Minister de Maizière lobt BVB-Arbeit gegen Rechtsextremismus

Der BVB betreibt eine intensive Fan- und Jugendarbeit gegen Rechtsextremismus.
Der BVB betreibt eine intensive Fan- und Jugendarbeit gegen Rechtsextremismus.
Foto: Imago
Bundesinnenminister de Maizière hat beim BVB dessen Arbeit gegen Rechtsextremismus gelobt. Und gewarnt: Die Sympathie für rechte Ideen nehme zu.

Dortmund.. Die Sorge in der Bundesregierung vor einer Ausbreitung rechtsextremer Ideen sitzt offenbar tiefer als bisher eingeräumt. Rechtsextremismus und Rechtspopulismus in Deutschland seien dabei, „in die Mittelschicht hineinzukriechen“, warnt Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU). „Die klammheimliche Sympathie nimmt zu“, sagte er in Dortmund. Zuwanderung und Flüchtlinge seien zu Reizthemen geworden.

Er forderte die Gesellschaft auf, offensiver Vertretern rechter Bewegungen entgegenzutreten: Es dürfe nicht nur Auseinandersetzungen mit Linksaußen geben. Auch mit Rechten „müssen wir wieder streiten“, und „Angst darf in diesem Land keinen Raum bekommen“. Von den 21.000 Rechtsextremisten in Deutschland sei die Hälfte gewaltbereit und die Zahl ihrer Gewalttaten habe im letzten Jahr um 23 Prozent zugenommen.

Dortmund als Hochburg der rechten Szene

Der Führungswechsel in der populistischen Bewegung AfD (Alternative für Deutschland) von Bernd Lucke zu Frauke Petry ist für den Innenminister kein Anlass zum vorzeitigen Abgesang auf die Partei. „Ich bin nicht ganz sicher, ob nicht eine Petry-AfD wieder stärker werden könnte“, sagte er nach dem Besuch bei Borussia Dortmund, wo er im Bildungszentrum des Vereins Einblick in die Arbeit in die politische Aufklärungsarbeit des Bundesligisten erhielt.

Ausgerechnet die seit fast 70 Jahren SPD-regierte Ruhrgebietsstadt Dortmund („Herzkammer der Sozialdemokratie“) gilt als „Hochburg“ der rechten Szene und rechter Gewalt. Bis zu 100 aktive Rechtsextreme sind hier heimisch. Bis zu 30 von ihnen sind gewaltbereit.

24.000 Menschen mit "90 Minuten gegen Rechts" erreicht

Auch das Umfeld des Fußballs gilt bundesweit als besonders anfällig. Der BVB, der schon in den 70er-Jahren mit der extremen „Borussenfront“ Probleme hatte, betreibt deshalb seit etwa zweieinhalb Jahren eine intensive Fan- und Jugendarbeit, um ein Abrutschen eines Teils der Anhänger in die rechte Szene zu vermeiden und zu stoppen. So gibt es das Programm „90 Minuten gegen Rechts“, bei dem unter anderem über Lifestyle, Codes und Symbole der rechten Szene aufgeklärt wird und regelmäßige Reisen zu KZ-Gedenkstätten wie Auschwitz stattfinden .Bisher habe man rund 24.000 vor allem junge Leute damit erreicht, versichern die Initiatoren.

De Maiziere nannte die Dortmunder Fan-Arbeit vorbildlich – und forderte andere Vereine unmissverständlich auf, dieser zu folgen: „Es gibt viele Städte und Vereine, da gibt es Extremismus. Aber da wird das nicht gesagt. Hier ist das anders“. Es sei richtig, die Probleme „frontal zu adressieren“.

"Zivilgesellschaft mit klare Kante zeigen"

Tatsächlich erkennt die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze der deutschen Polizeibehörden in Duisburg in 16 der 18 Bundesliga-Vereinen Tendenzen, dass sich die gewaltbereite Fan-Szene mit dem rechten Milieu mischt. Ein Abgleich der Dateien für politische Gewalttaten und Gewalttaten im Umfeld des Fußballs ergab zudem, dass 520 Namen in beiden Dateien übereinstimmen, von denen 400 Rechtsextremen zugeordnet werden konnten.

Steven Hartung, ein Aussteiger aus der besonders extremistischen Szene Thüringens, warnte beim Besuch des Innenministers in Dortmund davor, zu zahm mit den Extremisten umzugehen. Veranstaltungen wie „Bratwurst-Braten gegen rechts“ würden nichts bringen. „Die Zivilgesellschaft muss klare Kante zeigen“. Das teilt auch Dortmunds Polizeichef Gregor Lange: „Wir gehen inzwischen bis zum äußersten, was rechtlich möglich ist“, sagte er.

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