Pierre-Emerick Aubameyang ist der BVB-Star mit dem Raketenantrieb

Daniel Berg
Pierre-Emerick Aubameyang wünscht sich in der nächsten Saison einen Titel mit dem BVB.
Pierre-Emerick Aubameyang wünscht sich in der nächsten Saison einen Titel mit dem BVB.
Foto: AFP
BVB-Neuzugang Pierre-Emerick Aubameyang fuhr an seinem ersten Arbeitstag bei Borussia Dortmund mit einem 570-PS-Ferrari vor. Aber eigentlich, sagt der blitzschnelle Neuzugang, sei er schüchtern. Inwieweit passt der Neuzugang aus St. Etienne ins BVB-Gefüge?

Bad Ragaz. Der Irokesenschnitt ist sein Markenzeichen. Der mittlere Streifen Haupthaar ragt auch jetzt ungezähmt in die Höhe, die Seiten aber sind abrasiert. Nur an einer Stelle auf der rechten ist eine kleine Fläche Haar so kunstvoll bearbeitet worden, dass ein Stern zu erkennen ist.

Um den Hals trägt er eine Kette mit einem Kreuz daran, am linken Handgelenk baumelt ein ledernes Armband. So sieht er aus, der Mann, von dem in den vergangenen Tagen so viele Bilder angefertigt wurden. Mit Worten. Mit Kameras. Er heißt Pierre-Emerick Aubameyang, Neuzugang von Borussia Dortmund, 13 Millionen Euro teuer. Und – so die allgemeine Meinung – irgendwie durchgeknallt.

Wann zückt Aubameyang die Spiderman-Maske

Es gibt sie ja tatsächlich, diese Bilder. Ein Streifzug durch das Internet genügt. Aubameyang, wie er eigens für ihn angefertigte Fußball-Schuhe mit Swarowski-Kristallen trägt. Aubameyang, wie er ein Tor mit einer Spiderman-Maske vor dem Gesicht feiert.

Aubameyang, wie er vor sündhaft teuren Sportwagen posiert. Aubameyang mit Sonnenbrille, schrillen Outfits und schrägen Frisuren. Zum ersten Arbeitstag bei Borussia Dortmund erschien der Stürmer mit seinem weißen Ferrari, 570 PS stark, Initialen auf dem Kotflügel, teuer wie ein schickes Einfamilienhaus. Das ist erstmal schwer in Einklang zu bringen mit dem Image des Arbeiterklubs, als welcher sich der BVB positioniert.

Aber es gibt noch mehr Bilder von ihm. Sie zeigen ihn auf dem Fußball-Platz, meistens jubelnd. Das ist, wofür sich der BVB irgendwann vorrangig zu interessieren begann. „Als ich hörte, dass der BVB Interesse hat, war ich sofort Feuer und Flamme“, sagt der 24-Jährige, „das ist ein großer Klub, der mir helfen kann, ein großer Spieler zu werden.“ Die Bühne kann ihm nicht groß genug sein, solange sie aus kleinen grünen Halmen besteht.

Er sitzt im Mannschaftshotel im schweizerischen Bad Ragaz, wo der Vize-Meister sein Trainingslager abhält. Seine neuen Kollegen beschreiben ihn als ruhig, zurückhaltend, fast scheu. Aubameyang spricht leise, formuliert mit Bedacht. Sätze wie diese: „Ich ziehe mich gerne so an, wie ich es tue. Meine Frisur trage ich so, wie sie mir gefällt. Und obwohl das nicht so aussieht, bin ich ein sehr, sehr ruhiger und schüchterner Mensch. Ich werde mich deswegen nicht ändern. Ich denke, dass sich das Interesse an diesen Dingen legen wird.“ Er hofft es vermutlich auch.

Hochgeschwindigkeits-Quartett des BVB

Schließlich ist er zum Toreschießen hier. Mit seiner enormen Geschwindigkeit soll er das Dortmunder Spiel um einen weiteren Raketenantrieb bereichern. Zusammen mit Marco Reus, Jakub Blaszczykowski und Henrikh Mkhitaryan bildet er ein Hochgeschwindigkeits-Quartett, das sich um drei Plätze im offensiven Mittelfeld bewirbt. Es sei denn, Aubameyang kommt mal an Stelle von Robert Lewandowski zum Einsatz. Denn auch das kann der gabunische Nationalspieler, der in Frankreich geboren wurde.

Applaus für die Grätsche zur Ecke

Seine Ziele sind groß, Zurückhaltung kennt er da nicht. „Ich wünsche mir einen Titel nächste Saison.“ Welchen? „Am besten alle – wenn es geht.“ Das wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht gehen. Aber um Titel mitspielen, das wird gehen. Trainer Jürgen Klopp wird seinen auffälligsten Mann im Kader auf seine Aufgaben vorbereiten.

Neulich in Basel absolvierte Aubameyang sein erstes Spiel für Borussia Dortmund, ein Test nur, gewiss, aber der Mann mit der Rückennummer 17 hetzte einem Gegenspieler bis an die eigene Torauslinie hinterher und klärte den Ball zur Ecke. Jürgen Klopp stand 100 Meter von der Szene entfernt an der Außenlinie und applaudierte so begeistert wie bei manchem Tor seiner Mannschaft nicht. Er weiß, dass es auch für einen Mann, der im weißen Ferrari vorfährt, wichtig ist, grundlegende Dinge des Fußballs zu beherzigen. Oder besser gesagt: gerade für so jemanden.