So denkt Dietmar Hopp über die Lärmattacke gegen BVB-Fans

Thorsten Schabelon
Die Fans von Borussia Dortmund nehmen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp gerne ins Visier. Vor dem Hoffenheimer Gastspiel in Dortmund haben wir mit Hopp über die Lärmattacke gegen BVB-Fans im Hinspiel und einen runden Tisch gesprochen.

Dortmund/Hoffenheim. Dietmar Hopp, Mäzen von 1899 Hoffenheim, ist nicht nur für die Fans von Borussia Dortmund das Sinnbild für den mit Geld geplanten Aufstieg eines Dorfklubs in die Fußball-Bundesliga. Die BVB-Fans indes nehmen den 71-jährigen Unternehmer mit Gesängen und Plakaten besonders gerne ins Visier. Beim letzten Duell im August 2011 eskalierte die Situation, als ein Mitarbeiter von Hoffenheim den Dortmunder Fanblock mit Hochfrequenztönen aus einer Soundanlage beschallte. Samstag kommt es in Dortmund wieder zum Duell BVB gegen Hoffenheim (15.30 Uhr, live im DerWesten-Ticker).

Herr Hopp, Sie gehen auswärts nur noch selten ins Stadion. Wird es Samstag eine Ausnahme geben?

Dietmar Hopp: Nein, leider kann ich in Dortmund aufgrund der bekannten Umstände nicht dabei sein. Ich werde mir das Spiel im Fernsehen anschauen.

Wenn es um Ihr finanzielles Engagement geht, werden Sie von den BVB-Fans besonders gerne kritisiert. Können Sie die Vorwürfe nachvollziehen?

Hopp: Nein, ich kann es nicht nachvollziehen. Zumal längst klar ist, dass ich nicht angetreten bin, um mit allen Mitteln Erfolg zu haben oder gar eine Konkurrenz für die Etablierten zu werden. Nach meinem Empfinden ist es den BVB-Fans nicht bewusst, dass in der Metropolregion Rhein-Neckar genauso engagierte, fußballbegeisterte Menschen leben wie im Westen Deutschlands. Und es gibt in dieser Region weit über 3000 Jugendliche, die im Fußball, Handball, Eishockey und Golf sportlich, aber auch schulisch und in sozialer Kompetenz durch meine Stiftung gefördert werden.

Hat die Lärmattacke aus dem Hinspiel die Abneigung noch einmal intensiviert?

Hopp: Wenn die Abneigung zu steigern war, möglicherweise ja.

Diese in der langen Geschichte der Bundesliga einzigartige Lärmaktion wurde nicht sanktioniert. Mit Recht?

Hopp: Von Seiten der Staatsanwaltschaft gab es keine Handhabe, etwas zu sanktionieren. Das Ergebnis des unabhängigen Gutachtens hat eindeutig ergeben, dass durch den Einsatz der Apparatur keine Gesundheitsgefährdung für die Zuschauer bestanden hat. Dass genau diese Gesundheitsgefährdung nicht bestand, hat mich persönlich sehr erleichtert.

Sehen Sie eine moralische Schuld? Hätte so eine Aktion überhaupt passieren dürfen?

Hopp: Sie ist schwer erklärbar und hätte nie und nimmer passieren dürfen. Der Auslöser waren die Attacken gegen mich und wohl das Bedürfnis, etwas dagegen zu unternehmen. Für unseren Verein führte diese Aktion zu einem gewaltigen Imageschaden.

Die BVB-Fans haben Ihnen anschließend in einem offenen Brief einen Dialog angeboten. Sie haben Interesse gezeigt. Wie geht es weiter?

Hopp: Wir stehen in Kontakt und werden einen Weg für den geplanten Dialog finden. Wann und wo das sein wird, werden wir sehen. Ich hoffe auf eine fruchtbare Diskussion.

Würden Sie sich mit Fans an einen runden Tisch setzen?

Hopp: Natürlich, aber unvoreingenommen und mit einem fairen, respektvollen Umgang miteinander. Aber in dieser Beziehung habe ich keinen Anlass für Bedenken.

Können Sie sich vorstellen, dass sich die angespannte Situation durch solch ein Gespräch entspannt und Sie künftig wieder ins Dortmunder Stadion kommen werden?

Hopp: Nichts wäre mir lieber als ein friedliches Miteinander, bei allem sportlichen Ehrgeiz. Zuletzt war ich im Februar 2008 beim 3:1-Pokalsieg des BVB gegen uns im Dortmunder Stadion. Ich saß damals zwischen Herrn Watzke und Herrn Rauball. Das war, bis aufs Ergebnis, ein schönes Erlebnis in einem tollen Stadion.

Beim Duell am Samstag ist Ihr Klub Außenseiter. Hoffenheim stagniert im Liga-Mittelmaß.

Hopp: Natürlich ist die Umstrukturierung, in der wir uns befinden, nicht spurlos geblieben. Und Mittelmaß muss ja für einen Verein wie Hoffenheim nicht unbedingt ein Schimpfwort sein. Wir sind ein gesunder Verein, der nach dem laufenden Umbruch sportlich wieder mehr Ausrufezeichen setzen sollte.

Was Dietmar Hopp über Vedad Ibisevic und "Stani" sagt 

Wie viel ist von der Aufbruchstimmung, die Trainer Holger Stanislawski verbreitet hat, noch zu spüren?

Hopp: Stani hat vieles positiv beeinflusst, aber manche Dinge brauchen Zeit, bis sie greifen, und man darf nicht vergessen, dass er mit aller Energie den Umbruch eingeleitet hat.

Am Mittwoch ist Ihr bester Stürmer, Vedad Ibisevic, zum VfB Stuttgart gewechselt. Er ist der vorerst letzte in der Reihe der bekannten Hoffenheimer, die den Klub verlassen haben.

Hopp: Er hatte ein tolles Angebot und bekommt in Stuttgart einen langfristigen Vertrag. Vedad hat sich immer korrekt verhalten, wir wollten ihm keine Steine in den Weg legen. Allerdings gehört er auch zu den früheren Stars, die in völliger Überschätzung der Möglichkeiten unseres Klubs sehr hohe Gehälter erhalten haben. Wir wollen unseren Personaletat bis auf 30 Millionen Euro senken. Deshalb war der Transfer wirtschaftlich sinnvoll.

Was ist für Ihren Klub Samstag beim Meister Dortmund möglich?

Hopp: In drei Meisterschaftsspielen haben wir zweimal 1:1 und einmal 0:0 gespielt, also in Dortmund noch nicht verloren. Wenn der BVB nicht so traumhaft spielt wie in Hamburg, dann gibt es ein 2:2.