Pierre-Emerick Aubameyang könnte Teil eines Umbruchs beim FC Arsenal sein

Sind noch beim Arsenal vereint: Trainer Arsène Wenger (l) und Mesut Özil.
Sind noch beim Arsenal vereint: Trainer Arsène Wenger (l) und Mesut Özil.
Foto: dpa
  • Arsenal hinkt den eigenen Ansprüchen hinterher
  • Mit Sanchez und Özil brechen zwei Säulen weg aus der Wenger-Elf
  • Zwei neue Stars könnten kommen

London. Sollte Pierre-Emerick Aubameyang am Sonntag vor dem Fernseher gesessen und das Spiel seines möglichen neuen Arbeitgebers verfolgt haben, hätte er gute Gründe gehabt, zutiefst erschüttert zu sein.

Der FC Arsenal trat in Bournemouth an, bei einem Team, das gegen den Abstieg spielt. Ein Sieg sollte eine Pflichtübung sein für Mannschaften aus dem oberen Segment der Tabelle. Doch wegen eigener Unzulänglichkeiten in der Defensive verschenkte der Klub aus dem Norden Londons die Punkte und verlor 1:2 durch zwei Gegentreffer innerhalb von vier Minuten in der zweiten Halbzeit. Trainer Arsène Wenger zeigte sich hinterher ratlos. „Ich habe keine Ahnung, woher die Tore kamen. Ich weiß nicht, warum wir verloren haben“, sagte er.

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Arsenal droht, den Anschluss zu verlieren

Und das ist schon ein Teil der traurigen Diagnose, die dem Verein gestellt werden muss. Der FC Arsenal spielt mittlerweile so durchschnittlich, dass er nicht einmal besonders starke Gegner braucht, um zu verlieren. Nach der sechsten Niederlage und dem insgesamt zwölften sieglosen Spiel der Saison hängt Wengers Mannschaft auf dem sechsten Tabellenplatz fest und droht den Anschluss zu verlieren an die anderen großen Klubs. Der Rückstand auf den Nordlondon-Rivalen Tottenham auf Rang fünf beträgt schon fünf Punkte. Im FA-Cup ist das Team am Zweitligisten Nottingham Forest gescheitert.

Die aktuelle Lage illustriert den Trend des vergangenen Jahrzehnts beim FC Arsenal. Anfang der 2000er begeisterte der Klub mit rauschendem Offensivfußball und blieb in der Saison 2003/2004 als bislang einziges Team im Zeitalter der Premier League ungeschlagen. Arsenals Fans denken mit Wehmut an so genannten Invincibles um Jens Lehmann, Freddie Ljungberg, Dennis Bergkamp und Thierry Henry. Denn der Klub ist längst kein Titelkandidat mehr. Genau genommen ist er nicht einmal mehr ein Anwärter auf die vorderen drei Plätze.

Spieler wie Rob Holding, Calum Chambers, Ainsley Maitland-Niles oder Alex Iwobi – alle gegen Bournemouth von Anfang an dabei – würden es vermutlich bei keinem europäischen Eliteteam in die Startelf schaffen. Der seit 21 Jahren amtierende Wenger, am Ende der vergangenen Saison mit einem neuen Vertrag über zwei Jahre ausgestattet und von Geschäftsführer Ivan Gazidis als „Katalysator des Wandels“ gepriesen, ist nach allgemeinem Empfinden längst zum Bremsklotz der Erneuerung geworden. Er scheint am Ende. Wie schon so oft in der jüngeren Geschichte. Doch trotz dröhnender Kritik von Fans und Fachleuten hielten Arsenals Verantwortliche bislang immer an ihm fest. Wohl eher aus Dankbarkeit für vergangene Erfolge als in der Hoffnung auf künftige Titel.

Sanchez drängt auf seinen sofortigen Abschied

Sinnbildlich für die Stagnation des Klubs, der in dieser Saison zum ersten Mal seit 20 Jahren nicht einmal mehr in der Champions League spielt, ist die Situation der beiden besten Spieler. Mesut Özil und Alexis Sánchez haben des Potenzial, Arsenal zu einer Spitzenmannschaft zu machen, wie zum Beispiel im November beim 2:0-Erfolg gegen Tottenham zu erkennen war. Doch sie befinden sich auf dem Absprung. Ihre Verträge laufen am Ende der Saison aus.

U nd während Özil immerhin noch bis Sommer im Arsenal-Trikot zu besichtigen sein dürfte, drängt Sánchez auf seinen sofortigen Abschied. Fraglich ist nicht mehr, ob er noch in der laufenden Transferphase geht – sondern nur, wann genau und wohin. Der fast schon ausgemachte Wechsel zu Manchester City scheiterte, stattdessen hat Manchester United neuerdings beste Aussichten, den Offensivmann aus Chile zu übernehmen. Im Gespräch ist eine Ablösesumme von rund 40 Millionen Euro. Das ist immer noch ein stolzer Preis für einen Spieler, der im Sommer kostenfrei zu haben wäre, aber deutlich weniger, als ein Verkauf vor dieser Saison eingebracht hätte.

Der offenbar als Ersatz vorgesehene Aubameyang könnte Teil eines Umbruchs beim FC Arsenal sein. Seine Verpflichtung wäre ein ambitioniertes Unterfangen für den zuletzt in Anspruchslosigkeit erstarrten Klub. Nicht nur finanziell, sondern auch sportlich. Zusammen mit dem vor der Saison aus Lyon gekommenen Alexandre Lacazette und dem Ex-Dortmunder Henrikh Mkhitaryan von Manchester United, der möglicherweise im Tausch gegen Sánchez kommt, hätte der Klub eine dynamische, technisch hochwertige und trotzdem kraftvolle Offensive. Außerdem würde die Verpflichtung Aubameyangs eine Verschiebung der Machtverhältnisse hinter den Kulissen anzeigen.

Arsenal baut die Strukturen um Wenger großflächig um

Arsenal ist gerade dabei, die Strukturen um Trainer Wenger großflächig umzubauen, neue Posten zu schaffen und Experten zu engagieren. Ex-Torwart Lehmann ist ins Trainerteam aufgerückt, Per Mertesacker übernimmt im Sommer die Leitung des Nachwuchszentrums, der ehemalige Barcelona-Funktionär Raul Sanllehi tritt Anfang Februar seinen Posten als eine Art Sportdirektor an, und der aus Dortmund geholte Chefscout Sven Mislintat hat gerade seinen ersten Transfer orchestriert, die Verpflichtung des 20 Jahre jungen Griechen Konstantinos Mavropanos. Es heißt, dass Mislintat auch hinter dem Interesse an Aubameyang steckt, während Wenger skeptisch ist wegen des eigenwilligen Wesens des Angreifers.

Sollte der Handel wirklich stattfinden, wäre das ein Zeichen dafür, dass die Alleinherrschaft des Trainers beim FC Arsenal bröckelt und er zunehmend Einfluss abgibt. Vielen Fans dürfte das sehr recht sein.

 

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