definitiv.“

BVB wird nachrüsten

Bis dahin ist noch Zeit, sich Gedanken über einen Nachfolger zu machen – denn im Falle der Fälle werde der BVB „sicherlich am Transfermarkt nochmal aktiv“, sagte Watzke. Einen Kandidaten nahm Rudi Völler, Sportdirektor von Bayer Leverkusen, am Dienstag noch einmal demonstrativ vom Markt – nachdem diese Zeitung aus guter Quelle berichtet hatte, dass Karim Bellarabi gerne zum BVB wechseln würde. „Wer immer auch erzählt, Karim Bellarabi wolle Bayer verlassen, der redet Humbug“, sagte Völler dem Kicker. „Das ist gelogen.“