Langerak rückt beim BVB in den Fokus

Thorsten Schabelon
Mitchell Langerak
Mitchell Langerak
Foto: imago sportfotodienst
BVB-Torwart Roman Weidenfeller droht mit einer Bänderdehnung im Knie eine Pause. Sein Ersatz Mitchell Langerak rückt in den Fokus. „Wenn ich Samstag gebraucht werde, bin ich bereit“, sagte er.

Dortmund. Die Begebenheit entbehrt nicht einer gewissen Tragik. Im April 2008 hatte Roman Weidenfeller, Torwart von Borussia Dortmund, gerade eine langwierige Schulterverletzung auskuriert. Sein Comeback stand an. Das Bundesliga-Spiel gegen den FC Bayern in München sollte der Härtetest sein für das eine Woche später anstehende DFB-Pokalfinale in Berlin, das bis dato größte Spiel in Weidenfellers Karriere. Aber das Comeback platzte. Der BVB-Torwart fiel im Abschlusstraining auf einen Ball und zog sich eine Innenbandverletzung im linken Knie zu.

Im Februar 2011 droht sich diese Geschichte zu wiederholen. Der BVB hat wieder ein ganz wichtiges Spiel gegen den FC Bayern München. Dieses Mal könnte vorzeitig die Meisterschaft entschieden werden. Und wieder droht Weidenfeller auszufallen. Am Dienstag war er im Training mit Mats Hummels zusammengerauscht. Gestern kam die Diagnose: Innenbanddehnung samt Kapseleinriss im linken Knie. Der 30-Jährige hat Trainingspause. Freitag, vor der Abschlusseinheit, wird ein Schmerzmittel gespritzt. Dann testet Weidenfeller, wie stabil das verletzte Knie unter voller Belastung ist.

Sollte der BVB-Kapitän am Samstagabend bei den Bayern nicht auflaufen können, würde ihn Mitchell „Mitch“ Langerak ersetzen. Der 22-jährige Australier ist seit Sommer 2010 Ersatztorwart in Dortmund, wo er den erfahrenen Marc Ziegler (34, jetzt VfB Stuttgart) ersetzte. Bis Mittwochnachmittag konnte Langerak nach den Trainingseinheiten in Ruhe in die Umkleidekabine schlendern. Gestern war er dann bei den Journalisten plötzlich der begehrteste Interviewpartner. „Wenn ich Samstag gebraucht werde, bin ich bereit“, sagte er.

Langerak wäre zwar Bundesliga-Debütant, hat aber schon Profi-Erfahrung gesammelt. Der smarte wie braun gebrannte Modellathlet, dem man eine Hauptrolle in der TV-Rettungsschwimmer-Serie Baywatch zutrauen würde, spielte schon mit 19 Jahren in der ersten australischen Liga für Melbourne Victory, lief in der asiatischen Champions League auf und gilt bei WM-Teilnehmer Australien als Nachfolger von Torhüter-Legende Marc Schwarzer. „Er verkörpert das moderne Torwartspiel“, sagt BVB-Sportdirektor Michael Zorc über den dynamischen wie reflexstarken Langerak, dessen Stärke im „Eins gegen Eins“ liegt. Außerdem hat der Australier Qualitäten mit dem Fuß am Ball. „Er ist rundum gut ausgebildet. An einigen Stellen muss noch gefeilt werden“, so BVB-Torwarttrainer Teddy de Beer im letzten Sommer. Seitdem arbeitet er am Feinschliff seines jungen Lehrlings.

Talentiert, wissbegierig

Der ist nicht indes nur talentiert, sondern auch aufmerksam, fragt viel, beobachtet alles interessiert. Auch abseits des Platzes ist der Australier wissbegierig und besucht zweimal in der Woche einen Intensiv-Sprachkurs. „Hier reden alle gerne englisch mit mir, aber ich will Deutsch lernen.“ Auf dem Spielfeld schreit er seine Anweisungen längst auf Deutsch: „Es ist nicht alles richtig, was ich rufe, aber die Jungs verstehen es wohl“, sagt Langerak. Und lächelt.

Vergangene Woche lief der 22-Jährige für die Dortmunder Amateure in der Regionalliga auf. Es war sein erstes Pflichtspiel für den BVB, der erste Einsatz unter Wettbewerbsbedingungen seit Mai 2010 und ein wichtiger Praxistest für den Bandrücker: Denn Roman Weidenfeller hat bislang vier Verwarnungen. Der absehbaren Gelbsperre des Stammtorwarts würde Langeraks Debüt folgen. Das könnte nun Samstag anstehen. Im wichtigsten BVB-Spiel der Saison.