Siegesserie des BVB in Stuttgart gerissen

Frank Lamers
BVB-Linksverteidiger Marcel Schmelzer (r.) im Duell mit dem Stuttgarter Martin Harnik. (Foto:dapd)
BVB-Linksverteidiger Marcel Schmelzer (r.) im Duell mit dem Stuttgarter Martin Harnik. (Foto:dapd)
Nach zuvor vier Siegen in Folge trennte sich Borussia Dortmund vom VfB Stuttgart 1:1. Lukasz Piszczek sorgte mit seinem Treffer für den Punktgewinn des BVB bei den Schwaben. Die Fans sahen eine rasante Begegnung.

Stuttgart. Erst um 15.45 Uhr konnte die Partie in der Stuttgarter Arena angepfiffen werden. Ein Viertelstündchen später als geplant. Der Mannschaftsbus der Dortmunder Borussen war auf dem Weg ins Schwabenland in einen Stau geraten. Von den Glückskeksen, die vor den Eingängen verteilt wurden, müssen aber alle Akteure noch etwas abbekommen haben. Am Ende herrschte Zufriedenheit mit einem 1:1 (1:1). Beim BVB, obwohl die Serie – vier Siege in Folge in der Bundesliga – gerissen war. Beim VfB. Und bei den Fans, die eine rasante Begegnung gesehen hatten.

Schon vor dem Start wenig glücklich wird aber Kevin Großkreutz gewesen sein. Alle, die beim Pokalerfolg gegen Dynamo Dresden am vergangenen Dienstagabend dabei waren, hatte BVB-Trainer Jürgen Klopp auch für die Begegnung mit dem VfB nominiert. Nur den Kevin nicht. Der musste zunächst auf der Bank Platz nehmen. Für den Flügelmann kam der zwischenzeitlich gesperrte Ivan Perisic zurück in die erste Formation. Ansonsten: Der angeschlagene Jakub Blaszczykowski musste kurzfristig passen. Dass der verletzte Patrick Owomoyela ausfallen würde, war schon länger bekannt. Und dass Klopp den sich erst langsam wieder an seine Bestform heranarbeitenden lange verletzten Stürmer Lucas Barrios nicht von Anfang an spielen lassen würde, durfte ebenso erwartet werden wie die Bankrolle für Ilkay Gündogan.

Die Stabilität, die der Borussen-Trainer durch den erneuten Einsatz von Kapitän Sebastian Kehl für Gündogan im zentralen defensiven Mittelfeld erreichen wollte, schien für beide Teams in der ersten Halbzeit allerdings kein erstrebenswertes Ziel. Fußball mit Hurra boten sie. Mit mehr Chancen für die Gäste aus Westfalen. In der dritten Minute traf BVB-Alleinstürmer Robert Lewandowski den linken Pfosten des von Sven Ulreich gehüteten Tores. Eine Minute später flog der von Mario Götze geschossene Ball am selben Pfosten vorbei. In Minute fünf patzte VfB-Innenverteidiger Serdar Tasci im Spielaufbau und der bei Perisic gelandete Ball nahm den Weg am rechten Pfosten vorbei. Wieder eine Minute später versuchte es Rechtsverteidiger Lukasz Piszczek aus der Distanz. Vorbei.

VfB-Führung durch Tasci

Die größte Chance aber hatten die Stuttgarter. Christian Molinaro zog im Strafraum ab. Dortmunds Torhüter musste beide Fäuste einsetzen, um den Einschlag des Geschosses zu verhindern. Es ging Schlag auf Schlag. Und die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia hatte zunächst das Glück auf ihrer Seite. Mazas Foul an Götze brachte dem BVB in der 22. Minute einen Freistoß. Perisic aber traf nicht, es war die nächste Szene, die den ersten Wert für die Statistik erbrachte. Eine Minute später. Nach einem von Neven Subotic verschuldeten Freistoß zirkelte der ehemalige Borussen-Regisseur Tamas Hajnal den Ball von der linken Seite in die rechte Strafraumhälfte. Dort lauerte der von Kehl nicht sorgsam genug bewachte Martin Harnik. Der Österreicher trifft den Pfosten. Der Ball zischt zurück. Und Tasci ist da. 1:0.

In diesem Moment hatte der in der vergangenen Saison so tief gestürzte VfB den amtierenden deutschen Meister in der Tabelle überholt. Doch es ging ja weiter. Götze wurde in der 37. Minute im Strafraum unfair attackiert. Schiedsrichter Manuel Gräfes Pfiff zum Elfmeter blieb aus. Doch es gab auch noch eine Minute Nachspielzeit in Halbzeit eins. Und die nutzten die Schwarzgelben zur Freude von circa 8000 angereisten eigenen Fans im Stadion. Götze zu Kagawa, der bringt den Ball weiter zu Piszczek. Und der Pole verwandelt. 1:1. Alles wieder offen in der Hurra-Partie, an der der angeschlagene Sven Bender in Runde zwei nicht mehr teilnehmen konnte. Die Position an der Seite von Kehl durfte allerdings nicht Gündogan einnehmen. Eingewechselt wurde der erst 18-jährige Moritz Leitner.

Barrios für Lewandowski

Trotz des Offensivdrangs aller Beteiligten waren die Möglichkeiten zum Einschuss dann nicht mehr so dicht an dicht gereiht wie in den ersten 45 plus eins Minuten. Ein Distanzschuss von Kagawa in der 50. Minute, den Ulreich parierte. Ein Distanzschuss von Zdravko Kuzmanovic in der 56. Minute, den Weidenfeller parierte. Nach einer Stunde Kagawa allein gegen alle und siegreich – nur nicht treffsicher. In der 72. Minute reagierte Klopp und schickte Barrios für den in der ersten Halbzeit starken Lewandowski auf das Feld. Etwas später durfte Großkreutz für Perisic mitmachen. Auch, weil die Partie immer mehr an Fahrt verloren hatte und die neuen Kräfte brauchte.

Auf beiden Seiten. Der für Shinji Okazaki bei den Stuttgartern gekommene Ibrahima Traore prüfte in der 81. Minute Dortmunds Torhüter. Und der hätte beinahe nicht bestanden. Götze prüfte Ullreich in Minute 88. Und der bestand glänzend. Wie auch eine Minute später gegen einen Kopfball aus nächster Nähe von Subotic. Das war’s. Remis. Aber ein gutes.