Meisterschale übernachtete bei BVB-Kapitän Kehl

Thorsten Schabelon
Zum achten Mal erhielt Borussia Dortmund am Samstag die Meisterschale. Die BVB-Bilanz: beste Heim- und Auswärtsmannschaft, 28 Liga-Spiele nacheinander ohne Niederlage. Mit 80 521 Fans pro Heimspiel ein Zuschauer-Rekord. Und schließlich die 81, der Punkte-Rekord.

Dortmund. Es war wieder einmal ein ganz besonderes Wochenende für Borussia Dortmund. Zum achten Mal insgesamt, zum zweiten Mal in Serie erhielt der BVB die begehrte Meisterschale. Und wir haben das gute Stück begleitet.

Samstag, 15.14 Uhr

Die Fans sind heute früher auf ihren Plätzen, denn vor dem Anstoß kommt der Abschied. Lucas Barrios, Florian Kringe und Antonio da Silva verlassen den Verein. Hoch oben, mitten auf der Westtribüne der Dortmunder Arena, steht die Schale auf einem Podest – und wartet darauf, dass Hände an sie gelegt werden.

16.17 Uhr

Pause bei einem einseitigen Duell. Freiburgs Trainer Christian Streich wollte seine Mannschaft mitspielen lassen. Die darf aber nur mitlaufen. Beim BVB ist Tag der Polen. Jakub Blaszczykowski (5./39.) und Robert Lewandowski (20./27.) sorgen für die 4:0-Führung, die auch Endergebnis sein wird.

17.18 Uhr

Abpfiff. Die Meisterprofis steigen als Raupe Nimmersatt langsam die Westtribüne hinauf. Ziel ist der Block 27. Und es ist der schönste Lauf-Weg der Saison. Beste Heim- und Auswärtsmannschaft, 28 Liga-Spiele nacheinander ohne Niederlage. Mit 80 521 Fans pro Heimspiel natürlich: ein Zuschauer-Rekord. Und schließlich die 81, der unglaubliche Punkte-Rekord. „Darauf können wir noch in 40 Jahren zurückblicken“, sagt Jürgen Klopp. Und im Block 27, dem „Schnittchenblock“ mit den Vip-Zuschauern, entsteht eine gelbe Spieler-Insel. Von Liga-Geschäftsführer Christian Seifert gibt es Meistermedaillen. Von Liga- und BVB-Präsident Reinhard Rauball gibt es Umarmungen. Erst einmal.

17.30 Uhr

Auf dem Rasen reißt die Ordnerkette, der Druck ist zu groß: Tausende Fans von der Südtribüne wollen auf dem Platz feiern. Die BVB-Profis schauen schmunzelnd zu. Zumindest anfangs.

17.34 Uhr

Reinhard Rauball legt die Schale in die Hände von Sebastian Kehl. Der Kapitän gibt dem guten Stück, Freundin Tina wird es verziehen haben, einen Kuss. Dann wuchtet er die Schale in die Dortmunder Luft. Kevin Großkreutz entdeckt den Gotthilf Fischer in sich und ist mit dem Mikrofon Vorgröler für den größten Dortmunder Meisterchor. Danach ist sicher: Großkreutz könnte zwar künftig mal wieder das DFB-Trikot tragen, aber nicht die deutschen Farben beim Eurovision Song Contest vertreten.

17.45 Uhr

Der Stadion-Innenraum erinnert an ein Schlachtfeld. Rasenstücke werden herausgerissen. Grün der Erinnerung. Wie schon während des Spiels werden Bengalos, Rauchbomben und Böller gezündet. Die Tore werden eingeknickt. Und zerlegt. „So ‘ne Latte ist ‘was fürs Wohnzimmer“, erklärt Kevin Großkreutz. „Der Platzsturm ist schade und ärgerlich“, findet Sebastian Kehl. „Wir wollten eine Ehrenrunde drehen, mit den Fans feiern. Das haben sie sich selbst zuzuschreiben“, sagt Jürgen Klopp. Der Trainer erlebt bei der Pressekonferenz, wie unwichtig plötzlich Fußball sein kann. Ein älterer Herr ist auf den Rängen kollabiert, liegt im Presseraum auf dem Boden.

21 Uhr

Entspanntes Meisterbankett im Dortmunder U, mit Verteidigungsminister Thomas de Maizière und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Sebastian Kehl küsst dieses Mal nicht die Schale, sondern Freundin Tina. Jürgen Klopp verlegt den Zapfenstreich von ein Uhr auf zwei Uhr. Er will etwas länger bleiben. Und: „Die Lampen ausschießen wird sich eh keiner.“

Sonntag, 11 Uhr

Fast alle Spieler sind eine Stunde vor der vereinbarten Zeit zum Trainingsgelände gekommen, arbeiten freiwillig im Kraftraum. Sebastian Kehl, bei dem die Schale übernachtet hat, übergibt das Meisterstück beim gemeinsamen Frühstück an Teammanager und Schalenwart Fritz Lünschermann. Letztes Jahr war noch Lünschermann im Bett neben der Schale aufgewacht. „Und wieder ein Jahr polieren“, sagt er und packt die Trophäe in den Koffer. Die Profis haben Montag frei, Dienstag beginnt die Trainingswoche, Freitag geht es nach Berlin. Im Handgepäck: die Schale. „Der Pott würde gut zu ihr passen.“ Findet Fritz Lünschermann.